AA

EU im Streit um Weinmarktreform kompromissbereit

Die EU-Kommission ist im Streit um die Reform der milliardenschweren Beihilfen für Europas Weinbauern kompromissbereit. In der EU gibt es eine Wein-Überproduktion.

Zu Beginn eines Treffens der EU-Landwirtschaftsminister am Sonntag in Mainz kündigte Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel an, nur noch die Rodung von 200.000 Hektar mit Rebstöcken vorzuschlagen. Ursprünglich wollte sie mit Beihilfen in Höhe von 2,4 Mrd. Euro Anreize für die freiwillige Rodung von 400.000 Hektar geben. Die Pläne sind auf fünf Jahre angelegt.

In der EU, dem größten Hersteller der Welt, gibt es eine Wein-Überproduktion. Jährlich müssen mit gut einer halben Milliarde Euro „Wein-Seen“ zu Alkohol destilliert werden. Mit den eingesparten Beihilfen von 1,2 Mrd. Euro könnten andere Maßnahmen ergriffen werden, um Europas Winzer im weltweiten Wettbewerb konkurrenzfähiger zu machen, sagte Fischer Boel. Sie will die entsprechenden Gesetzestexte am 4. Juli vorlegen.

EU-Agrarratspräsident Horst Seehofer (CSU) sprach sich zum Auftakt des dreitägigen informellen Treffens mit seinen Kollegen gegen die Fortsetzung der Destillation aus. „Einfach Überschüsse zu Schnaps destillieren ist für mich nicht die Zukunftsantwort“, sagte der deutsche Minister. Die EU-Mittel von rund 500 Mio. Euro pro Jahr zur Lagerung und Destillation von unverkäuflichem Wein müssten „für sinnvollere Zwecke eingesetzt“ werden.

Seehofer fordert, dass die Anreicherung mit Saccharose – das Nachsüßen des Weins – auch nach der Reform der Weinmarktordnung weiter möglich sein soll. Fischer Boel hielt hingegen an einem Ende dieser Praxis fest, die auch bei südlichen Ländern auf Ablehnung stößt. Große Weinbaunationen in der EU wie Frankreich, Italien und Spanien machen gegen Pläne der Kommissarin mobil, die Subventionen für die Weinüberschüsse abzuschaffen.

Der portugiesische Agrarminister Jaime Silva betonte, die Unterschiede in den EU-Ländern müssten bedacht werden. Sein slowenischer Kollege Iztok Jarc sagte: „Es ist immer schwierig, einen guten Kompromiss zu finden, um die Position beizubehalten, die wir jetzt haben.“ Die Weinmarktreform werde an die portugiesische EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2007 weitergereicht, sagte Seehofer.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Politik
  • EU im Streit um Weinmarktreform kompromissbereit
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen