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Fischbacher: "Traum vom Gold lebt"

Fast hätte Andrea Fischbacher schon am Dienstag nach dem WM-Super-G in Val d'Isere - versehentlich - die Goldmedaille bekommen...

Einerseits wegen der starken Leistung auf der “Piste Rhone-Alpes”, andererseits, weil bei der abendlichen Siegerehrung die Goldene ihrem Hals schon sehr nahe gekommen war, ehe FIS-Präsident Gian Franco Kasper wie die Rennläuferin den Irrtum bemerkte und doch noch zu Bronze griff. Die 23-jährige Salzburgerin trauert Gold nicht nach, sie war glücklich, das Ziel, das sie sich gesteckt hatte, erreicht zu haben. “Und was nicht ist, kann ja noch werden”, meinte sie am Abend beim Interview im “Tirol Berg”.

Frage: Ist Ihnen schon der Gedanke gekommen, dass das auch Gold werden hätte können?
Andrea Fischbacher: “Nein, die Freude über Bronze ist irrsinnig groß, und was nicht ist, kann ja noch werden. Ich träume von klein auf, dass ich Gold bei einer WM oder bei Olympischen Spiele mache. Der Traum lebt so lange, bis er verwirklicht ist.”

Frage: Wie stehen die Chancen, dass er bereits in Val d’Isere in der Abfahrt in Erfüllung geht?
Fischbacher: “Die Piste liegt mir sehr gut. Ich weiß, dass ich in den Kurven in der Abfahrt ganz schnell fahren kann. Wenn ich es umsetzen kann, kann ich vorne mitfahren. Die Piste ist technisch anspruchsvoll und schwer, sie verlangt dir alles ab, da musst du kämpfen. Fehlerfrei wird da keine bleiben.”

Frage: Ist Lindsey Vonn hier überhaupt zu schlagen?
Fischbacher: “Das glaube ich sehr wohl. Sie hat uns im Super-G im letzten Teil zu viel abgenommen, ich habe das nicht ideal erwischt. Ich glaube, wenn ich es gut erwische, kann ich vorne mitfahren. In den oberen Teilzeiten war ich teilweise schneller, herunten habe ich es verspielt. Ich werde mir im Abfahrtstraining die Linien von den Schnellsten abschauen. Mal schauen, ob es verschiedene Linienwahlen überhaupt gibt. Ich glaube, dass es nicht so viel anders sein wird als im Super-G, im unteren Teil kommt man nicht aus, da sind die Kurven im engen Gelände gegeben.”

Frage: Was bedeutet die Medaille für das Damenteam?
Fischbacher: “Es ist für das ganze Team ein bisserl eine Erleichterung. Wir haben eine Medaille, wir wissen, wir sind stark. Wir haben uns stark präsentiert.”

Frage: Bei der WM in Aare vor zwei Jahren mussten sie zuschauen. Wie schwer war diese Zeit und was haben Sie daraus gelernt?
Fischbacher: “Ich bin damals in der Abfahrt ziemlich stark gewesen, die Ergebnisse waren stark, von der Leistung her war ich die zweitbeste Abfahrerin im Team. Das war dann eine richtige Watschen, das trifft einen am Anfang hart. Ich habe schauen müssen, dass ich das möglichst schnell abhake. Da gehen dir so viele Sachen durch den Kopf, natürlich nichts Positives. Du musst damit aber abschließen, denn es geht weiter und es wird schon einen Grund gehabt haben. Im Leben kommt alles irgendwann zurück, an einem Tag wie heute siehst du das dann. Als ich nach Val d’Isere reiste, habe ich an das aber nicht mehr gedacht.”

Frage: Hatte ihr Mentalbetreuer viel Arbeit mit Ihnen in dieser Zeit?
Fischbacher: “Ich arbeite seit Nachwuchszeiten mit einem Mentaltrainer. Aber in dieser Zeit bin ich nicht zu ihm gegangen. In der Phase habe ich mir gedacht, da kann mir jetzt eh keiner mehr helfen. Ich habe lernen müssen, dass Mentaltraining auch Training
ist, das man öfters machen muss, um sich selbst zu stabilisieren, und nicht nur, wenn es schlecht geht, damit es Wunder wirkt. Damals aber war mir alles ein bisserl wurscht, es ist nicht gut weitergelaufen, ich hatte, glaube ich, gleich zwei Ausfälle.”

Frage: Was ist der Grund dafür, dass die Ausfälle weniger geworden sind?
Fischbacher: “Ich war skitechnisch zwar immer gut, aber sehr am Limit mit dem “Hintennachsein”, das habe ich ab und zu übertrieben, dann rutschst du schon mal am Innenski weg. An dem habe ich arbeiten müssen, heuer habe ich es sehr gut in Griff. Es passiert zwar immer wieder einmal, es gehört zum Teil zu mir, aber nur solange ich es unter Kontrolle habe. Wenn es zu viel wird, dann wird die Fahrweise zu riskant, dann ist der Ausfall vorprogrammiert. Und teilweise fahre ich auch ein bisserl die Harakiri-Linie. Ich bin skitechnisch konstanter geworden, vom Kopf her stärker.”

