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Ex-Freundin zu töten versucht: Sieben Jahre Haft

Der 17-jährige Schlosserlehrling, der am 4. Juli 2007 mit einem Küchenmesser auf seine schlafende Ex-Freundin einstach, ist am Mittwochabend im Wiener Straflandesgericht wegen versuchten Mordes zu sieben Jahren Haft verurteilt worden.

Der Wahrspruch der Geschworenen fiel mit 5:3 Stimmen denkbar knapp aus.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Verteidiger Werner Tomanek meldete Berufung gegen die Strafhöhe an. Die Staatsanwältin gab vorerst keine Erklärung ab.

Vorbericht

„Wenn man im Herzen verletzt wird, tut das mehr weh als Stichverletzungen. Das im Herzen bleibt ewig drin. Wunden verheilen“, sagte am Mittwoch jener 17-jährige Bursch, der am 4. Juli 2007 mit einem Küchenmesser (Klingenlänge: 20 Zentimeter) auf seine schlafende Ex-Freundin eingestochen hatte.

Er habe das 16-jährige Mädchen verletzten wollen, weil es ihm Schmerzen zugefügt habe, indem es mit ihm Schluss machte und sich danach praktisch vor seinen Augen mit mehreren Burschen vergnügte, gab der Jugendliche sinngemäß zu Protokoll. Er habe „zuschauen“ wollen, wie sie unter Schmerzen leide: „Ich kann mir auch nicht erklären, warum ich offen und ehrlich gesagt habe, dass ich sie töten wollte“, meinte er unter Anspielung auf seine Angaben unmittelbar nach seiner Festnahme.

Damals hatte er noch bekräftigt: „Ich wollte, dass sie nicht mehr lebt. In mir war eine Wut. Ich hatte die Absicht, sie zu töten.“ Auf die Frage von Richter Norbert Gerstberger, wie er sich aus heutiger Sicht diese Feststellungen erkläre, antwortete der Bursch: „Ich konnte nicht fassen, dass ich eingesperrt bin und meine Arbeit verloren habe.“

Der Lehrling hatte die Musikgymnasiastin im April 2007 übers Chatten kennengelernt. Man vereinbarte ein persönliches Treffen in einem Fast-Food-Lokal am Stephansplatz. Eine halbe Stunde später fragte er sie, ob sie mit ihm zusammen sein wolle.

Die Schülerin bejahte. „Er war mir sympathisch“, erklärte die 16-Jährige dazu nun im Zeugenstand. Nach einiger Zeit sei er ihr allerdings zu viel geworden: „Er hat fast jeden Tag zwei Stunden mit mir telefoniert. Das hat mich ziemlich genervt. Ich bin nicht zum Lernen gekommen. Ich hab’ gespürt, dass ich die Klasse wiederholen muss.“

Ihre Bitten um mehr Freiraum blieben unerhört. Auf bis zu 450 Euro monatlich beliefen sich die Handyrechnungen des Lehrlings. Er wollte möglichst oft bei seiner Freundin in Wien-Simmering übernachten. Er meldete sich krank, um bei ihr sein zu können. „Ich wollte immer in ihrer Nähe sein, weil ich sie noch immer geliebt habe“, gab er dazu später an.

Er verstand nicht, warum sie ihn nicht ständig hören und sehen wollte. „Am Anfang war es ja relativ in Ordnung. Alles“, ließ der Angeklagte die Geschworenen wissen. Er habe sich „vielleicht zu sehr reingesteigert“. Er habe sie einfach immer sehen wollen: „Ich war blind vor Liebe.“

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