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F: Krawalle erreichen neuen Höhepunkt

Die Ausschreitungen und Zerstörungen in französischen Vorstädten haben am Samstag einen neuen Höhepunkt erreicht. Nach Behördenangaben wurden annähernd 900 Autos in Brand gesetzt. 

Davon waren es allein 650 im Großraum Paris, 253 Personen sind festgenommen worden. Ein Kindergarten, ein Rathaus, Lagerhäuser und eine Synagoge brannten nieder, wie das Innenministerium mitteilte. Auch aus den Städten Lille, Toulouse und Rouen wurden Krawalle gemeldet. Am Samstag waren in mehreren Vorstädten Kundgebungen und Schweigemärsche gegen die Ausschreitungen geplant.

Generalstaatsanwalt Yves Bot machte „organisierte Banden“ für die Taten verantwortlich. Die Maskierten kämen auf Motorrollern, schleuderten einen Brandsatz auf ein Auto und rasten davon. Sie seien extrem schwer zu fassen. Landesweit koordinierten sich die Banden über das Internet. Die Angriffe junger Männer, die vorwiegend aus Einwandererfamilien stammen, breiteten sich auf weitere Orte in Nordfrankreich aus. Am Freitagabend traf Premierminister Dominique de Villepin mit 15 Jugendlichen aus den betroffenen Vororten zusammen, um mit ihnen über die Lage zu diskutieren.

Auch das bisher am härtesten betroffene Département Seine-Saint-Denis bei Paris kam trotz des Einsatzes von 1400 Polizisten nicht zur Ruhe. In Pierrefitte-sur-Seine mussten mehr als 100 Hausbewohner wegen Feuers in einer Tiefgarage in Sicherheit gebracht werden. In Achère westlich von Paris setzten Angreifer einen Kindergarten in Brand. Die Reparaturen an dem schwer beschädigten Gebäude werden mehrere Monate dauern, wie das Büro des Bürgermeisters mitteilte. In Torcy östlich der Hauptstadt brannten Randalierer ein Jugendzentrum sowie eine Polizeiwache nieder. In Aubervilliers am nördlichen Stadtrand von Paris setzten Gewalttäter ein Lagerhaus in Brand.

In Meaux östlich von Paris hinderten Randalierer Sanitäter daran, einen Kranken in ein Krankenhaus zu bringen. Nach Polizeiangaben schleuderten die Jugendlichen Steine auf die Rettungskräfte, und der Krankenwagen wurde in Brand gesetzt. In Lille gingen Autos in Flammen auf, in einem Vorort von Rouen schleuderten Jugendliche an einer Haltestelle einen Brandsatz auf einen Bus. Die Fahrgäste konnten den Bus verlassen, verletzt wurde nach Angaben der Präfektur niemand. Der Bus wurde zerstört.

Der Fraktionschef der oppositionellen Sozialisten (PS) in der Nationalversammlung und Bürgermeister von Nantes, Jean-Marc Ayrault, hat der bürgerlich-konservativen Regierung unter Staatspräsident Jacques Chirac und Premierminister Dominique de Villepin Mitschuld an den schweren Krawallen gegeben. Die französische Regierung habe in den vergangenen drei Jahren die Problemviertel vernachlässigt, sagte Ayrault am Samstag im Deutschlandradio Kultur. Einen möglichen Rücktritt von Innenminister Nicolas Sarkozy, dem Chef der Regierungspartei UMP, als Reaktion auf die Unruhen bezeichnete er jedoch als „zu einfach“. Die Linksopposition hat unter dem Eindruck der anhaltenden Gewalt eine Dringlichkeitsdebatte im Parlament gefordert. Die Verhängung des Ausnahmezustands über die betroffenen Gebiete hat Marine Le Pen, Vizepräsidentin der rechtsextremen Partei „Front National“ (FN), gefordert.


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