AA

Familientauglich

Ferienhausanlage casalpin in Brand.
Ferienhausanlage casalpin in Brand.
Brand - Urlaub für alle! Raus aus dem Trott der Effizienz und der guten Miene! Zurück zum Lagerfeuer, zum Abenteuer und zu den Spielen aus der eigenen Jugend.
Ferienhausanlage casalpin in Brand

Ein Versprechen, das so sehr zum heutigen Leben gehört, dass eine ganze Industrie davon leben kann. Und die Wirklichkeit? Während sich die einen den Spaß an entferntesten Stränden und höchsten Gipfeln gönnen, schauen die andern durch die Finger. Junge Eltern, die mit ihren Kindern spannende Ferien erleben wollen, sind vielfach Zaungäste – die schönen Plätze sind meist schon besetzt oder für junge Familien unerschwinglich. So jedenfalls die Erfahrung von Stefan Andorfer – und er beschloss: Das muss anders werden. Und machte sich dran.

Das Ergebnis lässt sich nun sehen – und benutzen. Eine Siedlung kleiner Häuser für die Ferien vor eindrucksvoller Bergkulisse mit Skigebiet und Liften im Winter und Wanderund Badegelegenheit im Sommer. 12 Häuschen, 8 Meter lang, 6,5 Meter breit und hoch bis zum First, Platz für 4–6 Personen, 80 voll ausgestattete Quadratmeter für Selbstversorger. Die ersten Häuser wurden im Sommer 2012, die letzten im Dezember 2013 bezogen.

Die kleinen Holzbauten geben sich unmissverständlich als Einzelhäuser, zweigeschoßig, mit Schopf beim Eingang und Terrasse vor dem Küchen- und Essraum sowie Schlafräumen und Bad im Obergeschoß. Sie sind konsequent und im besten Sinn einfach in Holz konstruiert, Massivholz-Strickbau, Innenwände einfach, Außenwände zweischalig, Decken und Dach Brettsperrholz, mit Holzwerkstoffen gedämmt, mit einem Blechdach mit geringem Dachüberstand gedeckt. Alle Räume haben Fenster mit kräftig überstülpten Rahmen, die sich öffnen lassen und auf Raum und Nutzung abgestimmt sind, dazu Läden. Auf einfache Weise erreichen die Häuser so Niedrigenergiestandard.

Vielfach zeigt sich das konstruktive Gefüge. Die vorherrschende Balkenkonstruktion wird gelegentlich durch flächige Lattenkonstruktion ergänzt – wie das ganze Haus in Fichte ausgeführt, von Böden und Treppe in Esche abgesehen. Die baugleichen Häuser auf je eigener Beton-Bodenplatte sind von örtlichen Handwerkern ausgeführt – bis hin zu Möbeln und Küchenausbau. „Beim zweiten Abschnitt kamen dieselben Handwerker zum Zug wie beim ersten. Bau und Kosten haben also gepasst, weil klar konstruiert und räumlich sinnvoll geordnet“, so Projektarchitekt Wolfgang Ritter.

Die Häuser stehen ungewöhnlich nahe beieinander – ein Gebot der Auslastung des zentrumsnahen Baugrunds. Sie sind zueinander leicht verdreht, es ergibt sich ein Wechsel von Durchblicken, trotz Baugleiche entsteht keinerlei Monotonie. Jede Terrasse hat Mittags- oder Nachmittagssonne und Blick auf einen der umliegenden Gipfel. Schmale Wege führen zum Haus, Rasenflächen schaffen Abstand. Im Freien spielende Kinder oder häufige Grillabende vertragen sich mit guter Nachbarschaft. Nachbarschaftlich auch das Energiekonzept: Eine zentrale Hackschnitzelanlage versorgt die gesamte Anlage.

