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Fünf Jahre sind oft zu wenig

Feldkirch - Österreich ist europaweit das Land, in dem die Sterblichkeit bei Brustkrebs am stärksten rückläufig ist. Das war die gute Botschaft, die OA Dr. Alois Lang den Besuchern des Mini Med Studiums in Feldkirch mitzuteilen hatte. Die weniger gute Nachricht: Die Zahl der Neuerkrankungen steigt nach wie vor. Klare Ursachen sind nicht bekannt, sehr wohl aber Zusammenhänge mit dem Lebensstil.
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Die Statistik spricht deutliche Bände. Von 8 bis 11 Frauen erkrankt eine Frau an Brustkrebs. Auf 200 Frauen kommt ein Mann. In Vorarlberg gibt es jährlich an die 280 Neuerkrankungen. Etwa 5000 sind es in ganz Österreich.

Zu den Risikofaktoren zählen familiäre Belastungen, späte Schwangerschaften, Alkohol, Übergewicht und Bewegungsmangel. Früher gehörte noch die Hormonersatztherapie dazu. Nachdem jedoch zahlreiche Studien an ein höheres Brustkrebsrisiko anzeigten, gingen die Verordnungen laut Alois Lang um 80 Prozent zurück. Alkohol wiederum ist kritisch, weil er den Östrogenspiegel ebenfalls ansteigen lässt. Den gleichen Effekt bringt eine Gewichtszunahme. „Im Unterhautfettgewebe bildet sich Östrogen, und je mehr von diesem Gewebe vorhanden ist, umso höher der Östrogenspiegel”, erklärte der internistische Onkologe. Und zu viel Östrogen kann die Neigung zu Brustkrebs verstärken.

Charakterisierung leichter

Insgesamt kennt die Medizin fünf verschiedene Arten von Brustkrebs. Was in der Folge unterschiedliche Therapien und Nachsorgemaßnahmen nötig macht. „Voraussetzung ist daher eine exakte Diagnose”, so Lang. Nur dann könne die Behandlung passgenau erfolgen. Neue Methoden erleichtern inzwischen die Charakterisierung von Mammakarzinomen und damit auch noch individuellere Therapien. Umstellen muss sich die Medizin allerdings im Hinblick auf die Behandlungszeit. „Wir haben zu lange geglaubt, dass es bei hormonabhängigen Tumoren nach fünf Jahren keine Rückfälle mehr gibt”, räumte Alois Lang selbstkritisch ein. Und er ergänzte: „Daher dürfen wir unsere Therapiestrategien nicht mehr auf 2 bis 5 Jahre begrenzen, sondern müssen sie auf 10 Jahre und länger anlegen.”

Unklares abklären

Die Heilungschancen sind dann am größten, wenn der Tumor noch klein ist und nicht in andere Organe gestreut hat. „Metastasierter Brustkrebs ist nach wie vor nicht heilbar”, betonte Lang. Auch deshalb kommt der Früherkennung so große Bedeutung zu. Entsprechend nachdrücklich redete OA Dr. Anton Haid, Leiter des Brustzentrums Vorarlberg im LKH Feldkirch, der regelmäßigen Vorsorge mittels Selbst- und ärztlicher Untersuchung das Wort. Denn: „Das Tückische an einem Turmor ist, dass er lange keine Beschwerden macht und sichtbare Veränderungen erst allmählich auftreten.” Generell gehöre jede unklare, sichtbare und tastbare Veränderung der Brust abgeklärt. Anhand des aus der Brust entnommenen Gewebes lassen sich dann ziemlich genau Tumortyp, Bösartigkeitsgrad sowie Hormon- und Wachstumsfaktoren bestimmen. Mit der so genannten Genexpressionsanalyse lässt sich sogar das Gesamtrisiko abschätzen und feststellen, ob eine Chemotherapie etwas bringt oder nicht.

Alle sind gefordert

Bei der Behandlung selbst sind zahlreiche Disziplinen gefordert, sowohl ärztlich wie auch psychoonkologisch. „Der Ablauf wird mit der Patientin genau besprochen und dann organisiert”, erläuterte Haid. Je kleiner der Tumor, umso schonender der operative Eingriff und die anschließende Therapie. Neu im Brustzentrum ist die Möglichkeit der Bestrahlung noch während der Operation. Das erspart vor allem älteren Patientinnen oft die Bestrahlung nach der Operation. Bei jüngeren Frauen kann sie die Strahlentherapie verkürzen.

Symptome

» derbe Knoten an der Brust

» Vorwölbungen

» Hauteinziehung

» Einziehung der Brustwarzen

» einseitige, wässerige und blutige Absonderungen

» Formveränderungen der Brust

»chronische Ekzeme und entzündliche Veränderungen, die länger als 14 Tage andauern und mit Fieber und Schmerzen einhergehen

» neu auftretende Lymphknoten

 

FRAGEN AUS DEM PUBLIKUM:

Sollte ein Brustultraschall schon mit 20 gemacht werden?

Lang: Das ist individuell zu handhaben. Aber mit 35 sollte er das erste Mal erfolgen. Bei Brustkrebs in der Familie raten wir, mit regelmäßigen Untersuchungen fünf Jahre vor Auftreten zu beginnen. Denn es hat sich gezeigt, dass bei einer familiären Komponente über Generationen hinweg eine Krebserkrankung immer früher auftritt.

Haid: Bei jungen Frauen sollte man zudem vorsichtig sein, weil ihre Brustdrüsen noch sehr strahlensensibel sind. Da empfiehlt sich zuerst eine klinische Untersuchung.

Was bedeutet es, wenn eine Brust plötzlich deutlich größer wird?

Haid: Das kann einfache Gründe haben, wie etwa eine Gewichtszunahme. Es kann aber auch ein Tumorwachstum in der Tiefe bedeuten. Wenn eine Brust merklich größer wird, ist das nicht normal und gehört abgeklärt.

Ist nach einer Anti-Hormontherapie und Operation immer eine Bestrahlung nötig?

Lang: Das hängt vom Stadium des Tumors ab. Liegt ein hohes Risiko vor, muss bestrahlt werden, sofern brusterhaltend operiert wird. Bei einer Radikaloperation ist das nicht der Fall.

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