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Francis Ford Coppola in Wien

Für US-Starregisseur Francis Ford Coppola sind "Filme machen und Wein machen sehr ähnlich, wie alle künstlerischen Prozesse".

Das erklärte der 67-Jährige fünffache Oscar-Preisträger, der seit 30 Jahren auch als Winzer arbeitet am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien. Coppola ist als Vortragender des dritten Management & Consulting Congress com.sult derzeit zu Gast in Wien.

„Beim einen sind die Trauben das Rohmaterial, beim anderen das Drehen mit den Schauspielern. Die zweite Phase, die Veredelung und Verfeinerung des Weines, entspricht dem Schnitt, und dann gibt es bei beiden eine Schlussphase, hier das Abfüllen in Flaschen und dort die Arbeit am Ton und so weiter“, so der Regisseur, dessen „Coppola-Ninebaum Winery“ zu den renommiertesten Kaliforniens zählt.

Neben seinem großen Weingut in Napa Valley führt Coppola, der auch ein begeisterter „eher experimenteller, intuitiver“ Koch ist, eine erfolgreiche Nahrungsmittelfirma und eine Restaurant- und Hotelkette. „Damit kann ich mir meine kleinen Filme finanzieren“. Mit großen Stars wie Brad Pitt oder Tom Cruise werde er ohnehin nicht mehr drehen, kündigte Coppola an. Er will auch keine Filme von anderen Regisseuren mehr produzieren, „außer wenn mich meine Kinder darum bitten“. Tochter Sofia Coppola ist ja ebenfalls eine erfolgreiche Regisseurin. „Die Coppola-Family ist wie eine Zirkusfamilie“, meinte Coppola dazu, „wenn man auf dem Trapez hängt, will man auch lieber, dass einen der Bruder auffängt als ein Fremder.“

Derzeit verfilmt Coppola unter dem Titel „Youth without youth“ ein Buch von Mircea Eliade. Was ihn daran angezogen habe, sei, dass der Rumäne nicht nur Schriftsteller, sondern auch Religionsphilosoph sei. „Ich hoffe, dass ich dadurch auch etwas über das Thema lernen kann“, bekannte Coppola. „Ein Film ist für mich eine Frage. Die großen Filmfirmen wollen natürlich wissen, aber was ist die Antwort?“ Er drehe den Film, über dessen Story er noch nichts verraten will, eher wie ein junger Independent-Filmemacher, mit einem kleinen Budget und einer rumänischen Crew. Unter den Schauspielern sind der Brite Tim Roth, Alexandra Maria Lara und Bruno Ganz.

Vielleicht könne er nach diesem Film auch wieder das über 15 Jahre alte Projekt „Megalopolis“ in Angriff nehmen, das er zwischenzeitlich auf Eis gelegt hat. „Megalopolis ist wie die Liebe zu einer Frau, die man nicht haben kann.“ Der Film sollte ursprünglich in New York spielen und von einem Tycoon handeln, der seinen Traum von der Stadt der Zukunft verwirklichen will. „Es geht um eine Gesellschaft, die ihre Ressourcen für positive menschliche Ziele einsetzt“, erzählt Coppola, für den Kino und Kunst zu den wirkungsvollsten Mitteln gehören, um die Welt zu verändern. „Es ist doch zum Beispiel wunderbar, dass ein Film wie Brokeback Mountain dazu beiträgt, dass konservative Leute Mitgefühl für diese zwei Männer entwickeln. Ich bin sehr froh, dass der Film so populär ist und in der ganzen Welt ein Publikum finden wird. Ob ihn auch George Bush sieht, ist nicht so wichtig.“

Sein Oskar-Favorit ist der Streifen allerdings nicht unbedingt. „Was mir nicht gefällt ist, dass er wie eine Zigarettenwerbung fotografiert ist und die beiden Burschen ausschauen wie Paul Newman. Und ich hatte nicht das Gefühl, dass die beiden wirklich gern zusammen sind.“ Seine große Bewunderung gilt Steven Spielbergs „München“, „weil er versucht hat, mit einer Art Actionfilm sehr wichtige Ideen zu transportieren und die verschiedenen Standpunkte der Israelis und Palästinenser zu vermitteln.“

Trotzdem sieht der Regisseur von „Apocalypse Now“ oder der Trilogie „Der Pate“ keine Renaissance des politischen Kinos in Amerika. Die US-Filmindustrie sei nach wie vor gespalten in große Studios, die nur Geld machen wollten, und eine kleine Independent-Szene. „Die Regisseure bekommen immer mehr Geld, aber immer weniger Kontrolle über ihre Filme“. Dabei gebe es auch keine finanzielle Obergrenze, wie etwa „King Kong“ zeige, der seine über 200 Mio. Dollar schon wieder eingespielt habe. Das Resultat sei, dass „Hollywoodfilme alle gleich aussehen“.

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