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Flugzeugunglück in Venezuela

Am Tag nach dem schwersten Flugzeugunglück in der Geschichte Venezuelas hat das Rätselraten über die Ursache der Katastrophe angedauert. 160 Menschen waren an Bord der Maschine.

Eine Verunreinigung des Treibstoffs sei ausgeschlossen, teilte die Luftfahrtbehörde von Panama mit. Dort war die Chartermaschine mit Urlaubern von der französischen Karibikinsel Martinique am Dienstag mit 160 Menschen an Bord gestartet. Niemand überlebte den Absturz. Die Identifizierung der Leichen werde vermutlich viele Tage dauern, sagte der französische Außenminister Philippe Douste-Blazy.

Nach Angaben der kolumbianischen Fluggesellschaft West Carribean Airways waren bei einer Sicherheitsüberprüfung der MD-82 am Montag keine Probleme aufgetreten. Spekulationen über Treibstoffprobleme hatte es gegeben, weil der Pilot den Ausfall beider Triebwerke des 21 Jahre alten Flugzeugs gemeldet hatte. Der Pilot habe den Flughafen in Maracaibo gebeten, seine Flughöhe von 10.100 Metern auf 4.200 Meter reduzieren zu dürfen, sagte der venezolanische Innenminister Jesse Chacon. Wenige Minuten später sei das Flugzeug mit einer Geschwindigkeit von rund 2.000 Metern pro Minute gefallen und schließlich am Boden zerschellt.

Es sei, als wären die beiden Triebwerke einfach ausgegangen, sagte Präsident Hugo Chavez. Zwischen den auf einer Weide bei Machiques im Staat Zulia verstreuten Wrackteilen wurde der Flugschreiber der MD-82 sichergestellt. Der Cockpit-Rekorder sei noch nicht gefunden worden, erklärte der Leiter der Rettungsteams, Javier Perez.

An Bord des Flugzeugs befanden sich 152 Touristen und acht kolumbianische Besatzungsmitglieder. Alle Reisenden waren französische Staatsbürger aus Martinique, die von einem einwöchigen Urlaub in Panama zurückkehren wollten. Dort besuchte die Gruppe nach Angaben des panamaischen Außenministeriums Nachfahren von Immigranten aus Martinique und anderen Karibikstaaten, die beim Bau des Panama-Kanals geholfen hatten.

Der französische Staatspräsident Jacques Chirac sprach von einer „schrecklichen Katastrophe“. Verkehrsminister Dominique Perben erklärte, die West Carribean Airways biete seit dem Frühjahr Charterflüge zwischen Panama und Martinique an. Die Maschine sei seit Mai zwei Mal von französischen Behörden überprüft worden, dabei sei nichts Ungewöhnliches festgestellt worden.

West-Carribean-Sprecher John Ospina berichtete, vor zwei Wochen sei die Maschine mehrere Stunden lang repariert worden, während Reisende darauf warteten, an Bord gehen zu können. Er wisse nicht, welches Problem damals aufgetreten sei. Ein früherer Mitarbeiter der US-Verkehrssicherheitsbehörde, Peter Goelz, sagte der Nachrichtenagentur AP, seines Wissens seien die Triebwerke vor wenigen Wochen mit einem Lärmschutz ausgestattet worden.

Es war der zweite Absturz einer von einer Billigfluglinie genutzten Maschine binnen zwei Tagen. Erst am Sonntag war eine Boeing der zyprischen Fluggesellschaft Helios in Griechenland abgestürzt. Helios wurde 1999 gegründet, West Caribbean Airways nahm 1998 den Flugbetrieb auf. Im März war ein zweimotoriges Kleinflugzeug der Gesellschaft direkt nach dem Start von der kolumbianischen Insel Providencia abgestürzt. Acht Insassen kamen dabei ums Leben, sechs wurden verletzt.

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