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EU besorgt über steigenden Antisemitismus

Das EU-Institut zur Beobachtung von Rassismus und Fremden-feindlichkeit hat sich besorgt über einen „beträchtlichen Anstieg" des Antisemitismus in mehreren Mitgliedsländern geäußert.

Diese Entwicklung werde von einem Großteil der jüdischen Gemeinden in Europa mit Sorge beobachtet, hieß es in einem Bericht, den Institutsleiterin Beate Winkler am Mittwoch im Europaparlament in Straßburg vorlegte.

Nach Winklers Angaben ist es der erste groß angelegte Versuch, das Ausmaß des Antisemitismus EU-weit zu erfassen. In Deutschland nahmen der in Wien ansässigen Beobachtungsstelle zufolge antisemitisch motivierte Handlungen zwischen 1999 und 2000 drastisch zu – um fast 70 Prozent.

Über 300 Vorfälle in Frankreich

In Frankreich wurden 2002 mehr als 300 rassistische, fremdenfeindliche oder antisemitische Vorfälle registriert, von denen jeder zweite gegen die jüdische Gemeinde gerichtet war. In dem Bericht ist die Rede von tätlichen Angriffen auf Juden, von Anschlägen auf Synagogen und jüdische Friedhöfe.

Auch in Belgien, den Niederlanden und Großbritannien wurde ein spürbarer Anstieg antisemitisch motivierter Delikte unterschiedlicher Schwere – von Brandbombenanschlägen auf jüdischen Besitz und tätliche Angriffe bis zu Beleidigungen, Wandschmierereien und die Verbreitung antisemitischer Inhalte über Internet-Seiten, registriert.

In Österreich wenig tätliche Angriffe

In Griechenland, Italien, Österreich und Spanien stellten die Experten wenige tätliche Angriffe fest. In diesen Ländern seien jedoch „unter der allgemeinen Bevölkerung antisemitische Aussagen von extremer Gehässigkeit im Alltag recht verbreitet”. In Österreich etwa sei Antisemitismus eher durch „verworrene und traditionell verwurzelte antisemitische Stereotype gekennzeichnet.”

Als Täter nennt der über 300 Seiten dicke Bericht zum einen Aktivisten der rechtsextremistischen Szene, einschließlich Skinhead- Gruppierungen. Als weitere Gruppe würden von den Opfern häufig „junge Moslems”, „Personen nordafrikanischer Abstammung” oder andere „Immigranten” genannt.

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