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Fischer und "das Volk" bei Kondolenzbuch

Wien - Der rote Teppich am Gang in das "Bundespräsidenten-Zimmer" in der Hofburg ist durch einen schwarzen ausgetauscht worden.   | Waldheim bittet um Versöhnung | Staatliches Begräbnis am 23. Juni

Am Ende des Weges liegt jenes Kondolenzbuch auf einem Tisch, in dem sich seit Freitagnachmittag „das Volk“ vom verstorbenen Alt-Bundespräsidenten Kurt Waldheim verabschieden kann. Vor „dem Volk“ richtete aber noch Bundespräsident Heinz Fischer letzte geschriebene Worte an den umstrittenen Vorgänger. Zumindest für jene, die in der Hofburg aufgetaucht waren, bleibt er jedoch unbestritten – und „ein großer Österreicher“.

Etwa für jenen Mann, der einst für Waldheim wochenlang im Präsidentschafts-Wahlkampf tätig war: „Er war wie ein Vater zu uns“, sagt er im Gespräch mit der APA. Da hat die „Schmutzkübelkampagne“ natürlich besonders weh getan. Ein Wort, das an diesem Tag von vielen wieder zu hören ist. „Ich stelle ihn auf eine Stufe mit Figl, Raab und Kreisky“, meint stattdessen sein ehemaliger Mitarbeiter. Vielen der Kondolierenden werden diese Namen kaum etwas sagen, Touristen aus Japan, Kanada und Deutschland waren lediglich aus Neugier in die Präsidentschaftskanzlei gekommen und drehten vor dem Zimmer wieder um.

Wenn die Hofburg Trauer trägt, tut sie das durch und durch. Im Foyer des Haupteingangs steht ein Biedermeier-Tischchen mit dem Foto des verstorbenen Alt-Präsidenten. Der schwarze Teppich wird von Garde-Soldaten gesäumt, die sich bis Dienstag schichtweise abwechseln. Und an der rechten oberen Ecke des Porträts im „Bundespräsidenten-Zimmer“ ist eine schwarze Schärpe angebracht. Das hat es schon einmal gegeben, erinnern sich Hofburg-Mitarbeiter: Nach dem Tod von Rudolf Kirchschläger.

„Zuerst der Präsident, dann das Volk“, wird das Protokoll der Hofburg den anwesenden Journalisten verkürzt mitgeteilt. Nach Fischer und seiner Frau Margit durften aber auch – in dieser Reihenfolge – Außenministerin Ursula Plassnik (V), ÖVP-Klubobmann Wolfgang Schüssel und Vizekanzler Wilhelm Molterer (V) kondolieren. Erst dann wurde „das Volk“ hereingelassen. Man sieht es an den Taschen und Plastiksäcken, die im Vorzimmer deponiert werden, man hört es an den klingelnden Handys.

Montag und Dienstag, jeweils von 10 bis 17 Uhr darf noch in der Hofburg kondoliert werden. Das Buch selbst wird der Familie Waldheims überlassen. Was mit den Einträgen im Internet passiert – erstmals liegt auch ein digitales Kondolenzbuch auf – ist unklar.

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