Frankreich: Razzia gegen Terroristen

Bei Anti-Terror-Razzien in Frankreich und Italien am Montag sind insgesamt 20 Personen festgenommen worden. Im Großraum Paris und in der Normandie gingen der französischen Polizei am Montag neun Terrorverdächtige ins Netz.

Es handele sich um mutmaßliche Mitglieder der algerischen Salafisten-Gruppe GSPC, der Kontakte zum Terrornetzwerk Al Kaida nachgesagt werden, verlautete aus Justizkreisen. Die Gruppe wird verdächtigt, Terroranschläge in Frankreich geplant zu haben. Italienische Behörden nahmen unterdessen in Mailand und Umgebung elf Algerier fest, die die GSPC finanziell unterstützt haben sollen.

Laut Polizeisprecher Mariano La Malfa wurden rund 20 Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht. Ob die beiden Polizeiaktionen in Zusammenhang standen, war zunächst nicht bekannt.

Die Festgenommenen in Frankreich sind nach den Angaben Mitglieder der in Algerien aktiven Terrororganisation GSPC (Salafistische Gruppe für Predigt und Kampf). Früher die größte islamistische Terroristengruppe in dem nordafrikanischen Land, hat sich die inzwischen geschwächte GSPC nach den Erkenntnissen von Geheimdiensten dem Terrornetz Al Kaida als Handlanger angedient und plant Anschläge auch im Ausland. Seit den Bombenanschlägen in London im Juli bekräftigen die Regierung in Paris und Spezialisten für Terrorabwehr immer wieder, dass auch Frankreich im Visier der Terroristen sei. Die Regierung hat einen Gesetzentwurf fertig gestellt, der die Überwachung mit Kameras sowie den Zugriff auf Telefondaten nach britischem Muster verbessern soll.

Die Pariser Ermittler interessieren sich vor allem für sieben der neun Festgenommenen. Kopf der „gut strukturierten“ Gruppe soll Safé Bourrada sein, ein bereits wegen logistischer Unterstützung mehrerer Anschläge im Jahr 1995 in Paris verurteilter Terrorist. Bourrada wurde 1998 wegen der Unterstützung der Attentate auf die Pariser U-Bahn und andere Ziele zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt worden, verlautete am Montag aus Kreisen der Ermittler.

Er wurde demnach Anfang 2003 frühzeitig aus dem Gefängnis entlassen, aber vom Geheimdienst weiter überwacht. Im Juni 2005 sei die Überwachung verschärft worden, nachdem es nicht näher bezeichnete „Informationen aus dem Ausland“ zu den Aktivitäten der Gruppe gegeben habe. Eine Festnahme im Juni 2005 führte dann klarer auf die Spur der Gruppe. Der französischen Terror-Abwehr ist es in den vergangenen Jahren wiederholt gelungen, islamistische Zellen auszuheben, die Anschläge vorbereiten wollten, darunter auch ein Attentat auf den Straßburger Weihnachtsmarkt.

Bourrada kennt den Angaben zufolge auch den mutmaßlichen Finanzier der Attentate von 1995, Rachid Ramda. Ramda ist seit zehn Jahren in Großbritannien inhaftiert und soll schon seit längerer Zeit an Frankreich ausgeliefert werden. Dies konnte er bisher durch immer neue Einsprüche bei der britischen Justiz verhindern. Bei den Anschlägen im Sommer und Herbst 1995 in Frankreich waren acht Menschen getötet und fast 200 verletzt worden. Der schwerste war das Attentat auf die Schnellbahn-Station Saint-Michel im Zentrum von Paris. Bis Oktober 1995 folgten sieben weitere Anschläge in- und außerhalb der französischen Hauptstadt.

Diese gingen auf das Konto der algerischen Fundamentalistenorganisation Bewaffnete Islamische Gruppe (GIA). Sie hatte in den 90er Jahren einen „Heiligen Krieg“ gegen Frankreich geführt, weil die ehemalige Kolonialmacht das Regime in Algier unterstützte. Die GIA existiert noch heute, als gefährlicher wird aber inzwischen die GSPC eingestuft. 2003 entführte die GSPC in der Sahara europäische Touristen, darunter mehrere Deutsche.

Auch die elf verdächtigten Algerier im Raum Mailand gehören den Angaben zufolge zur Terrororganisation GSPC. Mehrere seien bereits in Haft, hieß es ohne Angaben von Einzelheiten weiter. Wie die Behörden weiter mitteilten, wurden bei den Durchsuchungen zahlreiche Dokumente beschlagnahmt. Darunter seien Papiere, die Geldüberweisungen der Gruppe zwischen Großbritannien, Belgien und Spanien belegten. Italien ist laut Geheimdiensten seit längerem im Visier islamistischer Terroristen, vor allem wegen seiner Militärpräsenz im Irak. Vor allem im Raum Mailand wurden mehrfach Verdächtige festgenommen.

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