F: Bahn wegen Deportationen verklagt

Die französische Bahngesellschaft SNCF ist wegen des Transports von Juden im Zweiten Weltkrieg zu Durchgangslagern der Nationalsozialisten verklagt worden.

Die Bahngesellschaft soll den Vater und drei Verwandte der Kläger zu einem Durchgangslager transportiert haben, von dem aus die Nationalsozialisten sie in Konzentrationslager geschickt hätten.

Der Abgeordnete der französischen Grünen im Europäischen Parlament, Alain Lipietz, und seine Schwester Helene werfen der SNCF vor, den Transport französischer Juden in das Durchgangslager Drancy bei Paris organisiert und diese Dienste der damaligen Regierung in Rechnung gestellt zu haben.

Ein Anwalt der Bahn sagte, die Verjährungsfrist für den Transport von Juden sei abgelaufen. Die Transporte seien 1944 mit dem Ende der deutschen Besetzung Frankreichs eingestellt worden. Zuvor sei die SNCF von der Kollaborateursregierung in Vichy betrieben worden. „Die SNCF war ziemlich eigenständig, als es darum ging, Geld einzunehmen. Also muss sie ihre Verantwortung für ihre Entscheidungen im Umgang mit Juden übernehmen“, forderte indessen Lipietz. Die SNCF habe 200 Juden in Frachtwagen für 60 Pferde gestopft und für jeden eine Fahrkarte dritter Klasse berechnet, sagte seine Schwester Helene.

Eine ähnliche Klage war 2003 vor einem Pariser Gericht gescheitert, weil dieses keine Anhaltspunkte dafür gesehen hatte, dass die SNCF für Judentransporte verantwortlich war. Von den rund 330.000 Juden, die 1940 in Frankreich lebten, wurden 75.721 in Konzentrationslager deportiert. Von ihnen kehrten nur rund 2500 wieder lebend zurück.

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