Folterskandal: Drei Jahre Haft für England

Wegen des Folterskandals von Abu Ghraib ist die US-Soldatin Lynndie England zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die 22-Jährige wird außerdem unehrenhaft aus der Armee entlassen.

Dies entschied das Militärgericht im texanischen Fort Hood am Dienstag. Am Montag war sie in sechs von sieben Anklagepunkten der Misshandlung irakischer Gefangener schuldig gesprochen worden. Das Foto von England, wie sie im Abu-Ghraib-Gefängnis bei Bagdad einen nackten und am Boden liegenden Häftling wie einen Hund an der Leine hielt, war um die Welt gegangen.

Hintergrund: Die bitteren Tränen der Lynndie England

Bei der Urteilsverkündung brach England in Tränen aus. Ihre Mutter nahm sie in den Arm; die Militärpolizisten ließen ihr noch einige Minuten mit ihrer Familie, bevor sie abgeführt wurde. England drohten bis zu neun Jahre Haft, die Anklage hatte vier bis sechs Jahre gefordert. Die Angeklagte hatte sich im Prozess reuig gezeigt und bei den Gefangenen, ihren Angehörigen und den US-Soldaten im Irak, die wegen der Folterfotos vermehrten Angriffen ausgesetzt gewesen seien, für ihr Verhalten entschuldigt.

Kurz vor dem Urteil hatte England darum gebeten, ihr elf Monate altes Baby ihr zu lassen. Sie befürchte, dass das Kind sie nach dem Ende ihrer Haft nicht mehr wiedererkennen werde. Der Sohn stammt aus ihrer Verbindung zu ihrem ehemaligen Geliebten und Vorgesetzten im Abu-Ghraib-Gefängnis, Charles Graner. Englands Anwälte hatten vergeblich argumentiert, dass sie von ihrem Charakterbild her zur Folgsamkeit neige und emotional instabil sei, weshalb sie dem Einfluss ihrer Umgebung in Abu Ghraib erlegen sei. Den Befehlen Graners sei sie blind gefolgt.

Das Militärgericht unter Vorsitz von Richter James Pohl befand sie in vier Anklagepunkten der grausamen Misshandlung von Häftlingen für schuldig. So wurde England unter anderem schuldig gesprochen, weil sie auf einem Foto auf die Genitalien eines nackten Gefangenen zeigte oder weil sie auf einem Bild zu sehen ist, auf dem nackte irakische Häftlinge zu einer Pyramide gestapelt wurden. Verurteilt wurde sie auch wegen unzüchtigen Verhaltens und der Verabredung zu einer Straftat.

„Ich kann mich an keinen anderen Vorfall erinnern, der den Ruf des US-Heeres so schwer beschädigt hat“, sagte ein Mitglied der fünfköpfigen Jury aus Militärangehörigen, Hauptmann Chris Graveline. Englands Verteidiger Jonathan Crisp bat die Geschworenen, von einer Haftstrafe abzusehen. „Lassen Sie sie nach Hause gehen.“ England werde ohnehin ihr ganzes Leben lang ein Schandmal tragen.

Das erste Verfahren gegen England war geplatzt, weil der vorsitzende Richter ein von der Soldatin abgelegtes Schuldbekenntnis für unglaubwürdig hielt und für ungültig erklärt hatte. Von dem Bekenntnis hatte sich die Soldatin eine mildere Strafe erhofft. Der Folterskandal von Abu Ghraib war im Frühjahr 2004 durch die Veröffentlichung der Misshandlungsfotos bekannt geworden und hatte weltweit Empörung ausgelöst.

Von den nunmehr wegen des Abu-Ghraib-Skandals verurteilten neun Soldaten erhielt Graner als Rädelsführer mit zehn Jahren Haft die härteste Strafe. Die meisten anderen bekamen zwischen sechs Monaten und einem Jahr. Gegen Mitglieder der oberen Militärführung gab es wegen des Skandals dagegen keine Anklagen. Im April sprach ein Untersuchungsausschuss des Pentagon den früheren Oberbefehlshaber im Irak, Ricardo Sanchez, und drei weitere hohe Offiziere von jeder Verantwortung frei.

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