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"Es war alles dabei, was zu einem Popstar gehört"

WANN & WO traf den sympathischen Künstler in der Dornbirner inatura.
WANN & WO traf den sympathischen Künstler in der Dornbirner inatura. ©MiK
Feldkirch - Mit dem 80er-Jahre Hit „Wunderwelt“ landete Klaus Pruenster einen Top-Hit – der W&W Sonntags-Talk mit dem Feldkircher Komponisten.

WANN & WO: Sie sind in Vorarlberg aufgewachsen. Hatten Sie eine schöne Kindheit?

Klaus Pruenster: Aufgewachsen bin ich in einer harmonischen Familie, mit drei Brüdern. Schon als Kind war mein Wunsch, Musiker zu werden sehr präsent. Die Vorarlberger Musikszene, mit Bands wie z.B. „Wanted“ war sehr wichtig für meine Entwicklung.

WANN & WO: Wie sind Sie mit der Musik in Kontakt gekommen?

Klaus Pruenster: Mein Vater spielte zwar Mundharmonika und Blockflöte, und meine Mutter sang im häuslichen Bereich. Ob mich das aber maßgeblich geprägt hat, kann ich nicht mit Sicherheit behaupten.

WANN & WO: Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Zeit im Bregenzer Konservatorium und dann im Landeskonservatorium Feldkirch?

Klaus Pruenster: Ich war im ersten Abschluss-Jahrgang des neu gegründeten Landeskonservatoriums in Feldkirch. Die Zeit war sehr prägend, die Kombination aus Lernen und dem Üben hat meinen Charakter geformt. Ich habe erfahren, dass man ohne harte Arbeit an sich selbst nicht weiterkommt. Ich habe mit zwölf Jahren als Autodidakt begonnen und mich später auch in vielen Bands engagiert. Ich kann mich noch gut an einen Auftritt auf dem damaligen Jagdberg Openair in der Formation „Eternal Dream“ erinnern. Gitarre, Mundharmonika, Gestell – klassisch im Stile eines Bob Dylans. Der Wunsch, Musik hauptberuflich zu machen, stand immer im Vordergrund. Meine „Exitstrategie“ bestand im Studium, als Lehrkraft, so kam ich dann auch nach Linz, wo ich am Gymnasium unterrichtet habe.

WANN & WO: Wieso folgte die Entscheidung für Ihren Umzug nach Linz und Ihre Professur an einem Musikgymnasium?

Klaus Pruenster: 1980 erhielt ich die Möglichkeit, im Rahmen der Ars Electronica bei einem internationalen Musikprojekt mitzuwirken. Zunächst wollte ich nur ein paar Monate bleiben, was auch ein Briefwechsel mit meinem Vater belegt, inzwischen ist Linz mein Lebensmittelpunkt geworden. Schade war es um meine Musik-Projekte in Vorarlberg. Zumal sich unser Proberaum damals in meinem Elternhaus befand. In Linz konnte ich mich einfach verwirklichen, da man mir die Möglichkeit gab, in einem Studio zu arbeiten, dass auf dem modernsten Stand der Technik war – gratis, dafür aber in der Nacht, wenn es leer stand. Dort habe ich auch zum ersten Mal mit Computer-Musik experimentiert. Der Grundstein für „Wunderwelten“ war gelegt.

WANN & WO: 1982 folgte ihre LP Zweisamkeit, mit dem Song „Wunderwelt“ gelang Ihnen ein Top-Hit im deutschsprachigen Raum. Was hat sich mit dem kommerziellen Erfolg für Sie verändert?

Klaus Pruenster: Zunächst stießen wir mit dem ausproduzierten Song auf Ablehnung von Seiten der Plattenfirmen. Bis auf eine, bei der damals auch Falco unter Vertrag stand. Der Song ist dann wie eine Rakete durch die Decke gegangen und hat mein weiteres Leben bestimmt. Ich habe mich auch eine Zeit lang wie ein Popstar fühlen dürfen, das handwerkliche Spiel war mir aber wichtiger und so zog ich mich 1985 aus diesem Bereich schon wieder zurück. Natürlich habe ich damals als junger, voll im Saft stehender Musiker, diese Zeit in vollen Zügen genossen. Es war alles dabei, was zum Popstar dazu gehört, so viel sei verraten (schmunzelt).

WANN & WO: Wie würden Sie die damalige Musiklandschaft, gerade auch in Österreich, beschreiben?

Klaus Pruenster: Eigentlich war ich gar nicht so ein großer Fan von dieser Dekade, weil viele Musiker, gerade im New Wave-Bereich, zum Zug kamen, die eigentlich gar nicht richtig spielen konnten. Wenn man damals ein zu langes Gitarrensolo gespielt hat, erhielt man zum Teil schräge Blicke. Auf der anderen Seite herrschte eine unglaubliche Aufbruchsstimmung mit österreichischen Musikern im Radio, auch mit deutschen Texten.

WANN & WO: Wieso haben Sie sich dann wieder vom Mainstream verabschiedet?

Klaus Pruenster: Ich wollte mich einfach musikalisch weiter entwickeln, das Spiel und Handwerk wieder in den Vordergrund rücken. Meine Texte wurden couragierter und auch engagierter wie z.B. bei „Planet Nr. 1“, anlässlich des Gipfeltreffens von Reagan und Gorbatschow in Genf. „Zeig mir den Weg zu den Sternen“ eröffnet mit den Zeilen „Das Land liegt am Boden“ und brachte mir sogar ein Auftrittsverbot einer politischen Partei ein. Trotzdem konnte ich endlich die Musik machen, die mir am Herzen lag. Vielen Fans war dieser Anspruch vielleicht zu hoch. Das war mir aber „wurscht“.

