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Europas Märkte verdauen Wahlen in Athen und Paris

Euro und EuroStoxx50 machen Verluste wett
Euro und EuroStoxx50 machen Verluste wett ©dapd
Europas Finanzmärkte haben am Montag den ersten Schock nach den Wahlen in Frankreich und Griechenland verdaut. Dass Francois Hollande neuer Präsident Frankreichs wird und die griechischen Wähler in Scharen zu den Parteien überlaufen, die den Sparkurs ablehnen, sei schon vor dem Wochenende erwartet worden, hieß es am Nachmittag von Händlern.
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Einige Marktteilnehmer konnten sich zudem mit der Ankündigung Hollandes anfreunden, nicht allein auf eine strikte Sparpolitik setzen zu wollen. Rückenwind lieferten zudem die Auftragszahlen der deutschen Industrie, die im März mit einem Plus von 2,2 Prozent deutlich besser ausfielen als erwartet. Euro und EuroStoxx50 machten ihre Verluste wett, der Dax reduzierte sein Minus von zunächst über zwei Prozent auf 0,4 Prozent und notierte bei 6.532 Zählern.

Medizin der Politik auf Deutschland ausgerichtet

“Der Sieg von Hollande bietet Europa die Chance, auf eine wachstumsorientierte Politik umzuschwenken und nicht nur auf Sparmaßnahmen zu beharren”, kommentiert John Bennett von Henderson Global Investors. Die Medizin der Politik von Nicolas Sarkozy und Angela Merkel sei ohnehin auf Deutschland ausgerichtet gewesen und habe verkannt, dass sie den schwächeren Eurozonen-Patienten eine zu hohe Dosis zugemutet habe. “Ein Kurswechsel wird zwar an den Märkten zu erhöhter Volatilität führen, ist aber notwendig, um das Wirtschaftswachstum zu fördern.”

Analyst Riccardo Designori von Brown Editore bezeichnet den Wahlausgang als “Anti-Merkel-Votum”. “Die Menschen in Europa haben genug von den harten Sparauflagen, die ihnen von den deutschen Politikern aufgebürdet wurden. Dies könnte eine Trendwende bedeuten.”

Athener Börse sackte ein

Der neue, vorsichtige Optimismus klammerte allerdings die Entwicklung in Griechenland aus. Der Leitindex der Athener Börse sackte um sieben Prozent ab, der griechische Bankenindex brach sogar um mehr als 15 Prozent ein. “In Athen scheinen Hopfen und Malz verloren”, kommentierten die Analysten der LBBW. “Mit dem neuen Parlament wird eine stabile Mehrheit für einen Konsolidierungskurs nicht zu erreichen sein.”

Der EuroStoxx50 war zwar zeitweise mit rund 2.205 Punkten auf den niedrigsten Stand seit Ende Dezember gerutscht, drehte dann aber um 0,3 Prozent auf 2.255 Punkte ins Plus. Der französische CAC40 machte seine Verluste ebenfalls wett und stieg um 0,5 Prozent. Ein ähnliches Bild lieferten die Börsen Italiens und Spaniens. An der Wall Street zeichneten sich zum Handelsstart Abschläge von rund 0,3 Prozent ab.

Euro auf Vier-Monats-Tief gefallen

Der Euro, der in der Nacht zeitweise auf ein Vier-Monats-Tief von 1,2955 Dollar gefallen war, übersprang zwar am Vormittag wieder die psychologisch wichtige Marke von 1,30 Dollar. Damit lag er aber immer noch einen knappen US-Cent unter dem Niveau vom New Yorker Freitagsschluss. Am Rohstoff-Markt gerieten auch die Preise für Rohöl unter Druck.

Licht und Schatten zeigten sich bei den europäischen Finanzwerten, die besonders sensibel auf Nachrichten zum Thema Schuldenkrise reagieren. Angeführt von Kursgewinnen bei den meisten spanischen und italienischen Banken machte der Stoxx-Branchenindex seine Verluste wett und kletterte um 0,7 Prozent. In Mailand begründeten Händler die Erholung damit, dass es am Vormittag zu heftig nach unten gegangen sei und Anleger nun wieder zukauften. Die Aktien von Banco Popolare di Milano legten um 7,5 Prozent zu.

Spanien will Finanzsektor stützen

In Spanien gingen die Papiere von Bankinter und BBVA um 2,4 und zwei Prozent nach oben. Ministerpräsident Mariano Rajoy will den taumelnden Finanzsektor notfalls mit neuen Milliarden stützen. Die Aktien von Bankia bildeten indes mit einem Abschlag von 2,9 Prozent das Schlusslicht im spanischen Leitindex. Der schwer angeschlagene spanische Sparkassen-Konzern soll im Rahmen einer Sanierung durch den Staat Regierungskreisen zufolge die Banken- und Immobiliensparten seiner Muttergesellschaft BFA eingliedern.

Im Dax arbeiteten sich die Anteilsscheine der Commerzbank um zwei Prozent ins Plus, während die Deutsche Bank 0,1 Prozent niedriger notierte.

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