„Unser Konzept heißt: Hüttenfeeling – es gibt weit und breit keinen gleichartigen Wettbewerber! Vor allem die Gäste erkennen das als den Unterschied. Immer wieder erstaunlich, wie sich die Mienen nach langer Autofahrt in der Atmosphäre des Holzes nach kurzer Zeit aufhellen und Ruhe finden“, berichtet Andorfer. 95 Prozent der Gäste seien Familien, Menschen ähnlichen Alters, je etwa ein Drittel aus den Niederlanden, Schweiz, Deutschland, – bis aus Hamburg. Doch auch Skandinavier, gar Australier seien darunter. „Das genaue Gegenteil des lärmenden Alpintourismus finden sie hier. Grandiose Natur und lässige Entspannung.“

Für die Wahl des Standorts nahm sich Andorfer viel Zeit – „die Wahl fiel auf Brand, weil hier Winter– wie Sommertourismus gelebt wird. Auch war die Gemeinde sehr offen, wir sind gut aufgenommen worden. ‚Dörfle’ nennen sie uns hier nur noch.“ Ein Dorf im Dorf – mit den Vorteilen kurzer Wege zum Einkaufen, zu den Skiliften, dem gastronomischen Angebot, den sozialen und Sport- Einrichtungen. Bereits im ersten Sommer erfuhr eine Gastfamilie vom Kindertrainingsprogramm des örtlichen Fußballvereins; man fragte nach, tat sich zusammen und trat als eigene Mannschaft an. Im Übrigen: Der Spielplatz liegt ein paar Schritte entfernt – Zentrumsnähe zahlt sich aus.

Das Bild vom einfachen Einzelhaus, ungezwungen angeordnet, vor majestätischer Naturkulisse und doch inmitten eines Bergdorfes, aus dem warmen Baustoff Holz klar konstruiert – das Konzept geht auf, die Auslastung stimmt, im Sommer wie im Winter. „Viele Gäste buchen bevor sie abreisen bereits den nächsten Urlaub“, berichtet Andorfer, und Geli Neuschmied, die als Gästebetreuerin rund um die Uhr mit Rat und Tat zur Verfügung steht, ergänzt: „Gerade jungen, modernen Familien taugt’s; sie schätzen die hochwertige Ausstattung bis ins Detail. Wir merken es daran: Die Räume werden bei der Abfahrt wieder tipptopp übergeben.“

Daten und Fakten

  • Objekt: Ferienhausanlage casalpin in Brand
  • Bauherr: casalpin Ferienhütten, Bregenz
  • Architektur: Johannes Kaufmann Architektur, Dornbirn, www.jkarch.at
  • Fachplanungen: durch ausführende Handwerksbetriebe
  • Statik/Ingenieure: HSL: GwH Installations GmmbH, Brand
    Elektro: Elektro Domig, Brand
  • Planung: 6/2011–11/2011
  • Ausführung: Herbst 2011–Sommer 2012
  • Grundstücksgröße: 1620 m²
  • Wohnnutzfläche: gesamt 310 m², pro Haus 52 m², Versorgungshaus 29 m²
  • Bauweise: doppelter Strickbau, gedämmt 18 cm; Fußböden: Esche braunkern, nicht behandelt, im Bad Kautschukbelag; Heizung: zentrale Pelletheizung im Versorungsgebäude mit Fernleitung in die einzelnen Hütten. Diese sind mit einer Wohnungsstation für Radiatorenheizung ausgestattet. Innenwände neu, Fichte natur; Fenster: Holzfenster in Fichte, Dreifach-Verglasung
  • Ausführung: Baumeister: Thöni Hoch- und Tiefbau, Bludenz; Zimmerer, Fenster, Innenausbau und Böden: Müller Zimmerei, Brand; Heizung Sanitär: GwH Installations GmbH, Brand; Elektro: Dornig, Brand
  • Energiekennwert 47 kWh/m² im Jahr
  • Baukosten ca. 1 Million Euro

Fotos: Denise Ender, Martin Andorfer, Dietmar Walser

Für den Inhalt verantwortlich:
vai Vorarlberger Architektur Institut

Das vai ist die Plattform für Architektur, Raum und Gestaltung in Vorarlberg. Neben Ausstellungen und Veranstaltungen bietet das vai monatlich öffentliche Führungen zu privaten, kommunalen und gewerblichen Bauten.
Mehr unter architektur vorORT auf v-a-i.at

Mit freundlicher Unterstützung durch Arch+Ing

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
Kommentare
Kommentare
Grund der Meldung
  • Werbung
  • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
  • Persönliche Daten veröffentlicht
Noch 1000 Zeichen