"Fatal, fatal!" Das Fernseh-Chamäleon Oliver Kalkofe wird 50

Deutscher Comedian gibt sich seit über 20 Jahren als Scharfrichter des deutschen TV.
Deutscher Comedian gibt sich seit über 20 Jahren als Scharfrichter des deutschen TV.
Oliver Kalkofe ist der Mann mit den 1.000 Gesichtern, ein Doktor Mabuse des Trash TV. Seit Peter Alexander sah wohl nie ein Kerl in Frauenkleidern so gut aus wie er. Viele seiner Persiflagen des täglichen Bildschirmwahnsinns sind schon Legende. Und wenn er als durchgeknallte Teleshopping-Verkäuferin verkleidet "Fatal, fatal!" kreischt, zerspringen Gläser. Am Samstag wird Kalkofe 50 Jahre alt.


Ein komisches Gefühl sei das, sagt der Berliner Komiker im Interview der Deutschen Presse-Agentur. “Denn ich bin ja jetzt eigentlich für das Fernsehen überhaupt nicht mehr interessant. Ich bin jetzt ja herausgewachsen aus der werberelevanten Zielgruppe 14-49 und darf gerade mal noch ein bisschen am Rande mitgrasen.” Ungeachtet dieser Einschätzung ist der rundliche Comedian seit über 20 Jahren der schlimmste Scharfrichter des deutschen Fernsehens. Und: “Es wird leider wirklich immer schlimmer.” Doch ist er noch immer unglücklich ins TV verliebt.

Kalkofes Mattscheibe: “Fatal, fatal!”

Bei der Berufsberatung in Niedersachsen haben sie ihm damals gesagt, er solle Schifffahrtskaufmann werden. Über Umwege wurde er dann doch lieber Kritiker. Seine Parodien von TV-Müll – entwickelt für Radio ffn, später zu sehen auf Premiere, heute als “Kalkofes Mattscheibe Rekalked” bei dem Nischensender Tele 5 im Programm – haben Kalkofe eine treue Fangemeinde beschert: Leute, die ihn dafür lieben, dass er ständig “Scheiße” und “Arschgesicht” sagt. Sicher vor ihm ist keiner, der sich ins TV traut – von der christlichen Bastelgruppe über den “Burger King”-Manager bis zu Ex-Bundespräsident Christian Wulff.

Kalkofe liebt Mist – wenn er denn lustig ist

Als Kalkofe und Kompagnon Peter Rütten in der Schund-Reihe “Die schlechtesten Filme aller Zeiten” (“SchleFaZ”) auf Tele 5 vorige Woche “Sharknado 3” zeigten, waren 418.000 Zuschauer in Deutschland am Bildschirm dabei. Die Handlung: Ein Wirbelsturm lässt Haie regnen. Kalkofe liebt Mist – wenn er denn lustig ist. “Wir nehmen Leute an der Hand”, sagt er über die “SchleFaZ”-Reihe. “Dass der Film schlecht ist, das weiß man auch so. Aber man weiß nicht, warum eigentlich. Und man weiß auch nicht: Kann das nicht vielleicht trotzdem was Schönes sein?” Aufgabe des Trash-Duos sei, manchmal auch versteckte Botschaften zu finden.

Menschen sollen machen, was sie selber gern sehen würden

Zornig wird er, wenn Schund frech als Qualitätsware verkauft wird. “Alles was irgendwie mit Innovation und neuen Wegen zu tun hat, wird gemieden, als wäre es eine Krankheit”, beklagt er. “Und dann macht man einen teuren, cool aussehenden Vorspann mit irgendeiner schicken modernen Chart-Musik darunter und will damit den Eindruck erwecken, dass auch die letzte Tüte Müll, die man den Leuten vor die Füße geschüttet hat, ein Drei-Sterne-Gericht sein soll.” Das sei “ein ganz trauriger Weg”, der da beschritten werde. Dabei sei die Lösung doch so einfach: “Ich würde mir einfach mal wünschen, dass bei den Sendern Menschen wieder etwas machen, das sie selbst gern sehen würden.”

Bruch mit Bastian Pastewka

Er beteuert, dass er selbst sich immer an diese Goldene Regel gehalten habe. Bitter: Eines seiner größten Herzensprojekte, die als Kinotrilogie angelegte “Wixxer”-Reihe, bleibt wohl unvollendet, wie Kalkofe im August über Facebook verkündete. Offensichtlich ist es zum Bruch mit seinem Comedykollegen Bastian Pastewka (43) gekommen.

Kalkofe äußert sich nicht näher dazu. Doch auf seiner Facebookseite bezeichnete er Pastewka jüngst als “ehemaligen Freund und Partner”. Ein weiteres gemeinsames Projekt werde es leider nicht geben. Mit den schrägen Edgar-Wallace-Parodien “Der Wixxer” (2004) und “Neues vom Wixxer” (2007) hatten er und Pastewka große Erfolge gefeiert. Nun geht er anderen Filmprojekten nach. “Es sind diverse Ideen in meinem Kopf.” Nur die Zeit fehle ihm – wegen der beiden Reihen auf Tele 5.

Was denn wäre, wenn er damals auf die Berufsberatung gehört hätte und wirklich Schifffahrtskaufmann geworden wäre? “Vielleicht hätte ich weniger Ärger an der ein oder anderen Stelle gehabt. Aber ich glaube, dann hätte ich heute gar keine Haare mehr, wäre dreimal so dick und würde ziemlich frustriert und depressiv in einer kleinen Wohnung sitzen und ab und zu darüber nachdenken, ob ich nicht einen anderen Weg hätte einschlagen können. Ich bin meinem Schicksal ehrlich dankbar, es hat mich immer auf den richtigen Weg geführt.” (APA)

Kalkofes Mattscheibe: Creme Pompööööös

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