Experten: Den "gläsernen" Internet-User gibt es bereits

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Österreichs Internet-Benutzerinnen und -Benutzer, aber auch die Unternehmen, gehen mit ihren Daten im weltweiten Netz heute meist zu sorglos um, den "gläsernen" User gibt es bereits.

Dafür sorgen eigene Analyse-Programme, die neben der Ausforschung der IP-Adresse auch versuchen, automatisch Profile zu erstellen. Diese könnten dann für Werbemaßnahmen, aber auch für missbräuchliche Anwendungen eingesetzt werden, stellten Experten im Rahmen der APA-E-Business-Community gestern, Donnerstag Abend, in Wien fest.

Einer der größten Kritiker in diesem Bereich, TU-Graz-Professor und Computerexperte Hermann Maurer, sieht das Hauptproblem in dem Umstand, dass viele Nutzer-Daten auf “fremden” Servern liegen, wo sie sich der Kontrolle des Einzelnen entziehen. Dass diese Daten lediglich Marketing-Zwecken dienen, glaubt der Computerwissenschafter nicht: “Zielgenaue Werbung ist viel gefährlicher, als wir alle glauben.” Programme zur Profilerstellung, etwa “Google Analytics”, könnten auch für politische und erpresserische Zwecke verwendet werden. Der Benutzer wüsste oft nicht, was mit seinen Profil-Daten geschehe, “das ist leichtsinnig”, so Maurer.

Der Professor machte keinen Hehl daraus, dass ihm die Quasi-Monopolstellung von Google im Bereich der Suchmaschinen ein Dorn im Auge ist. “Google gehört zerschlagen”, lautete die harte Forderung. Ziel sei, dass die User jederzeit sein Profil einsehen und gegebenenfalls auch löschen können sollte. Zudem sollten die Server, auf denen die Daten lagern, “in einem Land unseres Vertrauens liegen”.

Die Möglichkeit, dass ein User im WWW selbst unterschiedliche Profile verwaltet, hält wiederum Harald Lakatha, Geschäftsführer von IT Solution, für nicht zielführend. Sinnvoller sei es, unterschiedliche Profile je nach Kontext zu erstellen. Bei der Verknüpfung von Analyseprogrammen und Datenschutz erwartet sich Lakatha ein Statement der Politik. Er verwies in diesem Fall auf das positive Beispiel der Bürgerkarte, wo der Staat viele Anstrengungen unternommen habe, um missbräuchlicher Datenverwendung vorzubeugen.

Das Hauptproblem im Umgang mit Daten sieht Walter Karban vom inMotion Verlag darin, dass Software leicht zu manipulieren ist. Besser wäre es, sich im Internet andere Identitäten zuzulegen. Im Allgemeinen ist es für ihn aber problematisch, wenn einige wenige Unternehmen wie etwa Google zu viel über einzelne Personen wissen. Dort würden die User quasi mit Daten für eine Dienstleistung zahlen, ohne dies zu wissen. Aus diesem Grund will er IP-Adressen als persönliche Daten verstanden wissen.

Für Microsoft-Sicherheitssprecher Gerhard Göschl ist das bewusste Anmelden auf einer Homepage mit der Auswahl eines Profils eine Möglichkeit für mehr Datenschutz. Für “normales” Surfen sei dies aber zu kompliziert. Auch die Trennung zwischen privatem und beruflichem Internetgebrauch ist für ihn in der Praxis schwierig, da es hier oft Überschneidungen gebe.

Michael Engel, Security Manager bei Nextira One, hielt fest, dass die Userin und der User “schon heute sehr gläsern” sind. Man hinterlasse – auch unbewusst – viele Datenspuren, und das nicht nur im Internet, sondern auch mit dem Handy oder der Kreditkarte. Das Bewusstsein über die Vielzahl von hinterlassenen Spuren im Internet müsse nicht nur bei den einzelnen Nutzerinnen und Nutzern gestärkt werden: “Awareness gilt auch für die Unternehmen.” Die Antwort, wer überprüft, wie Firmen mit Daten umgehen, “fehlt zur Gänze”, stellte Engel fest.

Für die Zukunft plädierte Karban für einen bewussten Umgang mit Daten, Ziel seien “mündige” Bürgerinnen und Bürger. Dass dies derzeit noch mangelhaft ausgeprägt ist, unterstrich auch Engel. Für Lakatha ist hingegen das bewusste Setzen von Datenspuren vorrangig. Göschl verwies seinerseits auf die enge Zusammenarbeit von Microsoft mit der Artikel-29-Kommission (Datenschutzgruppe) auf EU-Ebene.

“Das Produkt Google ist heute nicht mehr gut”, kritisierte Maurer, der sich vor allem an der nicht vorhandenen “Vergessenheitsfunktion” stößt. In Suchmaschinen gebe es oftmals Treffer, die schon einige Jahre alt seien. In diesem Feld würden sich daher Chancen für neue Anbieter und Technologien auftun.

Die Partner-Unternehmen der E-Business-Community sind:

– ANECON Software Design und Beratung GmbH / www.anecon.com – Capgemini Consulting Österreich AG / www.at.capgemini.com – diamond:dogs webconsulting GmbH / www.diamonddogs.cc – DIMOCO Direct Mobile Communications GmbH / www.dimoco.at – Dialog Marketing Verband Österreich / www.dmvoe.at – economyaustria / www.economyaustria.at – Gentics Software GmbH / www.gentics.com – Hewlett-Packard / www.hp.com/at – IT Solution GmbH / www.itsolution.at – Kapsch CarrierCom AG / www.kapsch.net – Microsoft Österreich / www.microsoft.com/austria – NAVAX Consulting AG / www.navax.at – NextiraOne / www.nextiraone.at – SER Solutions Österreich / GmbH www.ser.at – Telekom Austria / www.telekom.at – WirtschaftsBlatt / www.wirtschaftsblatt.at – Wirtschaftskammer Österreich / www.wko.at – APA-MultiMedia / http://multimedia.apa.at

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