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Familienmensch auf Achse

Hamburg, Wien, Riga etc. sind die Arbeitsplätze von Christoph Eberle. Für die Kinder bleibt aber Zeit.

Der erst siebenjährige Konstantin Eberle meldet sich exakt mit Vor- und Nachnamen am Telefon, ein Gespräch mit dem Papa ist daraufhin rasch vereinbart. Der bekannte Dirigent erzählt dann, dass die Kinder auch ohne Motivationshilfe seinerseits das Cello- und Geigenspiel erlernt haben. Vor allem die bald zwölfjährige Hannah, aber auch Marie-Christine und Konstantin. Johannes-Jakob ist ja erst drei, da weiß man noch nicht, ob die Musik eine Rolle spielen wird. Bei Christoph Eberle war es jedenfalls so. Aus dem erfolgreichen, begabten Musiker aus Hittisau ist bald ein Dirigent geworden. Als solcher ist er inzwischen mit vielen Orchestern unterwegs. Demnächst unter anderem mit dem Lettischen National­orchester für ein Mahler-Projekt, in den Vereinigten Staaten oder wieder an der Hamburger Staatsoper.

Der große Initiator

Aus Vorarlberger Sicht ist Christoph Eberle so etwas wie ein Premierenmacher. Er war der Gründungsdirigent und daraufhin langjährige Leiter des Symphonieorchesters Vorarlberg, er hat gemeinsam mit Bruno Felix, dem damaligen Impresario des Theaters für Vorarlberg, die jährlichen Opernproduktionen initiiert und trotz vieler, vor allem finanzieller Schwierigkeiten auf ein ausgezeichnetes Niveau gebracht. Er war mit dafür verantwortlich, dass der Schauspieler Tobias Moretti in Bregenz mit Mozarts „Don Giovanni“ zum allerersten Mal eine Oper inszenierte, er stand am Pult, als die Bregenzer Festspiele am umgebauten Kornmarkt wieder Musiktheaterproduktionen realisierten. Schon das erste Janacek-Stück war ein Ereignis. In den Jahren darauf folgten Operetten-Raritäten, die später in Wien nachgespielt wurden.

Wiederbegegnung

Zu erwähnen wären selbstverständlich noch die vielen Uraufführungen, die Arbeiten mit dem Schriftsteller Michael Köhlmeier. Auch deshalb, weil Christoph Eberle für ein solches Projekt nun wieder dem Symphonieorchester Vorarlberg vorsteht, das er – wie es bei Künstlerkarrieren so üblich ist – für internationale Engagements vor ein paar Jahren verließ. „Ich hatte gleich das Gefühl, gar nicht so lange weg gewesen zu sein“, resümiert er die ersten Proben. Ein, wie der Dirigent festhält, „sehr kluges“ Werk des Vorarlbergers Peter Herbert wird es geben. Köhlmeier hat den „Zahlentanz“ souverän ergänzt. Obwohl Eberle meint, dass er die Erarbeitung des eigenen Repertoires auch auf sich zukommen lässt, stehen die Produktionen mit John Neumeier in Hamburg im Mittelpunkt. Meisterwerke wie jene von Strawinsky zählten auch ohne Tanz zur edelsten Musikliteratur. Sie aber so zu realisieren, wie sie der Komponist konzipiert hat, sei eine wunderbare Herausforderung. Dass die Familie viel zählt, stehe zudem fest. Mitgeschleppt werden die Kinder nicht, an der Seite von Ehefrau Christiane, einer Designerin, Vaterpflichten wahrzunehmen und künstlerisch auf Achse zu sein, das lasse sich vereinbaren.

Zur Person: Christoph Eberle

  • Geboren: 1959 in Hittisau
  • Ausbildung: Studium Klarinette und Dirgieren am Landeskonservatorium Feldkirch und an der Hochschule für Musik in Wien 
  • Laufbahn: Chefdirigent des Symphonieorchesters Vorarlberg, Dirigent zahlreicher internati­onaler Orchester, Dirigate u. a. an der Wiener und an der Hamburger Staatsoper (mit John Neumeier), mehrere CD-Produktionen
  • Familie: verheiratet mit Christiane, vier Kinder
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