WANN & WO: 2015 setzten Sie mit „The Train“ ein imposantes Zeichen gegen Fremdenhass und Diskriminierung. Wie wichtig sind soziale und politische Inhalte in der Kunst?

Klaus Pruenster: Ich möchte keine Ratschläge geben. Viel lieber nehme ich als Mensch, der in diesen Zeiten lebt, Dinge auf, die ich thematisiere. Und die Flüchtlingskrise gehört da einfach dazu. Dieser Song ist eigentlich nur ein Aufzählen von Orten und Städten, diese Art des Textierens war mir neu. Der Auslöser für den Song war für mich eine Aussage, eines türkischen Politikers, der Frauen dazu riet, verhüllt und demütig mit den Augen nach unten zu gehen. Zuerst plante ich, das Lied „Istanbul“ zu nennen. Ich wollte dann aber nicht eine eigentlich liberale türkische Stadt verunglimpfen. Auch wollte ich den Rechten keine Plattform liefern, um so einen Song dann auch noch mitzugrölen.

WANN & WO: Es folgte der Schritt in die Komposition von Filmmusik. Worin liegt der Reiz in der Vertonung von Bewegtbild?

Klaus Pruenster: Die Arbeit an Filmen ist für einen Musiker eine neue Herausforderung. Spannend ist z.B. die Herausarbeitung verschiedener Charaktere. Natürlich hängt das Ganze auch vom Publikum ab, für wen das Produkt gemacht ist. Hier entscheidet letztlich die Quote. Das habe ich manchmal ganz gut getroffen, die Kompostion von Filmmusik wurde auch zu einem wichtigen wirtschaftlichen Standbein meines Schaffens.

WANN & WO: Wie würden Sie ihren Kunstbegriff definieren?

Klaus Pruenster: Mit dem Rückzug aus dem Populär-Bereich Mitte der 90er-Jahre habe ich mich persönlich der Kunst verschrieben. Dem Mainstream diente ich noch im Filmkompositionsbereich. Die höchste Form für mich selbst lag immer im Instrumentalbereich. Das tägliche Erforschen und ständige Dranbleiben beim Spielen eines Instruments ist für mich auch eine Art Lebensschule. Man bekommt sofort die „Rote Karte“, wenn man schlampig wird oder an Disziplin verliert. Da kann man auch niemandem die Schuld geben, außer sich selbst. Für mich war die Gitarre immer das Instrument mit dem meisten Sex-Appeal, das hat sich bis heute nicht geändert.

WANN & WO: Wie viel Vorarlberger steckt noch in Ihnen?

Klaus Pruenster: Ein richtiger Vorarl­berger wird immer ein richtiger Vorarlberger bleiben. Ich bin immer noch sehr eng verknüpft mit meiner Heimat. Zum Leben habe ich mir aber Linz auserkoren. Sprachlich habe ich mich aber nie ganz loslösen können, was ich aber sehr charmant finde.

WANN & WO: Was sind Ihre positiven, was Ihre negativen Eigenschaften?

Klaus Pruenster: Negativ fällt meiner Frau auf, dass ich oft zu viel mache und zu viel von mir und anderen verlange, auch mit einem Hang zur Kontrolle. Positiv an mir ist vielleicht meine Zielstrebigkeit. Ich versuche, mich auf die wichtigen Dinge zu fokussieren. Aktuell entdecke ich gerade wieder die Liebe zum Live-Spiel, die seit Jahren wieder neu entflammt ist.

WANN & WO: Mit „Timeless“ veröffentlichen Sie kürzlich nach mehrjähriger Abstinenz wieder eine neue Platte. Wohin geht die Reise des Musikers Klaus Pruenster?

Klaus Pruenster: Seit 1993 ist die Platte wieder das erste richtige Solo-Album, instrumental und mit meinem Gesang. Auf der Scheibe habe ich verschiedene Songs neu interpretiert, die mir persönlich viel bedeuten. Darunter auch „Streets of London“ als Duett mit Weltstar José Feliciano – eine ungekünstelte, uneitle Version eines zeitlosen Klassikers, einer heimlichen britischen Hymne.

WORDRAP

Kunst: Das Wichtigste im Leben. Musik: Mein Leben. Vorarlberg: Meine wirkliche Heimat. Linz: Mein Lebensmittelpunkt. Inspiration: Kann alles sein. Liebe: Die Kraft, aus der alles entsteht. Wunderwelt: Hat mein Leben verändert.

Zur Person: Klaus Pruenster

Geburtstag, Geburtsort: 26. Mai 1957 in Feldkirch Wohnort: Linz Beruf: Komponist, Gitarrist Familienstand: „Ehe ohne Ehering“ Hobbys: Sport, Musik als Beruf und Hobby

Timeless: Das neue Album von Klaus Pruenster

Mit dem Album „Timeless“ liefert er nun ein Werk ab, dass die beiden Elemente Vokalmusik und instrumentale Gitarrenkunst vereint. Bei den gesungenen Titeln verzichtet Klaus Pruenster erstmals auf Eigenkompositionen und widmet sich Popklassikern von zeitloser Eleganz in Originalsprache. Darunter befindet sich mit dem Song „Streets of London“ auch ein Duett mit Weltstar José Feliciano.

(WANN & WO)

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