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Fast 3000 Zuschauer bei Ben Becker-Lesung

Am Ende der Premiere hat Ben Becker seinen Traum verwirklicht: Er singt mit sonorer Stimme Dolly Partons "He’s Alive". Das wollte er schon so lange.

Da reißt es viele der knapp 3000 Zuschauer im Berliner „Tempodrom“ von den Sitzen. Der 42- Jährige hatte zuvor mit der musikalischen Lesung „Die Bibel – eine gesprochene Symphonie“ zweieinhalb Stunden lang Texte aus Altem und Neuem Testament vorgetragen. Das Filmorchester Babelsberg und eine Band begleiteten ihn. „Jesus Christus lebt“, sang der konfessionslose Schauspieler und Musiker am Ende auf Englisch und wagte ein Bad in der Menge. Dann machte Becker ein Zeichen nach oben: Er dankte Gott.

Es war ein Abend großer Gesten, starker Symbolik – und mit triefendem Pathos. Doch das überraschte kaum. Schließlich sollte Beckers Lesung als eine Art „Best of Bibel“ von 75 Musikern voluminös untermalt werden. Außerdem sollte aus dem vermutlich wirkungsvollsten Buch der Welt ausgerechnet ein Mann lesen, dessen Kontrollverlust über sich selbst unlängst fast fatale Folgen gehabt hätte. Ende August war Becker bei einem Drogenexzess nur knapp dem Tod entronnen, wie er kürzlich eingestanden hatte.

Zweieinhalb Jahre hatte der Schauspieler an dem Bibel-Projekt gearbeitet. Dirigent Günter Joseck und sein Filmorchester setzten die Bibeltexte mit klassischen Stücken wie Gustav Mahlers „Urlicht“ musikalisch um. Die „Zero Tolerance Band“ und ein Gospelchor begleiteten Becker bei Rockklassikern wie Elvis Presleys „In the Ghetto“. Mit dem Lied „Bridge Over Troubled Water“ von Simon und Garfunkel erlitt der sichtlich erschöpfte Becker auf der Bühne Schiffbruch, die höheren Tonlagen bekamen dem stimmlichen Brummbär einfach nicht. Doch in der allgemeinen Bibelbegeisterung verzieh ihm das Publikum rasch.

Beim Vorlesen hingegen zog Becker die Zuhörer mit seiner tiefen, rauen und vibrierenden Stimme in den Bann. Er las vom Sündenfall Adam und Evas, von der Arche Noah und vom Leben Jesu. Die Texte zeigten dem Zuhörer, wie sich Motive des Alten im Neuen Testament wiederholen, zum Beispiel die Bezahlung von Verrat mit Silberlingen (Delila und Judas) oder die überraschende, gottgewollte Schwangerschaft (Samson und Jesus). Die von Becker zusammengestellten Texte sind ein Auffrischungskurs für Bibelinteressierte.

Als sehenswert bei der Bibelschau empfanden viele Zuschauer Videoeffekte, die mit einer Collage aus barocken Stillleben und zeitgenössischer Kunst beginnen. Aufnahmen von Maden, Würmern und Heuschrecken in verdorbenem Obst brechen visuell den archaischen Sog des Alten Testaments. Die Leinwand ist – wie Altaraufsätze in Kirchen – dreigeteilt.

„Ich bin begeistert“, sagte der bayerische Benediktinermönch Maurus Dörpinghaus nach dem Konzert. Ben Becker hatte den Seelsorger persönlich eingeladen. Dass ausgerechnet ein konfessionsloser Lebemann das Wort Gottes verkündete, störte den Pater nicht. „Vielleicht ist so eine Veranstaltung ein neuer Weg zu mehr Gläubigen“, sagte er. „Wenn heute nur zehn Menschen nachdenklich nach Hause gehen, dann hat das Wort Gottes schon gewirkt.“

Am 6. Dezember gibt es eine weitere „Bibel“-Aufführung in Berlin, für Frühjahr 2008 ist eine Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz geplant.

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