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Formel 1 steht nach Vettel-Triumph in China Kopf

Erst die bärenstarken "Brawnies" mit Doppelsieger Jenson Button, nun "Jungstier" Sebastian Vettel in seiner Flügel verleihenden "Getränkedose".

Mit ihren spektakulären Coups haben die einstigen Nachzügler-Teams die Formel 1 nach drei Grand Prix auf den Kopf gestellt. Eine Rückkehr zur alten Hierarchie mit den drei taumelnden Top-Teams McLaren-Mercedes, Ferrari und BMW-Sauber an der Spitze ist auch im Grand Prix von Bahrain am Sonntag nicht in Sicht.

“Von der WM will ich nicht reden, aber ich glaube, wir haben das Potenzial, auch bei den nächsten Rennen um den Sieg mitzufahren”, kündigte Red-Bull-Pilot Vettel nach seiner Regengala in Shanghai weitere Großtaten an. Die internationale Presse adelte den 21-Jährigen am Montag sogar bereits als “neuen Senna” (“Il Secolo XIX”).

“Vettel planscht sich zum Sieg”, befand das britische Boulevard-Blatt “Daily Express”. So richtig genießen konnten der Deutsche und sein Team den Regen-Triumph aber nicht. Bis in die Nacht hinein packte die halbe Mannschaft an der Strecke zusammen, am Donnerstag muss in Bahrain alles wieder bereit stehen. Vettel und der Rest stießen im Teamhotel “Millennium” mit ein paar Gläsern auf den für Red Bull historischen Tag an, am Montag flog er bereits in die Wüste.

Teamchef Christian Horner schockte die etablierte Konkurrenz nach dem ersten Sieg für Red Bull im 74. Rennen mit folgender Aussage: “Wir haben ein tolles Auto, ein tolles Team, tolle Fahrer und einen einfachen Diffusor. Aber ein doppelter kommt, also sieht es gut für uns aus.” Spätestens beim Klassiker Ende Mai in Monte Carlo soll das neue Aerodynamik-Teil einsatzbereit sein.

Vettel, der mit seinem meisterhaften zweiten Grand-Prix-Sieg unter schwierigsten Bedingungen erneut Geschichte schrieb, stieß selbstbewusst ins selbe Horn: “Ich bin froh, dass das Auto schon schnell ist und den besten Konkurrenten Paroli bieten kann. Wir wollen aber auch noch den letzten Schritt machen, um das beste Team im Feld zu werden.”

Für etliche Experten gilt der RB5 bereits als bester Bolide in dieser Saison. Sollte Technik-Guru Adrian Newey und seinen Ingenieuren noch ein genialer Doppel-Diffusor gelingen, könnte sich das Einser-Team von Energy-Drink-Milliardär Dietrich Mateschitz als echter Titelkandidat etablieren. “Wir arbeiten extrem hart”, versicherte Vettel.

In China flogen der hessische Jungspund und sein australischer Teamgefährte Mark Webber den bisher dominierenden Brawn-Autos regelrecht davon. Vettel hatte nach 56 Runden auf dem 5,451 Kilometer langen Shanghai International Circuit fast 45 Sekunden Vorsprung auf den drittplatzierten Button. “Gegen die Red Bull war kein Kraut gewachsen”, gestand der zuvor zweimal siegreiche Engländer, der sich trotz seiner ersten Niederlage in der WM-Wertung noch weiter absetzte.

Teambesitzer Ross Brawn räumte nach der “chinesischen Wasserfolter” (“The Sun”) ein: “Wir haben das Maximum an Punkten geholt. Anfangs konnten wir mit Vettel und Webber noch mithalten, aber als wir mit der gleichen Benzinmenge unterwegs waren, zogen sie einfach davon.” Brawn setzt nun auf ein “hoffentlich trockenes Rennen” am Wochenende in Bahrain.

Der von der “Gazzetta dello Sport” als “Regen-Magier” gefeierte Vettel und Webber haben mit ihrem brillanten Doppeltriumph zugleich der Doppel-Diffusor-Fraktion mit BrawnGP an der Spitze einen Dämpfer versetzt. Befürchtungen, Button werde wie einst Rekord-Weltmeister Michael Schumacher zu seinen besten Zeiten im Schongang von Sieg zu Sieg spazieren, haben sich zumindest vorerst zerschlagen. Eine “Formel Langeweile” scheint angesichts der bisherigen drei dramatischen und hochklassigen Läufe ausgeschlossen.

Das Establishment hat sich nach der erneut bitteren Vorführung in China auf weitere Demütigungen eingestellt. “Wir waren nie dazu in der Lage, den Red Bull oder auch den Brawns das Wasser zu reichen”, sagte McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh die Chancenlosigkeit der Silberpfeile ein. Dabei verhinderten der erstmals punktende Heikki Kovalainen als Fünfter und der direkt dahinter einrollende Titelverteidiger Lewis Hamilton ein Debakel.

Für BMW-Sauber und Ferrari war Shanghai dagegen ein Alptraum. “Dieses Rennen kann man nur schnellstmöglich abhaken und sich auf Bahrain konzentrieren”, sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen. Für die Scuderia bedeutete der dritte “Nuller” in Serie den schlechtesten Saisonstart seit 1981. “Ferrari – eine absolute Null”, schimpfte “Tuttosport”. Die Hoffnungen der so tief gesunkenen großen Drei ruhen auf der Entwicklung des Doppel-Diffusors und weiterer technischer Fortschritte. Bis zum ersten Europa-Rennen in Barcelona wollen sie wieder angriffsfähig sein.

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