Frage: Nervt es Sie, dass immer erwähnt wird, dass Sie die Großcousine von Hermann Maier sind?
Fischbacher: “Nein, aber ich glaube, dass ich ich bin und er er. Nur einmal habe ich mich geärgert, als nach meinem ersten Weltcup-Sieg in einer Wochenzeitung stand, ‘Sieg für Familie Maier’. Und das stimmt nicht, weil ich Familie Fischbacher bin. Wir haben auch nicht viel Kontakt. Als er in den Weltcup gekommen ist, hat mir meine Oma gesagt, dass er mein Großcousin ist, ich habe ihn davor nicht gekannt. Jetzt treffe ich ihn bei den Rennen und rede ganz normal mit ihm, wie ich auch mit den anderen Herren rede. Ich wüsste von ihm keine Telefonnummer, er wahrscheinlich von mir auch nicht.”

Frage: Auffallend ist aber die Stärke im Super-G, die sie verbindet?
Fischbacher: “Also die Gene sind die gleichen. Aber ich glaube, dass ich eine selbstständige Skifahrerin bin und er ein selbstständiger Skifahrer. Und mit ihm verglichen zu werden, ist ein bisserl schwer, weil er irrsinnig viel geleistet hat. Man kann nicht mit jemanden gemessen werden, der auf der ganzen Welt bekannt ist.”

Fischbacher liebt den Super-G – “Da bekommst du keine 2. Chance”

Am Sonntag Platz 22 im Weltcup-Super-G von Garmisch-Partenkirchen, am Dienstag WM-Bronzemedaillengewinnerin von Val d’Isere. Hat sich die Österreicherin Andrea Fischbacher in Bayern nach eigenem Gefühl selber ein bisserl zu viel Druck gemacht und deshalb kein gutes Rennen zuwege gebracht, so hat sie sich in Frankreich wieder auf ihre Stärken besonnen. Die 23-Jährige ist nach der ersten WM-Medaille ihrer Karriere auch für die Abfahrt eine Medaillenanwärterin, sie bezeichnete alles was kommt, aber nur noch als “Draufgabe”.

 

Sollte diese Draufgabe WM-Gold heißen, wäre natürlich auch niemand beleidigt, vor allem nicht die Eltern Ingrid und Johann, die das Rennen der Tochter dann live im WM-Ort miterleben wollen. Wahrscheinlich hatten sie am Dienstagnachmittag, als die Salzburgerin nach der Siegerehrung bei der offiziellen Pressekonferenz im Medienzentrum saß, bereit Nachrichten auf dem Mobiltelefon der Tochter hinterlassen, die dieses aber grundsätzlich nie mit auf den Hang nimmt. “Wenn mich wer angerufen hat, ruf ich nachher zurück”, muss niemand fürchten, dass seine Gratulationen nicht ankommen.

Vor dem Start ist Fischbacher prinzipiell nicht nervös (“Brutal nervös bin ich selten, und wenn, dann geht es daneben”), im Ziel beim Warten auf die Top Sieben der Welt war ihr am Dienstag aber doch nicht ganz wohl zumute. “Ich wusste schon, dass ich halbwegs dabei bin. Der Lauf heute war gefinkelt gesetzt, teilweise hat es ganz schön gedreht, aber es ist doch dahingegangen. Der Hang ist passend dazu sehr schwierig, da muss dann das ganze Zusammenspiel passen”, erklärte die Athletin vom Skiclub Eben. Die Ausfälle habe sie nicht mitbekommen, sie wusste, sie muss nur fahren, was sie könne und sich angeschaut habe.

Der Super-G ist eine anspruchsvolle Disziplin, die Athletinnen haben nur Hangbefahrung und Besichtigung, aber keine Trainingsläufe wie in der Abfahrt. Fischbacher hat sich im “Super-Riesentorlauf” immer schon sehr wohl gefühlt, wie zwei Goldmedaillen bei Junioren-Weltmeisterschaften beweisen. “Mir taugt er irrsinnig gut, man hat nur eine Besichtigung und dann muss es passen. Du bekommst keine zweite Chance, das ist eine richtige Herausforderung. Ich kann gewisse Passagen sehr gut einschätzen und mich auf mein Gefühl verlassen.” Da die Geschwindigkeit oft sehr hoch sei, müsse man ans Limit gehen und auch Mut haben. “Ab und zu muss man ein Risiko eingehen, sonst wird man nicht schnell.”

Während der Weltcuprennen in Cortina war Fischbacher bereits krank gewesen, anstatt sich auf Garmisch-Partenkirchen vorbereiten zu können, lag sie im Bett und kurierte sich aus. Rechtzeitig zum WM-Auftakt ist alle Kraft zurückgekehrt. Mit der Medaille ist ein Traum erfüllt, sie hat aber viele Träume, natürlich auch den von der Goldenen, wie sie preisgab. “Diese Medaille ist eine gewisse Erleichterung und natürlich irrsinnig gut für das Selbstvertrauen. Wir werden sehen, was noch kommt.”

 

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