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Für ÖSV-Stars blieb nur Walchhofers Tapferkeits-Medaille

Österreichs Ski-Stars stehen nach den beiden Speed-Bewerben der WM in Val d'Isere mit leeren Händen da, nach dem Super-G am Mittwoch gab es auch in der Abfahrt am Samstag keine Medaille. Als kleiner Trost blieb dem ÖSV-Team die Ausnahmeleistung von Michael Walchhofer, der die brutale Bellevard-Piste aufgrund eines Formalfehlers gleich zweimal hinunterraste.

Wie sich erst mehrere Stunden nach dem Rennen herausstellte, war sein mentaler, konditioneller und alles andere als ungefährlicher Gewaltakt jedoch “sinnlos”, denn gemäß Juryentscheidung kam schlussendlich die erste Zeit von 2:08,85 Minuten und somit Rang zwölf in die Wertung. Bei seinem zweiten Versuch war Walchhofer sogar schneller gewesen und hätte Platz neun belegt.

Ursprünglich war entschieden worden, dass Walchhofer aufgrund eines vom Startrichter nicht wahrgenommenen Start-Stopps seinen Lauf wiederholen darf. Nach stundenlanger Analyse von Videobändern und Funksprüchen kam man jedoch zur Erkenntnis, dass der Start-Stopp erst offiziell gemacht wurde, als Walchhofer bereits auf der Piste war.

Zudem kam man gemäß FIS-Herren-Renndirektor Günter Hujara zum Schluss, dass Walchhofer bei seiner Fahrt nicht mehr von den Sichtbedingungen benachteiligt gewesen wäre als die anderen Startnummern rund um ihn.

Dennoch, oder gerade deshalb, war Walchhofer einer der größten Helden des WM-Tages. “Ich würde ihm für diese Leistung die diamantene Medaille verleihen”, brachte Hermann Maier die Leistung seines Freundes und Kollegen auf den Punkt. “Die gemeinsamen Zeitfahr-Einheiten auf dem Rad haben sich anscheinend ausgezahlt”, berichtete Maier, als Sechster bester Österreicher, weiter. Silber-Medaillen-Gewinner Didier Cuche aus der Schweiz kniete sich sogar vor Walchhofer in den Schnee.

Walchhofer hatte sich seinen Re-Start, wie es laut FIS offiziell heißt, gut überlegt, war jedoch im Nachhinein glücklich, den Hubschrauberflug zurück an den Start gewagt zu haben. “Ich bin froh, dass ich die zweite Session gewagt habe. Erstens, weil die Leistung sogar noch besser als im ersten Lauf war, und zweitens, weil das ein wirklich außergewöhnliches Erlebnis war.”

Am meisten freute sich Walchhofer über die anerkennenden Worte seiner Rennfahrerkollegen. “Weil die am besten beurteilen können, was so eine Leistung bedeutet. Der Respekt, den ich von den Kollegen gezollt bekam, freut mich wirklich sehr.”

Die Szenen vor seinem ersten Lauf beschrieb Walchhofer folgendermaßen: “Das alles war ein bisschen wie im Alptraum. Es gab andauernd wegen des Nebels Start-Stopp. Das bedeutet Skischuhe auf, Skischuhe zu. Das ist natürlich nicht optimal. Und dann ist der Start-Stopp anscheinend überhört worden. Aber auch die Startrichter sind nur Menschen”, meinte Walchhofer, der bereits im Super-G Pech gehabt hatte, weil er zwei Sekunden vor dem geplanten Start zurückgehalten wurde.

“Meine Startszenarien bei dieser WM waren wirklich nicht glücklich und chaotisch.” Als Walchhofer im Ziel von seiner zweiten Startmöglichkeit erfuhr, war er sich noch nicht im Klaren, ob er sie auch nützen würde. “Zuerst habe ich mir wirklich nicht vorstellen können, noch einmal zu fahren. Wir haben beschlossen, dass ich es nur bei absolut perfekten Bedingungen starten werde. Und die Trainer haben mir dann mitgeteilt, dass die Verhältnisse passen. Ein bisschen angelogen haben sie mich zwar, aber egal.”

Am Nachmittag stand für Walchhofer dann eine ausgedehnte Regenerationseinheit auf dem Ergometer auf dem Programm, sonst wären die Beine dann am Sonntag schwer wie Blei gewesen. Die WM ist für Walchhofer auf jeden Fall zu Ende, wie auch seine drei Abfahrerkollegen Maier, Christoph Gruber und Klaus Kröll schloss der Salzburger ein Antreten im Teambewerb am Mittwoch aus.

Zum bisher medaillenlosen Auftreten der ÖSV-Herren in Val d’Isere meinte Walchhofer: “Das ist natürlich für ganz Österreich bitter, aber kein Desaster.”

Klaus Kröll, selbst kein Angsthase, gestand beim Anblick der zweiten Fahrt seines Teamkollegen: “Mir persönlich wäre es zu gefährlich”, gestand . Als Walchhofer dann sicher und noch dazu schnell zum zweiten Mal im Ziel war, zog der Steirer seine Kappe: “Das ist eine richtig gute Leistung.”

Auch Christoph Gruber, der seinen Sturz mit Ausnahme von Schmerzen in der Kniekehle glimpflich überstanden hat, meinte: “Eine gewaltige Leistung. Auf dieser Strecke zweimal runterfahren, das ist echt im absoluten Grenzbereich.”

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