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FH Vorarlberg: Forschungsprojekt widmet sich Demenzerkrankten

Für das Projekt wurde eigens eine Box entwickelt, in der verschiedene Raumstimmungen aus Licht, Klängen und Gerüchen erzeugt werden. So wird getestet, welche Auswirkungen die Raumatmosphäre auf den Menschen hat.
Für das Projekt wurde eigens eine Box entwickelt, in der verschiedene Raumstimmungen aus Licht, Klängen und Gerüchen erzeugt werden. So wird getestet, welche Auswirkungen die Raumatmosphäre auf den Menschen hat. ©Alexander Duelli
Dornbirn - Das Forschungszentrum für nutzerzentrierte Technologien der FH Vorarlberg leitet ein EU-Forschungsprojekt, das die Lebensqualität von Menschen mit Demenz erhöhen soll. Dazu werden Lichtreize, Klänge und Gerüche aus der Natur verwendet. Ziel des Projektes ist es, die Begleitsymptome der Demenzerkrankung zu lindern und die Lebensqualität der Erkrankten, Angehörigen und Pflegenden zu erhöhen.

Auch ältere Menschen mit Demenz können ihre Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Reiz fokussieren, aber mit fortschreitender Erkrankung können sie diese Aufmerksamkeit nur mehr schwer auf neue bzw. wechselnde Reize verlagern. Während die Gedächtnisleistung bei Demenzpatienten stetig abnimmt, dringen sinnliche Reize weiterhin zu ihnen durch. Will man Menschen mit Demenz dazu bewegen eine bestimmte Handlung auszuführen (z.B. zum Essen zu kommen), dann müssen sie darauf vorbereitet werden.

Unterstützung der Tagesstruktur

Das Forschungsprojekt „Great“ zielt darauf ab, ältere Menschen mit Demenz über die Gefühlsebene auf eine neue bzw. wechselnde Handlung vorzubereiten. Mit intelligent automatisierten modularen Raumstimmungen soll es gelingen, ein jeweils passendes Raumambiente zu erzeugen, welches Demenzerkrankte und deren Pflegende und Angehörige auf ihre Tagesaktivitäten strukturiert vorbereitet. „Über diese biologisch-emotionale Ebene lassen sich typische Begleitsymptome wie etwa Desorientierung lindern“, erklärt Patrick Jost, Leiter des Forschungsprojekts.
„Great“ ist ein modular zusammenwirkendes Assistenzsystem. Intelligent automatisierte Raumatmosphären wirken auf Stimmung und kognitive Bereitschaft. So soll das System Lebensqualität für Demenzerkrankte und deren Angehörige im privaten Wohnraum ebenso wie in Pflegeeinrichtungen schaffen.

„Das Assistenzsystem nutzt tageszeitliche Lichtfarbvariationen, hörbare und unhörbare Schallfrequenzen sowie Gerüche zur emotionalen Stimmungsvorbereitung geplanter Aktivitäten“, so Jost. „Unser Ziel ist es, den Tagesablauf für Patienten und deren Umfeld zu strukturieren sowie die räumliche, zeitliche und emotionale Orientierung der Kranken zu stabilisieren.“ Der Einsatz von Licht, Schall und Gerüchen wird durch intelligente Regelungstechnik auf die gewünschte Tagesstruktur personalisiert. Durch das Konzept der Stimmungsübertragung ergeben sich synergetische Effekte zwischen Betreuenden und Pflegebedürftigen.

Testphase

Nach zwei Jahren Forschung und Entwicklung sind die Prototypen für die Stimulationsgeräte fertig. Dabei handelt es sich um intelligente Lampen, Lautsprecher und Duftsprüher. Diese Geräte werden nun ein Jahr lang an rund 400 Patienten in den Tirol-Kliniken in Hall getestet. Testphasen gibt es aber auch in privaten Pflegeumgebungen. Wenn die Testergebnisse positiv sind, könnte das System bereits ab 2020 europaweit in den Handel kommen.

Das Projekt birgt großes Potential für weitere Einsatzbereiche, in denen eine emotionale Stimmungswirkung für Menschen von Bedeutung ist. Hierzu zählen intelligente Licht-, Schall- oder Geruchssysteme für Museen, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen sowie der Einsatz in marketingorientierten Umgebungsszenarien wie Kaufhäusern oder Messen.
Die Entwicklung und Evaluation von „Great“ wird vom europäischen Forschungsprogramm „Active & Assisted Programme“ unterstützt.

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