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Essstörungen: Früherkennung und Erfassung

Feldkirch – Essstörungen bedürfen Einrichtungen zur Hilfe und Früherkennung. Jedoch stellt sich diese Situation problematisch dar, wie Alice Mansfield-Zech, Leiterin der Kontaktstelle bei Essstörungen, berichtet.
Kontaktstelle bei Essstörungen
Essstörungen: Kein Weg aus der Krise
Ausweg aus der Essstörung
Zu Besuch im Essstörungs-Zentrum

Erkrankungen wie Magersucht oder Bulimie sind tückisch, wenn es um Früherkennungen geht. „Leider sind besonders diese beiden Erkrankungen anfänglich schwer zu erkennen – besonders trügerisch ist die Bulimie, da man kaum etwas erkennen kann“, erklärt Alice Mansfield-Zech im VOL-Live-Interview. „Man kann erst mit Fortschreiten der Krankheit Anzeichen erkennen, wie ein extremer Gewichtsverlust innerhalb kurzer Zeit, angeschwollene Lymphdrüsen und ein aufgeschwemmtes Gesicht – wie es bei Bulimie der Fall ist“, führt die Expertin aus. Auch können Vernarbungen an den Händen oder ein verstärkter Haarwuchs beispielsweise an den Oberarmen festgestellt werden. Der seelische Zustand von Menschen mit Essstörungen kommt der einer Sackgasse gleich: „Es scheint keinen anderen Ausweg mehr zu geben.“ Es handelt sich um den nach außen gekehrten Ausdruck der Seele, ein sich verschließen vor Emotionen aus Angst keine Akzeptanz oder einfach der Welt zu entfliehen zu finden.

Neue Formen der Erkrankung

Magersucht (anorexia nervosa) und Bulimie treten nicht selten als Kombinationserkrankungen auf, wobei es auch neue Formen von Essstörungen gibt. „Zu beobachten ist die Erkrankung Orthorexia nervosa, welche relativ neu ist“, schildert die Leiterin der Kontaktstelle bei Essstörungen. Orthorexia nervosa beinhaltet die zwanghafte und möglichst ausschließliche Zuführung von ‚gesunden‘ Nahrungsmitteln. Menschen mit dieser Form der Essstörung verbringen oft Stunden mit Berechnungen über den Vitamin- und Nährwert diverser Lebensmittel. Dabei nehmen die vermeintlich ‚gesunden‘ Nahrungsmittel immer weiter zu und führen zu Unterernährung und Mangelerscheinungen. Manche Menschen entwickeln sogar Ängste vor gewissen Nahrungsmitteln und isolieren sich zunehmend. „Betroffene wollen dann beispielsweise nicht mehr zum Essen ausgehen, isolieren sich zunehmend“, so die Psychologin im VOL Live Interview.

Langwierige Prozesse bei Magersucht

Essstörungen dürfen in ihrer Behandlung und der Aufarbeitung der seelischen Belastungen nicht unterschätzt werden. Es kann zwar laut Alice Mansfield-Zech von einem Drittel an Spontanheilungen ausgegangen werden, jedoch führt besonders Magersucht immer noch zu häufig zum Tod der Betroffenen aufgrund von Organversagen.

„Es ist schwer abzuschätzen, wie die Entwicklung dieser Krankheit in Vorarlberg von sich geht. Man kann nicht sagen, ob die Zahlen der Erkrankungen in den letzten Jahren gestiegen sind, oder ob lediglich das Bewusstsein darüber größer geworden ist“, meint Alice Mansfield-Zech. Die Problematik ist auch dahin gehend, dass es kaum Zahlen zu Essstörungen gibt. Die Erkrankung ist sehr vielschichtig und daher können nur einzelne Komponenten ausgewertet werden. Auch handelt es sich um ein schambehaftetes Thema, über welches viele Menschen sehr lange schweigen.

Ursachen für die Essstörungen

Die Hintergründe für eine solche Erkrankung können sehr unterschiedlich sein. Ein Trauma kann beispielsweise genauso ein Auslöser für eine Essstörung sein, wie eine Pubertätskrise. „Man kann sicherlich nicht nur von einer Ursache ausgehen. Aber das Bild der Medien spielt in diesem Zusammenhang auch eine Rolle“, sagt die Expertin. Es geht im Wesentlichen um eine langsame Entwicklung oder etwas Unvorhersehbares, dass sich zu einer Endstation für die Betroffenen entwickelt. Diäten gelten als ‚Einstiegsdroge‘ in diesem Bereich, müssen jedoch nicht zwangsläufig in eine Erkrankung münden.

Weitere Informationen zur Krankheit:

Kontaktstelle bei Essstörungen im neuen Caritas Center in Feldkirch

Video: Interview mit Alice Mansfield-Zech, Kontaktstelle bei Essstörungen

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