Für Weltwirtschaft am besten

Die Weltwirtschaft kann aufatmen, weil Italien Weltmeister ist - meinen zumindest die Experten der niederländischen Bank ABN Amro. Das Traumfinale wäre Deutschland gegen Italien gewesen.

Bereits vor einigen Wochen hatten sie die Studie „Soccernomics 2006“ veröffentlicht, die von der volkswirtschaftlichen Abteilung des Instituts erstellt wurde. Darin waren sie zu dem Schluss gekommen, dass ein WM-Sieg von Italien für die gesamte Weltwirtschaft von Vorteil wäre.

Dabei sind die direkten ökonomischen Auswirkungen in Form höherer Umsätze in den Bars und Cafés zu vernachlässigen. Aber insgesamt wird sich der Titelgewinn der Squadra Azzurra aller Voraussicht nach stimulierend auf die Wirtschaft auswirken.

In der Vergangenheit konnten Fußball-Weltmeister ihr volkswirtschaftliches Wachstum laut der Studie jeweils um zusätzliche 0,7 Prozentpunkte steigern. Bei den vergangenen drei Turnieren übertraf die Börsenentwicklung des Siegers diejenige des Zweitplatzierten zudem jeweils spürbar. Im Durchschnitt war ein positiver Effekt auf den Sieger von 10 Prozent und ein negativer Effekt auf den Verlierer von 25 Prozent festzustellen.

„Wir erwarten schon jetzt in Italien mehr Wachstum als die durchschnittlichen 0,7 Prozentpunkte“, sagte Ruben van Leeuwen am Montag der Nachrichtenagentur AP. Nach rund 0,2 Prozentpunkten im vergangenen Jahr könnten es dort dieses Jahr 1,6 Prozentpunke oder noch mehr Wachstum sein.

Weil die Entwicklung in der Euro-Zone allgemein viel positiver als im vergangenen Jahr sei, müssten aber auch die Franzosen keine negativen WM-Folgen fürchten. Und auch der Ausraster von Zinedine Zidane wird zumindest in dieser Hinsicht ohne Konsequenzen bleiben. „Zidane war nur ein Fehler eines Individuums, und das hat nichts mit der Wirtschaft zu tun“, sagte Leeuwen.

Laut der Studie ist die italienische Wirtschaft „nach wie vor von einem unflexiblen Arbeitsmarkt und einer verschlechterten Wettbewerbsfähigkeit geprägt“. Der italienische WM-Sieg könne dem Vertrauen der Konsumenten und Produzenten Auftrieb verleihen und damit zu höheren Konsumausgaben und Investitionen führen.

“’Made in Italy’ könnte damit auch im Ausland zusätzliche Sympathien ernten. Eine solche Entwicklung wird das volkswirtschaftliche Wachstum klar begünstigen, was der Regierung einen größeren Handlungsspielraum für wirtschaftliche Reformen verleiht“, erklärte Charles Kalshoven, einer der Autoren der Studie.

Die Ökonomen gehen zudem von Ungleichgewichten in der Weltwirtschaft aus, für die insbesondere das hohe Defizit des amerikanischen Staatshaushaltes verantwortlich sei. Ein kräftiger Wachstumsschub in Europa würde die unausweichliche Korrektur dieser Situation abfedern. Ein Sieg einer größeren europäischen Volkswirtschaft bei den Weltmeisterschaften würde dies begünstigen.

Die Niederlande fallen auf Grund ihrer Größe aus diesem Raster – so wie acht weitere Teams von insgesamt 14 europäischen WM-Teilnehmern. Übrig bleiben England, Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien – und von diesen Ländern brauchen Italien und Deutschland der Studie zufolge am ehesten einen wirtschaftlichen Impuls.

Das Traumfinale aus ökonomischer Sicht wäre Deutschland gegen Italien gewesen. Dass diese Partie schon im Halbfinale stattfand und die Elf von Jürgen Klinsmann dann nur den dritten Platz erreichte, ist für die deutsche Wirtschaft wohl kein Problem. „Es wird positive Effekte für die deutsche Wirtschaft geben, weil Deutschland der Organisator war“, sagt Leeuwen.

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