Falsche Jury-Entscheidung

Nevena Lukic hat bei ihrem Olympia-Debüt die negative Seite des Taekwondo-Sports kennen gelernt. Kampfrichter, die über Wertung von Treffern entscheiden, meinten es nicht gut mit der Tirolerin.

Die 23-jährige Europameisterin gewann ihren ersten Kampf in der Klasse bis 49 Kilogramm gegen Lineo Mochesane aus Lesotho klar 4:0, doch im anschließenden Viertelfinale sah die Jury ihre Gegnerin Euda Carias bei 1:1 Punkten im Vorteil. Weil die Guatemaltekin im Semifinale der Kubanerin Yanelis Labrada klar mit 3:8 unterlag, nahm sie der 23-jährigen Tirolerin auch die Chance, sich über die Hoffnungsrunde für die Kämpfe um Bronze zu qualifizieren.

„Ich bin ein bisschen benachteiligt worden, denn ich hatte Kopftreffer”, meinte die Europameisterin. Umstrittene Urteile seien üblich in dem aus Korea stammenden Sport. Bundestrainer Mustafa Atalar ist an Derartiges gewöhnt. „Wenn man es objektiv betrachtet, hätte Nena gewinnen müssen, sie hatte schon in der ersten Runde drei nicht anerkannte Treffer.” Die österreichische Teamführung legte Protest ein, weil ein Kopftreffer und etliche Körpertreffer nicht gewertet worden sind. Doch die Berufungskommission sah es anders, der Protest wurde zurückgewiesen. Lukic sah sich als moralische Siegerin. „Wenn man weiß, dass man das Beste gegeben hat und eigentlich gewonnen hätte, ist das okay.”

Gegen Mochesane setzte Lukic mit Beintechniken fünf anerkannte Treffer, ein Punkt wurde ihr wegen Verwarnungen nach Passivität abgezogen. Gegen Carias kassierte die Ex-Militär-Weltmeisterin in der zweiten der drei Runden (jeweils zwei Minuten Kampfzeit) einen Tritt gegen den Körper (0:1), Atalar reklamierte wenig später vergeblich einen deutlichen Kopftreffer seines Schützlings, der sogar zwei Punkte gebracht hätte. 1:10 Minuten vor dem Ende glich Lukic aus, doch bei 1:1 entschieden die vier Kampfrichter auf Überlegenheit der Lateinamerikanerin.

Auch Thailand fand kein Gehör für seinen Einspruch. Die WM-Dritte Yaowapa Boorapolchai hatte gegen die WM-Zweite Yanelis Labrada (CUB) eine umstrittene Niederlage bezogen, worauf ihr Trainer in stummem Protest minutenlang die Matte nicht verließ. Auch als der Lukic-Kampf schon eingeläutet war, wich er nicht vom Kampfplatz.

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