Page 1Page 1 CopyGroupGroupPage 1Combined ShapePage 1Combined ShapePage 1Triangle Page 1 VNVorarlberger Nachrichten Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1 Rectangle 9 Combined ShapeCombined ShapePage 1Page 1Page 1Page 1Page 1AAAAPage 1 Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1

Flusskrebs mit Dioxin?

Viele Menschen können sich angenehmere Dinge vorstellen als ein Diner mit den Spitzen des ukrainischen Geheimdienstes (SBU), auch wenn dabei so exquisite Delikatessen wie Sushi oder Flusskrebse gereicht werden.

So auch Viktor Juschtschenko. „Ich hatte einen schwierigen Tag hinter mir, war todmüde, und dieses Treffen schien mir fehl am Platz zu sein, weil es nur zusätzlichen Stress bedeutete. Trotzdem fand es statt“, erinnert sich der ukrainische Oppositionsführer im Gespräch mit der Tageszeitung „Ukrainskaya Prawda“ an den Abend des 5. September 2004, den er mit Geheimdienstchef Ihor Smeschko und dessen Stellvertreter Wolodymyr Stasiuk verbrachte.

Vieles deutet darauf hin, dass Juschtschenko an jenem späten Sonntagabend in Stasiuks Datscha vergiftet worden ist. Träger für das Gift hätte es im vielgängigen Menu viele gegeben – Sushi, Flusskrebse, Wassermelonen, aber auch Wein, Brandy oder Schnaps. Spät in der Nacht kam Juschtschenko nach Hause. „Ich kann mich sehr gut daran erinnern. Ich küsste ihn, wie üblich, und bemerkte einen eigenartigen Geschmack nach Medizin auf seinen Lippen. Ich fragte ihn, ob er Medizin genommen hätte, aber Viktor sagte Nein“, sagte Juschtschenkos Ehefrau Kateryna in einem Gespräch mit der Kiewer Wochenzeitung „Zerkalo Nedeli“.

Juschtschenko habe beim Essen nichts Besonderes geschmeckt, sagte sein behandelnder Arzt Nikolai Korpan am Sonntag gegenüber der APA in Wien. „Natürlich haben wir ihn gefragt, was er gegessen hat. Aber er sagte, es sei nur ein normales Dinner gewesen. Er habe nichts Besonderes gegessen oder getrunken.“ Einige Stunden nach dem Essen sei er krank geworden und habe an einem diffusen Kopfschmerz gelitten. Zwölf Stunden nach dem Essen seien auch akute Bauchschmerzen aufgetreten.

Zunächst gingen die ukrainischen Ärzte noch von einer Grippe oder Erschöpfungserscheinungen wegen des anstrengenden Wahlkampfs aus. Erst nach vier Tagen wurde Juschtschenko in das Wiener Privatspital Rudolfinerhaus gebracht. Hätte man Juschtschenko nur 24 bis 72 Stunden später überstellt, wären seine Überlebenschancen nur noch bei 20 Prozent gelegen, sagte Korpan. Nach zwei längeren Spitalsaufenthalten konnte der Gesundheitszustand von Juschtschenko stabilisiert werden, sein Gesicht ist aber weiter durch Pusteln entstellt.

Erst am Samstag konnten die Wiener Ärzte anhand von Gewebeproben feststellen, dass der Politiker Opfer einer Dioxin-Vergiftung geworden war. Wann diese erfolgt ist, ist aber weiterhin unklar. Einem Untersuchungsbericht des ukrainischen Parlaments zufolge klagte Juschtschenko schon am Tag vor dem Abendessen in der Geheimdienst-Datscha über starke Rückenschmerzen und ließ einen Masseur zu sich kommen. Dieser sagte später aus, Juschtschenko habe krank ausgesehen.

Auch die Hintergründe des Abendessens zwischen Juschtschenko und den beiden Geheimdienstchefs liegen weiterhin im Dunkeln. Smeschko habe um das Treffen gebeten, um Juschtschenko „eminent wichtige Informationen“ zu geben, schreibt das Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Der Geheimdienst bestätigte das Treffen, die Initiative dafür sei jedoch von dem Oppositionspolitiker ausgegangen. Regierungstreue Kräfte in Kiew behaupten sogar, Juschtschenko habe die Vergiftung inszeniert, um seine Chancen bei der Präsidentenwahl Ende Oktober zu erhöhen.

Juschtschenko hat diese Vorwürfe vehement zurückgewiesen. Die Initiative zum Essen sei möglicherweise von einer „dritten Seite“ gekommen, aber keinesfalls von ihm. Er habe die Einladung angenommen, um den Geheimdienst zu einer neutralen Haltung im Wahlkampf zu bewegen, sagte Juschtschenko im „Prawda“-Interview. Es habe nämlich zuvor eine Reihe von Übergriffen auf Oppositionspolitiker gegeben, die auch auf das Konto des SBU gegangen seien. Daher habe er Smeschko verdeutlichen wollen, dass das Recht eingehalten werden müsse. „Er antwortete korrekt und klar hinsichtlich bestimmter Vorfälle. Ich hatte den Eindruck, dass mich der SBU-Chef verstanden hatte.“

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Welt
  • Flusskrebs mit Dioxin?
  • Kommentare
    Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.