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Flugzeug-Absturz: Rätselraten über Ursachen

Der Absturz des zyprischen Passagierflugzeugs bei Athen gab den Experten weiter Rätsel auf. Fachleute rätseln vor allem, warum die Piloten sich nicht mit Sauerstoff versorgten.

Der Sprecher der deutschen Piloten-Vereinigung Cockpit, Markus Kirschneck, sagte am Montag, je mehr Details über das Unglück bekannt würden, „desto mysteriöser ist die Sache“. Aufklärung über die Vorgänge am Sonntag an Bord der Boeing 737 könnten die beiden geborgenen Flugschreiber bringen, die zur Untersuchung nach Frankreich gebracht werden.

Offenbar wegen des Abfall des Kabinendrucks war die Maschine der Helios Airways am Sonntag führerlos gegen einen Berg geprallt und zerschellt. Alle 121 Menschen an Bord kamen ums Leben. Sie waren vermutlich auch schon alle tot, als die Maschine abstürzte. Die Piloten hatten schon eine halbe Stunde nach dem Start über Probleme mit der Klimaanlage berichtet. Später brach der Funkkontakt ganz ab. Griechische F-16-Abfangjäger, die deshalb aufgestiegen waren, erreichten die Maschine auf einer Höhe von 10.400 Metern.

Fachleute rätseln vor allem, warum die Piloten sich nicht mit Sauerstoff versorgten. Jeder Flugzeugführer wisse, dass ihm bei einem Druckabfall in zehn oder 13 Kilometern Höhe nur drei oder vier Sekunden Zeit blieben, um die Maske aufzusetzen. Dass die Masken versagt haben könnten, schlossen die Experten aus: Es handele sich um ein außerordentlich simples System mit autarken Sauerstoffflaschen.

Experten können sich die Vorgänge an Bord nicht erklären, zumal Piloten in ihrer Ausbildung lernten, wie sie mit Druckabfall in der Kabine umgehen müssten. Zu diesen Regeln gehöre zum einen, sofort eine Sauerstoffmaske aufzusetzen und das Flugzeug auf eine niedrigere Höhe zu bringen. In diesem Fall jedoch seien die beiden Piloten offenbar früher bewusstlos gewesen als die Fluggäste, was sich an den Handy-Mitteilungen ablesen lasse, die von diesen noch abgeschickt worden seien.

In Athen trafen die ersten Angehörigen der Opfer ein, denen noch die schwierige Aufgabe der Identifizierung bevorstand. Etliche Angehörige weinten bitterlich. Nach griechischen Angaben können etwa 30 Opfer nur noch auf Grund ihrer DNS identifiziert werden. Nach drei Leichen wurde laut Feuerwehr noch gesucht. Unter den Opfern waren nach Angaben der griechischen Behörden 21 Kinder im Alter von über vier Jahren.

Nur 45 Leichen konnten sofort identifiziert werden

Nach dem Flugzeugabsturz nahe Athen am Sonntag konnten nur 45 der insgesamt 121 Todesopfer sofort identifiziert werden. Das hat am Montag der griechische Gesundheits-Vizeminister, Thanassis Giannopoulos, im Fernsehen mitgeteilt. „Für die Identifizierung aller anderen Leichen werden DNA-Tests erforderlich sein“, sagte er weiter.

Mit Gewebetests wollten die Gerichtsmediziner zudem feststellen, ob die Opfer vor dem Absturz giftige Gase oder eine zu geringe Menge Sauerstoff eingeatmet haben, während die Maschine führungslos über der Ägäis flog. Die Behörden vermuteten einen Defekt der Klimaanlage. Die Ergebnisse der Tests würden wichtige Aufschlüsse über die Unglücksursache geben, hieß es.

Crew streikte

In Zypern weigerten sich die Besatzungen der übrigen Helios-Airways-Maschinen am Montag zu fliegen. Die Fluggesellschaft gab dazu zunächst keine Erklärung ab. Sie widersprach aber Berichten, wonach es bei den Flugzeugen schon früher Probleme mit dem Kabinendruck gab. Es habe mit der Maschine „keine Probleme“ gegeben, sie sei erst in der vergangenen Woche gewartet worden.

An den Ermittlungen der griechischen Behörden beteiligten sich auch Experten aus den USA, da die Maschine dort hergestellt wurde. Eine Sprecherin des Herstellers Boeing erklärte, die Boeing 737 sei wie alle Boeing-Jets mit Warnsystemen ausgerüstet, die die Piloten auf einen Druckabfall in der Kabine aufmerksam machten.

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