Ferienresort mit eigener Gondelbahn sorgt für Wirbel

Das mit 60 Mio. Euro budgetierte AvenidA-Resort in St. Gallenkirch sorgt für Unruhe im Wintersportort. Kritiker befürchten durch das Investorenmodell den viel zitierten "Ausverkauf der Heimat".

Die Bagger rollen vielerorts im ganzen Montafon. Einerseits sorgen Corona-Pandemie, Klimakrise oder Preisexplosion in der gesamten Fremdenverkehrsbranche für Sorgenfalten bei den Touristikern: Trotz der nicht gerade rosigen Aussichten für die Wintersaison wird im ganzen Tal aber fleißig gebaut. Oft ist von "Ausverkauf der Heimat" die Rede, viele Tourismusgemeinden reagieren bereits mit Baustopps für die ins Visier geratenen Investorenmodelle. Egal ob in Lech, Warth, Schruns oder jüngst Tschagguns wurden in den politischen Gremien ähnliche Verordnungen beschlossen, die dem Verkauf des eigenen Grund und Bodens einen Riegel vorschieben sollen. Die Verantwortlichen des geplanten AvenidA-Resorts sehen in ihrem Modell keineswegs etwas Derartiges, im Gegenteil, wie Clemens Eisinger, Sprecher der Projekt-Betreiber, in folgendem Interview, darlegt.

"Verträge, um Schaffung 'illegaler Zweitwohnsitze' zu verhindern"

VOL.AT: Die ersten Bagger rollen: Wie verläuft der Baubeginn für Ihr neues AvenidA-Projekt in St. Gallenkirch?

Clemens Eisinger: Der Baubeginn ist bereits erfolgt. Zurzeit werden Erdarbeiten durchgeführt.

VOL.AT: Können Sie die Ausmaße des Projekts kurz umreißen?

Clemens Eisinger: Es handelt sich um vier Gebäude, wobei im Hauptgebäude neben 128 Gästezimmern die zentrale Hotelinfrastruktur (Rezeption, Restaurant, Wellnessbereich, ...) angesiedelt ist. In den drei Chalets sind insgesamt 48 Apartments geplant.

VOL.AT: Wie stehen Sie zum Vorwurf, dass mit Projekten dieser Größenordnung der "Ausverkauf der Heimat" an ausländische Investoren vorangetrieben werde?

Clemens Eisinger: Dieser Vorwurf ist nicht nachvollziehbar. Zunächst zum Hintergrund: Das Projekt in St. Gallenkirch wurde von uns übernommen und optimiert. Wir haben uns für die Übernahme bzw. den Ankauf entschieden, da wir eine breite Unterstützung für dieses Projekt in der Gemeinde, bei den Seilbahnen und im Bezirk wahrgenommen haben und da bereits eine Baugenehmigung vorgelegen ist. Durch planerische Optimierungen (im Wesentlichen im Sockelgeschoß) konnte das Projekt an die operativen Anforderungen und die Qualitätsansprüche der AvenidA angepasst werden und wir sind davon überzeugt, ein zeitgemäßes und hochwertiges Hotel zu schaffen, mit dem positive Akzente für die Weiterentwicklung des Tourismus im Montafon gesetzt werden.

Die geplante Kontaktbahn über die Montafoner Straße sorgt für Aufsehen. ©handout/AvenidA

Zur Finanzierung des Projekts greifen wir auf das "Investorenmodell" zurück, demgemäß die Liegenschaft parifiziert wird und Anteile daran (in Form von Wohnungseigentumsanteilen) von Investoren erworben werden können. Diese Investoren schließen mit unserer Betreibergesellschaft langfristige Pachtverträge, sodass sie von der Bewirtschaftung des Hotels in Form von Pachtzahlungen profitieren.

Allgemein versuchen wir, mit unserem Projekt ein "Musterprojekt" zu schaffen, da wir nicht nur die gesetzlichen Vorgaben einhalten wollen, sondern vielmehr bei der Strukturierung bei jenen Themen, deren Sensibilität wir uns bewusst sind, weit über diese Vorgaben hinausgehen. So haben wir die zwei Themen "Verhinderung der Schaffung von (illegalen) Zweitwohnsitzen" und "nachhaltige gewerbliche Nutzung" mit besonderer Sensibilität behandelt und im Zuge unserer Projektoptimierung auf die bereits vorhandene Zweitwohnsitzwidmung (für das Chalet 3) verzichtet. Weiters haben wir, um die Schaffung von illegalen Zweitwohnsitzen zu verhindern, weitgehende Einschränkungen in den Verträgen, die Investoren unterfertigen müssen, vorgesehen. Darüber hinaus sind wir in der fortgeschrittenen Abstimmung mit der Silvretta Montafon und der Gemeinde St. Gallenkirch. Wir werden einen Treuhandverein schaffen, der auf die zentralen Flächen des Resorts zugreifen kann, wenn die gewerbliche Nutzung nicht mehr erfolgt, um sicherzustellen, dass nachhaltig die kostendeckende Weiterführung des Resorts gewährleistet ist.

Hinsichtlich des Vorwurfs "Ausverkauf der Heimat" verweisen wir auf die einschlägigen gesetzlichen Regelungen zum Erwerb von Liegenschaften durch Ausländer, welche letztlich besagen, dass Angehörige von EU- und EWR-Mitgliedstaaten Inländerinnen/Inländern gleichgestellt sind, sodass ein Ausschluss von EU-Investoren rechtlich nicht möglich ist und im Sinne des europäischen Gedanken auch nicht sinnvoll oder gewollt ist.

Ein Rendering des geplanten AvenidA-Projekts in St. Gallenkirch. ©handout/AvenidA

VOL.AT: Wie stehen die Verhandlungen um die hoteleigene Kompaktseilbahn? Ist es überhaupt möglich, als Privatier eine "hauseigene" Seilbahn, noch dazu über eine Bundesstraße und die Ill, zu errichten? Vor welchen Schwierigkeiten stehen Sie hier?

Clemens Eisinger: Die Anbindung mittels Seilbahn wird zurzeit geprüft. Die Errichtung einer derartigen Verbindung erscheint jedenfalls als sinnvoll bzw. wünschenswert, um einerseits den Komfort für Gäste zu erhöhen und andererseits, um den Verkehr auf den Straßen und auch den Parkplatz-Bedarf bei der Talstation zu reduzieren.

VOL.AT: Inwiefern stehen der Öffentlichkeit die Anlagen zur Verfügung, z.B. aus gastronomischer Sicht?

Clemens Eisinger: Es handelt sich um einen gewerblichen Betrieb, der selbstverständlich der Öffentlichkeit zur Verfügung steht.

VOL.AT: Auf welche Kosten beläuft sich die Anlage, wie lange wird die Bauzeit veranschlagt?

Clemens Eisinger: Die genauen Kosten werden erst nach Durchführung der Vergaben feststehen, die im Winter erfolgen werden, wobei rund 60 Millionen Euro an Gesamtinvestitionskosten erwartet werden. Die Fertigstellung soll (spätestens) bis zum Beginn der Wintersaison 2023/24 erfolgen.

Im zweiten Teil der AvenidA-Recherche spricht VOL.AT mit einem Anrainer und Bürgermeister Josef Lechthaler über das Projekt.

(VOL.AT)

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