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F: Keine Information über Journalistin

Die französische Regierung hat sich beunruhigt über das Verschwinden einer französischen Journalistin im Irak geäußert. "Wir wissen nicht, was passiert ist", sagte Außenminister Michel Barnier dem Nachrichtensender LCI.

Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie rief alle französischen Journalisten auf, den Irak zu verlassen. Die Reporterin der Pariser Tageszeitung „Libération“, Florence Aubenas, und ihr Übersetzer Hussein Hanun al-Saadi haben seit Mittwochmorgen kein Lebenszeichen mehr von sich gegeben.

Die Zeitung „Le Figaro“ meldete am Freitag unter Berufung auf die irakische Polizei, Aubenas und Saadi seien auf dem Weg von Bagdad nach Taji im Norden der Hauptstadt verschwunden. Aubenas war wenige Tage vor der Freilassung ihrer im Irak verschleppten Kollegen Christian Chesnot und Georges Malbrunot am 16. Dezember in Bagdad eingetroffen. Sie recherchierte über die weiblichen Kandidaten für die Wahlen Ende Jänner und über die Flüchtlinge aus der im Krieg zerstörten Stadt Falluja. Aubenas könne tot, verletzt, verschleppt oder irrtümlich von den Irakern oder Amerikanern festgenommen worden sein, schreibt der „Figaro“ unter Berufung auf diplomatische Kreise.

Die erfahrene Journalistin schreibt seit 1986 für „Libération“. Sie war unter anderem in Kriegs- und Krisengebieten wie Ruanda, Kosovo, Afghanistan und Irak im Einsatz gewesen. Saadi arbeitet seit zwei Jahren für „Libération“-Korrespondenten.

Chirac rät von Entsendung weiterer Journalisten in den Irak ab

Nach dem Verschwinden einer französischen Journalistin im Irak hat Staatspräsident Jacques Chirac ausdrücklich von der Entsendung weiterer Reporter in das Land abgeraten. „Für uns ist das eine Frage der Verantwortung“, sagte Chirac am Freitag in einer Pressekonferenz. Über das Schicksal der „Libération“-Reporterin Florence Aubenas, zu der seit Mittwochmorgen kein Kontakt mehr besteht, zeigte sich der Präsident beunruhigt. Frankreich werde alles tun, um die 43-Jährige ausfindig zu machen, versicherte er.

Die Zeitung „Libération“ hatte am Donnerstag auf ihrer Internetseite mitgeteilt, dass der Kontakt zu Aubenas und ihrem Übersetzer Mittwoch Früh abgerissen sei. Zu diesem Zeitpunkt hätten beide ihr Hotel in Bagdad verlassen. Gewöhnlich habe sich die Reporterin mindestens zwei Mal bei der Redaktion gemeldet.

Der im Dezember nach viermonatiger Geiselhaft aus dem Irak zurückgekehrte Reporter Georges Malbrunot sagte, Journalisten könnten dort derzeit kaum arbeiten. „Es ist nicht an mir, Ratschläge zu geben, aber es scheint mir extrem riskant“, sagte der Reporter, den Chirac zu seiner Pressekonferenz eingeladen hatte.

Aubenas ist nach Angaben der „Libération“ seit Mitte Dezember im Irak. Sie arbeite an Porträts über weibliche Kandidaten für die irakische Parlamentswahl am 30. Jänner und habe auch mit Flüchtlingen aus der Stadt Falluja sprechen wollen. Die Rebellenhochburg war im November von US-Truppen eingenommen worden und liegt in der umkämpften Provinz Anbar.

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