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Etikettenschwindel bei Gänsefleisch

Konsumenten sollten beim Gänsekauf verstärkt auf den Produzenten achten.
Konsumenten sollten beim Gänsekauf verstärkt auf den Produzenten achten. ©APA
Vier Pfoten will einen Fall von Konsumententäuschung aufgedeckt haben: Minderwertiges ungarisches Fleisch aus Stopfmast sei im Handel als österreichisches Qualitätsprodukt verkauft wurde.

Konkret fand Vier Pfoten derartige Schwindel-Produkte bei Wiener Einzelhändlern. Auf Anfrage hieß es, es handle sich um österreichische Produkte. Lieferant war in beiden Fällen der Wiener Großhändler Kriegler.

Auffallend fettes Fleisch

“Eine Mitarbeiterin von Kriegler hat uns dann bei unserem Einkauf im Hofladen sogar versichert, dass es sich um Fleisch der österreichischen Weidegans handelt”, so Nikola Furtenbach von der Tierschutzorganisation. “Das erschien uns insofern seltsam, als noch vereinzelt graue Federn am Fleisch zu sehen waren: Typischerweise werden Graugänse zur Stopfmast gezüchtet. Außerdem wies das Fleisch eine extrem dicke Fettschicht auf.”

Die entsprechenden Labortests mit insgesamt vier Fleischproben haben den Verdacht der Tierschützer schließlich bestätigt: Während im Normalfall Gänsefleisch einen Fettgehalt von zwischen 16 und höchstens 30 Prozent hat, lag er in den untersuchten Keulen zwischen 39,6 und 43,5 Prozent.

Stopfmast in Österreich verboten

Heimisches Gänsefleisch aus Stopfmast ist aufgrund des in Österreich geltenden Verbots praktisch aus dem Handel verschwunden. Allerdings ist der Verkauf von ausländischem, meist ungarischem Fleisch aus Stopfmast sehr wohl erlaubt.

“Das muss aber dann natürlich entsprechend gekennzeichnet werden”, sagt Nikola Furtenbach. Die  EWG-Nummer, die Aufschluss über die Herkunft tierischer Produkte geben sollte, sei in allen vier Proben österreichisch. Nur auf einer Keule habe es einen Hinweis gegeben, dass das Herkunftsland Ungarn ist. “Insofern handelt es sich eindeutig um Konsumententäuschung”, so die Expertin.

Fleisch minderwertiges Abfallprodukt

Die in manchen Ländern legale Stopfmast ist eine Methode, um Foie Gras (französisch für “fette Leber”) herzustellen. Die Tiere werden dafür zwei- bis dreimal am Tag zwangsgefüttert. Dabei wird ihnen durch ein Plastik- oder Gummirohr im Rachen große Mengen Maisbrei über ein Druckluftsystem in den Magen befördert. Mit der Zeit verfettet die Leber, vergrößert sich um das Zehnfache und erreicht ein Gewicht von bis zu einem Kilogramm. Am Ende der Mastzeit ist ihre Leber so groß, dass sie kaum atmen oder sich bewegen können.

Das Fleisch der Tiere ist bei der Stopfmast ein minderwertiges Abfallprodukt, da es lediglich um die Produktion von Fettleber geht.

Liste empfohlener Produzenten

Als Konsument sollte man sich über die sogenannte EWG-Nummer informieren, woher das Fleisch kommt. Diese Nummer gibt Auskunft über das Herkunftsland eines Produktes. Sie besteht aus einem Länderkürzel, einem Bundeslandkürzel und der Nummer des Betriebes. Jede Nummer endet auf EG für “Europäische Gemeinschaft”. Das österreichische Kürzel ist AT, die Bundesländer sind alphabethisch durchnummeriert.

Vier Pfoten hat für Konsumenten eine Liste ausländischer Gänseproduzenten aufgestellt, deren Produktion den Ansprüchen der Tierschutzorganisation genügt und auf Stopfmast verzichten. (VOL.AT)

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