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Frankreich: "Kopftuchverbot" trotz Entführungen

Frankreich hat mit dem ersten Tag des neuen Schuljahres am Donnerstag das Verbot „auffälliger religiöser Symbole“ an staatlichen Schulen umgesetzt. Die Regierung widersetzte sich damit der Forderung radikal-islamischer Entführer im Irak.

Diese haben mit der Ermordung ihrer beiden französischen Geiseln gedroht. Nach dem Ablauf eines Ultimatums am Mittwoch war das Schicksal der Reporter ungewiss.

Nur wenige moslemische Mädchen trugen das Kopftuch, das nunmehr als islamisches Symbol wie die jüdische Kippa und große christliche Kreuze an staatlichen Schulen untersagt ist. Als der Unterricht für die rund zwölf Millionen Schüler begann, waren keine Proteste gegen das Verbot bekannt. Selbst an Lehranstalten, an denen im vergangenen Jahr Dutzende moslemische Mädchen den „foulard“ getragen hatten, waren am Donnerstag nur wenige Kopftücher zu sehen. An Schulen in Paris, Marseille, Lyon und Lille, wo die moslemische Bevölkerung groß ist, waren einige Schülerinnen mit Kopftuch an den Schultoren zu sehen.

„Ich werde es abnehmen, wenn ich hineingehe“, sagte eine Schülerin in Marseille dem Fernsehsender France 3. „Ich brauche doch eine Schulausbildung.“ In der Pariser Trabantenstadt Mantes-la-Jolie, in der es in der Vergangenheit erhebliche Konflikte um kopftuchtragende moslemische Mädchen gegeben hatte, beobachtete ein AFP-Journalist in der Früh, dass acht Mädchen das Gymnasium Saint-Exupery erst betreten durften, als sie ihre Kopftücher abgelegt hatten. Zwei Mädchen, die als Begleitpersonen vollständig verschleiert auftraten, wurden von einer Aufseherin am Betreten des Schulgeländes gehindert.

Frankreich will mit dem Gesetz religiösen Extremismus aus den Schulen fern halten. Der französische Bildungsminister Francois Fillon pries beim Besuch einer Lehranstalt in Chambourcy in der Nähe von Paris die Trennung von Religion und Staat als „modernes Prinzip der Freiheit und Toleranz“. Die Schule habe die Aufgabe, „alle Kinder im Zeichen der Brüderlichkeit“ zu erziehen und dabei „gerecht und gleich“ zu behandeln.

Eltern sagten, sie seien zwar gegen das „Kopftuchverbot“, wollten aber nicht riskieren, dass ihre Töchter der Schule verwiesen würden, wie es das Gesetz es androht. Selbst moslemische Organisationen, die die Schülerinnen zur Missachtung der Bestimmung aufgefordert hatten, mahnten nun, Auseinandersetzungen zu vermeiden. „Sogar in der Moschee haben sie uns gesagt, dass wir die Kopftücher in der Schule abnehmen sollten“, sagte ein 16-jähriges Mädchen in einer Berufsschule bei Paris.

Das mehrheitlich katholische Frankreich ist sowohl das Land mit der größten Anzahl als auch dem höchsten Bevölkerungsanteil an Moslems in Westeuropa. Die etwa 5 Millionen Muslime, die zum größten Teil ursprünglich aus ehemaligen afrikanischen Kolonien kommen, machen 8,5 Prozent der Einwohner aus. In Frankreich leben 600.000 Juden.

Eine Rücknahme des Kopftuchverbotes will die radikale Gruppe Islamische Armee im Irak mit der Geiselnahme der beiden französischen Journalisten Georges Malbrunot und Christian Chesnot erpressen. Die beiden Journalisten waren am 20. August zwischen Bagdad und Najaf von der Gruppe verschleppt worden. „Die Situation ist extrem schwierig, und die Regierung tut ihr Äußerstes, die Freilassung unserer Landsleute zu erreichen“, sagte der französische Industrieminister Patrick Devedjian dem Hörfunksender „RTL“. Er könne nicht sagen, ob die beiden Reporter noch am Leben seien.

Die französische Regierung setzt in der Geiselkrise auf eine Strategie der Diplomatie, die von weiten Teilen der arabischen Welt unterstützt wird. Außenminister Michel Barnier ist seit mehreren Tagen im Nahen Osten. Am Donnerstag reiste er nach Jordanien. Auch Papst Johannes Paul II. sowie eine Reihe arabischer Staaten haben die Freilassung der Geiseln gefordert. Frankreich hatte wie Deutschland und Russland den Irak-Krieg strikt abgelehnt.

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