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Eurogruppe erzwingt erstmals Schließung einer Bank

Zypern muss seinen Bankensektor, der als "aufgebläht" kritisiert wurde, auf Druck der Finanzminister der Eurogruppe zurückfahren.
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Regierung erleichtert, Volk frustriert

Die Gläubiger der zwei größten Banken des Landes, der Bank of Cyprus und die Laiki Bank (Cyprus Popular Bank), können einen großen Teil ihrer Forderungen in den Wind schreiben – die Rede ist von mehreren Milliarden Euro, die genau Zahl ist noch nicht bekannt.

Größe der zypriotischen Banken in der Kritik

Die Abwicklung der Laiki Bank läuft praktisch ab sofort. Es ist für die Mittelmeerinsel Zypern die schwerste Krise seit ihrer Teilung infolge der türkischen Invasion im Jahr 1974. Das Land ist durch die Einigung in der vergangenen Nacht nur knapp am wirtschaftlichen Kollaps vorbeigeschrammt – muss dafür aber einen hohen Preis bezahlen.

Weitere große Bankensektoren in der EU

Auf Druck der Eurogruppe-Finanzminister, der EZB und des IWF wird die zweitgrößte Bank des Landes, die mehrheitlich staatliche Laiki Bank, zerschlagen. Immer wieder war der Bankensektor des Inselstaates als überdimensioniert kritisiert worden, die Bilanzsumme der Banken entspricht dem Achtfachen der Wirtschaftsleistung des Landes. Ähnliches würde freilich auch für die Inselstaaten Irland, Malta und Großbritannien gelten. Luxemburg kommt sogar auf eine Banken-Bilanzsumme von mehr als 2.000 Prozent des BIP.

Aderlass für Großkunden

Laiki-Kunden mit Einlagen bis zu 100.000 Euro sollen wegen der gesetzlichen Einlagensicherung zwar ungeschoren davonkommen – ihre Konten werden auf die größte Bank des Landes, die Bank of Cyprus, übertragen, sofern wenigstens diese Bank überlebt, wie das deutsche “Handelsblatt” am Montag einschränkte. Größere Kunden und Aktionäre – im EU-Ausland pauschal “russische Oligarchen” genannt – müssen sich allerdings auf einen schweren Aderlass gefasst machen, sie könnten insgesamt 4,2 Mrd. Euro verlieren, aber auch diese Zahl ist nicht sicher.

Dreißig Prozent der Einlagen als Verlust

Die marktführende Bank of Cyprus soll zumindest vorerst überleben. Die Einlagen ihrer kleineren Kunden und jene, die von der Laiki übernommen werden, sind bis zu einer Höhe von 100.000 Euro durch die Einlagensicherung garantiert. Die größeren Gläubiger sollen aber nach den Worten des Vorsitzenden im Finanzausschuss des zypriotischen Parlaments, Nicholas Papadopoulos, 30 Prozent ihrer Einlagen verlieren. Die Bank of Cyprus soll auch den Anteil der Laiki Bank aus 9 Mrd. Euro Schulden aus Notkrediten gegenüber der Zentralbank übernehmen.

Die Bank of Cyprus beschäftigt laut ihrer Homepage rund 11.100 Leute und hat 556 Filialen, davon aber nur 126 auf Zypern selbst. 190 Zweigstellen unterhält die Bank in Russland und 44 in der Ukraine, 181 in Griechenland, 10 in Rumänien, 5 in Großbritannien (UK). Ihre Bilanzsumme beläuft sich auf mehr als 36 Mrd. Euro (per 30.9. 2012).

Größter Aktionär der Bank of Cyprus ist laut Bank-Homepage mit 5,01 Prozent die Odella Resources Ltd. Dabei handelt es sich laut einem früheren Bericht der Nachrichtenagentur Reuters um ein auf den britischen Jungferninseln registriertes Finanzvehikel des russischen Unternehmers Dmitriy Rybolovlev und seiner beiden Töchter. Odella hatte seine Beteiligung im Herbst 2010 auf knapp 10 Prozent aufgestockt, inzwischen aber auf 5 Prozent reduziert.

Leidtragende des griechischen Haircuts

Die beiden börsenotierten zypriotischen Banken sind Opfer des griechischen Schuldenschnitts im vergangenen Jahr, der den zypriotischen Bankensektor zu Abschreibungen in Milliardenhöhe zwang und sie um Staatshilfe ansuchen ließ. Die von der EU vorgeschriebene Eigenkapitalquote von 9 Prozent konnten weder die Bank of Cyprus noch die Laiki Bank vorweisen – die Laiki musste mehrheitlich verstaatlicht werden. 84 Prozent der Anteile hält der Staat, 16 Prozent sind in Streubesitz.

Alternative: “ungeordneter Bankrott des Landes”

Ohne das Rettungspaket der Eurogruppe wäre es in Zypern nach einhelliger Meinung zu einem “ungeordneten Bankrott” des Landes gekommen. Die Hilfe von 10 Mrd. Euro für Zypern macht 55 Prozent des Bruttonationalprodukts des Landes aus. Das bedeutet allerdings neue Schulden – wie sich das Land am eigenen Schopf aus dem wirtschaftlichen Sumpf ziehen soll bleibt unklar. Das Geschäftsmodell “Steueroase” gilt als tot. Große Hoffnungen werden auf das 2011 entdeckte Erdgasvorkommen unter dem Meeresboden südlich von Zypern gesetzt, allerdings hat auch die Türkei bereits Anspruch auf einen Teil des Vorkommens erhoben. (APA)

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