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Ex-Präsident der Serbischen Akademie der Wissenschaften gestorben

Der ehemalige Präsident der Serbischen Akademie der Wissenschaften und Künste, Dejan Medakovic (1999-2003), ist am Dienstagabend in Belgrad einem Krebsleiden erlegen. Der 1922 in Zagreb geborene Kunsthistoriker war Träger zahlreicher internationaler Preise, darunter der Herder-Preis, den ihm die Universität Wien 1990 verlieh.

Als Mitverfasser des bis heute umstrittenen “Memorandums zur Lage der serbischen Nation” haftete ihm bis zuletzt das Etikett eines geistigen Wegbereiters der Ära Milosevic an, was er als “große Propagandalüge” vehement zurückwies.

Das von der Serbischen Akademie der Wissenschaften (SANU) 1986 herausgegebene Memorandum gilt vielen immer noch als “nationalistischer Katechismus”, als wissenschaftliches Unterfutter der nationalistischen Politik von Slobodan Milosevic – und damit ethnischer Säuberungen in der “Wiege des Serbentums” Kosovo. Diese Politik mündete schließlich in die militärische Intervention der NATO im Kosovo-Krieg 1998/99.

Vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag verteidigte sich Ex-Präsident Milosevic mit den Worten, angeklagt seien alle, “samt der Intelligenzia, angeführt von der Akademie der Wissenschaften und Künste. Es wird behauptet, das Memorandum der Akademie sei die geistige Grundlage für Verbrechen an Albanern gewesen.” Medakovic erklärte in einem Interview mit der “Wiener Zeitung” 2003, dabei habe es sich um eine halbfertige “wissenschaftliche Analyse” im Zuge der jugoslawischen “Verfassungskrise” von 1974 gehandelt.

“Und zwar ging es dabei um die Frage, welche Folgen die Ausweitung der Autonomie auf die serbische Population außerhalb Serbiens hat”, rechtfertigte sich der Historiker. “Noch in der Phase der Ausarbeitung wurden Teile dieses Memorandums von der Geheimpolizei gestohlen, der Presse zugespielt und durch journalistische Montage aus dem Zusammenhang gerissen.”

Nach den NATO-Bombardements auf Restjugoslawien kritisierte Medakovic 1999 zum einen das “Schweigen Mitteleuropas” zur Zerstörung der serbisch-orthodoxen Kirchen und Klöster im Kosovo, wandte sich aber zugleich gegen die Einmischung kirchliche Würdenträger in die Tagespolitik. Heftige Kritik übte Medakovic seither auch an den USA und deren “Coca-Cola-Kultur”. Er forderte eine Rückkehr Europas zu seinem “jüdisch-christlichen Fundament”.

In einem seiner bekanntesten Werke, “Serben in Wien”, befasste Medakovic sich mit der Zuwanderung der Serben in die damalige Donau-Metropole von Ende des 17. bis ins 19. Jahrhundert. Mithilfe von zahlreichen Dokumenten aus Wiener Archiven und wissenschaftlichen Arbeiten untersuchte er die Lebensbereiche Kultur, Kunst, Wissenschaft, Militär, Politik und Wirtschaft und versuchte ein Bild der Zuwanderer zu zeichnen. Zur Präsentation des Buches 2001 in Wien lud der damalige Nationalratspräsident und heutige Bundespräsident Heinz Fischer.

1990 erhielt Medakovic den Gottfried-von-Herder-Preis von der Uni Wien, der der Pflege und Förderung der kulturellen Beziehungen zu den ost- und südosteuropäischen Völkern gewidmet ist, und wurde erster Präsident der Jugoslawisch-Österreichische Gesellschaft für Kultur. 1995 nahm ihn die Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste in Salzburg als Mitglied auf. Ab 1996 war er Teil einer hochkarätigen Balkan-Historikerkommission, welche von der Ökumene-Stiftung “Pro Oriente” ins Leben gerufen wurde.

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