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"Es tut weh, bis es vorbei ist"

Leben mit Alzheimerkranken. Alltag als Film. Norbert Schnetzer ist einer der Darsteller. Und mit Humor geht alles besser.

Norbert Schnetzer musste sich diese Weisheit nicht erst verinnerlichen. Er stammt aus einer „humorigen Familie“. Und er schätzt die Tugend, nicht alles so ernst zu sehen, wie es ist. Noch mehr, seit die Mutter an Alzheimer leidet. Dass er sich als gelernter geronto-psychiatrischer Krankenpfleger in der Materie auskennt, macht die Sache zwar etwas einfacher, aber emotional nicht unbedingt leichter. „Es tut weh, bis es vorbei ist“, muss auch Norbert Schnetzer, mittlerweile Pflegedirektor am LKH Rankweil, immer wieder einmal schmerzlich zur Kenntnis nehmen.

Die Realität gezeigt

Schon seit den Neunzigerjahren beschäftigt er sich mit diesem Thema. Er hat die Validation, eine auf demente Menschen abgestimmte Umgangsform, in Vorarlberg salonfähig gemacht und er ist jetzt gemeinsam mit der gesamten Familie in einem Film zu sehen, der anhand von fünf Fällen das Leben mit Alzheimerkranken darstellt. Die Idee zu dieser Doku kam vom Österreichischen Institut für Validation, bei dem Norbert Schnetzer ebenfalls mitarbeitet. Sich selbst in einem Film zu sehen kam ihm zwar „anfangs etwas komisch vor“. Inzwischen ist er froh, dass es einen solchen Streifen gibt. „Bisher standen nur Lehrfilme zur Verfügung. Und die waren eher etwas für Profis“, so Schnetzer.

In „Zurück zu einem unbekannten Anfang“ wird nämlich die Realität gezeigt. Die Schnetzers ließen sich auch nicht lange bitten, als um eine Teilnahme angefragt wurde. „Wir sind ja grundsätzlich unkompliziert“, sagt der Vater und der Schalk blitzt aus seinem jungenhaften Gesicht. Drei Tage lang begleitete ein Filmteam die Familie auf Schritt und Tritt durch den

Alltag. „Es war eine sehr interessante Zeit“, resümiert Norbert Schnetzer. Seine Frau und seine Schwägerin, die sich in der Betreuung der dementen Mutter abwechseln, haben das Interesse auch als Wertschätzung ihrer Arbeit empfunden.

Gefühle respektieren

Mit dem Endprodukt zeigt sich der Fachmann, der als Finanzbeamter nicht schon mit 24 unkündbar sein wollte und deshalb auf einen Sozialberuf umstieg, zufrieden. „Angehörige von Alzheimerpatienten finden sich hier wieder“, lautet seine Einschätzung. Und er muss es wissen. Luise war 75, als es anfing. Die Krankheit entwickelte sich langsam. „So konnten wir das Unabänderliche Schritt für Schritt bewältigen“, erzählt Schnetzer. Doch die Belastung ist allgegenwärtig. Der Sohn verhehlt nicht, dass ihm seine Mutter zuweilen „auf die Nerven geht“, wenn sie zum x-ten Mal in der Wohnung auftaucht. Aber er weiß, dass Diskussionen nichts nützen. Deshalb lässt er es. „Das Schwierigste ist, die Gefühle von dementen Menschen zu respektieren“, sagt er. Doch das könne man üben. „Mit dem Ehepartner zum Beispiel“, merkt Norbert Schnetzer mit schelmischem Lächeln an. Und schon fegt der Humor wieder alle Tristesse beiseite.

ZUR PERSON

Norbert Schnetzer

  • Geboren: 20. September 1960 in Klaus
  • Wohnort: Sulz, verheiratet, fünf Kinder
  • Beruf: Pflegedirektor
  • Hobbys: Laufen und ehrenamtliches Engagement
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