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F: Erneut Gewalt in Pariser Vorstädten

Die Vorstädte rund um Paris mit ihren sozialen Problemvierteln kommen nicht zur Ruhe. In der achten aufeinander folgenden Nacht kam es Freitag wieder zu Ausschreitungen.  

Von denen waren die Départements Seine-Saint-Denis nordöstlich der französischen Hauptstadt, sowie Essonne (Südosten), Val d’Oise (Norden) und Yvelines (Westen) betroffen. Nach Angaben des Innenministeriums gingen im Großraum Paris rund 420 Fahrzeuge in Flammen auf. Die Gewalt griff inzwischen auch auf die Provinz über, insbesondere Dijon (Burgund) und Marseille. Im Département Yvelines wurde eine Remise mit 27 Bussen in Brand gesteckt, auch in drei Lagerhäusern wurde Feuer gelegt. 1300 Polizisten waren im Einsatz, fünf Beamte wurden leicht verletzt.

Die gewalttätigen Unruhen sind nach Einschätzung von Innenminister Nicolas Sarkozy „perfekt organisiert“. Sie seien „keineswegs spontan“, erklärte der Minister und Chef der bürgerlichen Regierungspartei UMP am Freitag im Fernsehen. „Alles, was wir jetzt noch brauchen, ist ein Toter. Dann entgleitet uns die Kontrolle völlig“, sagte der Bürgermeister der im Nordosten von Paris gelegenen Gemeinde Drancy, Jean-Christophe Lagarde. Premierminister Dominique de Villepin hat den lokalen Behörden einen Notfallplan für die Vororte angekündigt, der in den kommenden Tagen präsentiert werden soll.

Der französische Soziologe Michel Wieviorka befürchtet eine Radikalisierung der Gewalt und beklagt das „Versagen des republikanischen Integrationsmodells“. „Die Situation könnte sich noch weiter verschlimmern, denn die Strukturprobleme der Pariser Vororte gibt es in vielen anderen Städten auch“, sagte der Spezialist für städtische Gewalt der Tageszeitung „Le Parisien“. Die Jugendlichen griffen alles an, „was die Institutionen des Staates symbolisiert“. „Sie fühlen sich ungerecht behandelt und von der Gesellschaft verachtet. Das ist der Grund für die Ausschreitungen.“ Wieviorka forderte neue Maßnahmen, um die soziale Solidarität den wirtschaftlichen Realitäten anzupassen. „Das angebliche Modell der republikanischen Integration hat versagt.“ Kosmetische Erklärungen und ein „x-ter Notplan“ für die Vorstädte seien nicht ausreichend.

Randalierer in französischen Vorstädten werden in den Medien des Landes mit Äußerungen zitiert wie: „Das ist erst der Anfang. Wir machen so lange weiter, bis Sarkozy geht“, oder „Wir haben es satt, von der Polizei wie Dreck behandelt zu werden.“ Die Unruhen begannen vor einer Woche in der Pariser Vorstadt Clichy-sous-Bois, nachdem sich zwei Jugendliche offenbar auf der Flucht vor der Polizei tödlich verletzt hatten. Die Polizei legte am Donnerstagabend einen Bericht zum Tod der beiden Jugendlichen vor. Einwohner warfen Polizisten vor, die Jugendlichen verfolgt zu haben, so dass diese in einem Transformatorenhäuschen Zuflucht suchten und tödliche Stromschläge erlitten. Ein dritter Jugendlicher wurde schwer verletzt.

Das Innenministerium hob am Freitag hervor, es habe keine direkten Zusammenstöße zwischen Randalierern und Polizisten gegeben. Gegenüber dem Vorabend sei eine leichte Beruhigung der Lage festzustellen. Rund 40 Personen seien festgenommen worden. Die Bahngesellschaft SNCF kündigte besondere Sicherheitsmaßnahmen für Züge in gefährdeten Gebieten an.


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