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Fall Emanuela Orlandi: Rom stellt Ermittlungen um entführte Vatikan-Bürgerin ein

Die römische Justiz stellt die Ermittlungen im Fall der 1983 verschwundenen vatikanischen Staatsbürgerin Emanuela Orlandi ein. Ein Untersuchungsrichter hat am Dienstag den Rekurs der Familie Orlandis gegen die Einstellung der Untersuchung abgelehnt. Die Bedingungen für eine Fortsetzung der Ermittlungen seien nicht vorhanden.

Der “Fall Orlandi” gehört zu den spektakulärsten italienischen Kriminalfällen. Unmittelbar nach dem mysteriösen Verschwinden der damals 15-jährigen Tochter eines Angestellten im Vatikan meldeten sich angebliche Entführer, die ihre Freilassung im Austausch gegen den Papst-Attentäter Ali Agca forderten. Alle damals eingeleiteten Nachforschungen blieben ohne Ergebnis. Später hieß es, das Mädchen sei von einer römischen Kriminellenbande entführt und kurze Zeit später getötet worden.

Insbesondere der Bruder des Entführungsopfers, Pietro Orlandi, hatte die Nachforschungen und Ermittlungen der vatikanischen und italienischen Behörden als ungenügend bezeichnet. So sei der Vatikan unmittelbar nach der Entführung nicht allen Hinweisen nachgegangen. “Ich werde weiter um die Wahrheit kämpfen”, kommentierte Pietro Orlandi die Einstellung der Ermittlungen.

Verbindung zu totem Bandenboss?

Im Jahr 2012 hatte der Fall letztmals Schlagzeilen gemacht, als die Polizei die im Grab des Gangsterbosses Enrico De Pedis in der römischen Kirche Sant’ Apollinare befindlichen Knochen sichergestellt hatte. Im Frühjahr 2006 hatte sich in einer italienischen TV-Sendung für ungeklärte Kriminalfälle ein Anrufer gemeldet und behauptet, in der Krypta von Sant’Apollinare fänden sich Hinweise auf Orlandi.

Sechs Jahre später ordnete die römische Staatsanwaltschaft die Graböffnung und gerichtsmedizinische Untersuchung der darin befindlichen Knochen an. Hinweise auf Emanuela Orlandi fanden sich im Grab des 1990 erschossenen Anführers der berüchtigten Magliana-Bande jedoch nicht.

Eine andere Version der Geschichte beruht auf der Behauptung einer früheren Geliebten de Pedis’. Sie hatte 2005 erklärt, dieser habe Emanuela Orlandi entführt, für einige Zeit gefangen gehalten und schließlich getötet und in einer Neubausiedlung im Südosten Roms einbetoniert. Aber auch diese Spur verlief im Sande. (red/APA)

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