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Evakuierung Ost-Aleppos verzögert sich

Das einst schöne Aleppo ist heute eine zerstörte Stadt
Das einst schöne Aleppo ist heute eine zerstörte Stadt ©APA (AFP)
Die Evakuierung des Ostens der syrischen Stadt Aleppo kommt offenbar nicht voran. Pro-syrische Milizen würden verhindern, dass die Menschen aus den bis zuletzt von der Opposition gehaltenen Gebieten abziehen könnten, hieß es Mittwochfrüh auf Rebellen-Seite. Ein Vertreter der Allianz um den syrischen Machthaber Bashar al-Assad hatte erklärt, die Evakuierung solle um 04.00 Uhr MEZ beginnen.
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Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, bisher habe kein Kämpfer und kein Zivilist Ost-Aleppo verlassen. Die Evakuierung verzögere sich. Der Grund dafür sei unbekannt.

Zivilisten in Sicherheit bringen

Die Rebellen hatten am Dienstag nach jahrelangen Kämpfen ihren Widerstand in Aleppo aufgegeben. Die Metropole befindet sich nach russischen Angaben nach einer Einigung auf einen Waffenstillstand wieder vollständig unter Kontrolle des syrischen Militärs. Die Aufständischen hatten angekündigt, die wenigen noch von ihnen gehaltenen Viertel im Osten der Stadt zu räumen. Alle eingeschlossenen Zivilisten würden in Sicherheit gebracht.

Türkei erwartet tausende Flüchtlinge

Die Türkei will unterdessen eine Zeltstadt für bis zu 80.000 Flüchtlinge aus Aleppo aufbauen. Der stellvertretende Ministerpräsident Mehmet Simsek kündigte das Vorhaben am Dienstagabend via Twitter an, ohne allerdings Details zu nennen. Die Türkei beherbergt bereits rund 2,7 Millionen Flüchtlinge aus Syrien.

Kritik an Europa: Wenig Hilfe aus dem Westen

Angesichts der verheerenden Lage in Aleppo haben Sicherheitsexperten und Verteidigungspolitiker dem Westen vorgeworfen, zu spät und zu unentschlossen auf den Syrienkonflikt reagiert zu haben. Der Chef der Münchener Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, sagte der “Bild”-Zeitung: “Man kann nicht die Absetzung eines Diktators fordern, dann die Hände in den Schoß legen und hoffen, dass er freiwillig abtritt: Mit dem Verlust seiner Glaubwürdigkeit hat der Westen auch die Fähigkeit verspielt, der syrischen Bevölkerung zu Hilfe zu kommen.”

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), kritisierte, dass die Reaktion des Westens nicht abgestimmt gewesen sei. “Es hätte so etwas geben müssen wie eine gemeinsame Politik des Westens, ein gemeinsames Angebot an Russland zur Kooperation in der Luft und am Boden, die Entschlossenheit, notfalls alleine zu schützen und die Ankündigung, russischen Militäreinsatz mit wirtschaftliche Sanktionen zu beantworten”, sagte Röttgen der “Bild”-Zeitung. Er fügte hinzu: “Nichts von alledem hat es gegeben.”

Die Menschen aus Aleppo sind verzweifelt

IS übernahm zurückgelassene Waffen in Palmayra

Unterdessen wurde bekannt, dass die syrischen Soldaten bei ihrer Flucht aus der antiken Wüstenstadt Palmyra zahlreiche Waffen zurückgelassen haben. Diese sind der Jihadistenmiliz “Islamischer Staat” (IS) in die Hände gefallen. Die Truppen der syrischen Armee hätten Palmyra “sehr schnell” verlassen, sagte ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums am Dienstag. “In der Folge hat der IS das gesamte Material übernommen, das vom Regime vor Ort gelassen wurde. Dies könnte gepanzerte Fahrzeuge und Artillerie umfassen.”

Die Extremisten hatten Palmyra acht Monate nach ihrer Vertreibung aus der Stadt am Sonntag zurückerobert, obwohl zeitweise russische Kampfjets Luftangriffe zur Unterstützung der syrischen Einheiten flogen. Die Jihadistenmiliz hatte Palmyra erstmals im Mai 2015 eingenommen. Während ihrer Herrschaft zerstörten die IS-Kämpfer dort zahlreiche einzigartige Kulturgüter.

Washington verwies darauf, dass Palmyra wohl deshalb von der syrischen Armee aufgegeben werden musste, weil sich diese völlig auf den Kampf um die Großstadt Aleppo konzentriert habe. Moskau hatte am Montag mangelnde Kooperationsbereitschaft der USA für den Verlust von Palmyra verantwortlich gemacht.

Hunderte Menschen durch schreckliche Gasattacken getötet

Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) geht inzwischen Berichten nach, dass bei Luftangriffen in der Nähe von Palmyra chemische Kampfstoffe zum Einsatz gekommen sein könnten. Die Vorwürfe in Medienberichten seien ernst zu nehmen, erklärte die Organisation am Dienstag. Nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte kamen bei Luftangriffen am Montag in der IS-kontrollierten Gegend in der Nähe von Palmyra 53 Zivilisten, darunter 16 Kinder, ums Leben – einige durch Ersticken.

(APA/ag.)

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