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"Es ist längst an der Zeit!"

Chronische Schmerzen können verschiedenste Ursachen haben und brauchen daher auch sehr individuelle Therapie- und Behandlungsansätze.
Chronische Schmerzen können verschiedenste Ursachen haben und brauchen daher auch sehr individuelle Therapie- und Behandlungsansätze. ©AP
Schwarzach - Schmerzpatientin Vanessa (43) kritisiert die entsprechende Versorgung in Vorarlberg. W&W fragte bei Patientenanwalt und Experten nach.

Durch die Folgen eines Unfalls leidet Vanessa aus Hohenems seit Jahren an chronischen Schmerzen. Schon der Weg zu einer Diagnose war sehr mühsam für die 43-Jährige, denn die Ärzte konnten die Ursache für ihre Schmerzen lange nicht ausmachen. „In Wangen ist eine Schmerzklinik und dort wurde festgestellt, dass ich an CPRS (Morbus Sudeck) leide. Ich habe starke Schmerzen an beiden Händen – 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Für die Behandlung brauche ich einen Schmerzkatheter, der ambulant überhaupt nicht gelegt werden darf. Auch gehört zur Therapie das intensive Beüben der Hände, was durch Ergotherapie und Lymphdrainage gewährleistet werden sollte“, erklärt Vanessa. „Ich finde, dass es längst an der Zeit ist, dass es in Vorarlberg auch eine Schmerzambulanz mit Betten, also eine Schmerzstation gibt. Dann müsste ich nicht ständig von Pontius zu Pilatus laufen.“

„Wichtiger Schritt“

Dr. Burkhard Walla, Vizepräsident der Vorarl berger Ärztekammer, sieht es etwas anders: „Mit dem Vorarl berger Schmerzboard am LKH Hohenems haben wir einen wichtigen Schritt in der Optimierung der Schmerztherapie gesetzt. Dabei handelt es sich um ein offenes Expertenforum, in dem der Patient durch seinen betreuenden Arzt vorgestellt und im Forum besprochen wird.“ Eine Möglichkeit zur stationären Aufnahme ist dadurch allerdings nicht gegeben (Anm. d. Red.) „Wir haben das Schmerzboard auch für den niedergelassenen Bereich geöffnet, um die Vernetzung der Ärzte zu stärken. Durch die vielen involviertenFachrichtungen bringt dies für die Schmerztherapie eine deutliche Qualitätssteigerung in Abklärung und Therapie“, sagt der Mediziner und fügt hinzu: „Da die Kapazitäten noch nicht erschöpft sind, ist aktuell kein weiterer Ausbau der Schmerzversorgung geplant. Dennoch wird man beobachten, wie sich die Anzahl an Fällen entwickeln wird. Sollten die Kapazitätsgrenzen erreicht werden, wird man natürlich über einen Ausbau nachdenken.“

„Eine Zumutung!“

Der Fall von Vanessa zeigt aber auch, dass es in diesem System Lücken gibt: „Über das Schmerzboard, in dem monatlich nur zwei Fälle behandelt werden können, wurde mir keine Behandlungsempfehlung gegeben. Auch wenn mir zu einer Therapie geraten würde, wüsste ich nicht, wo ich diese in Vorarlberg machen könnte. Wangen muss von der VGKK bewilligt wer

den, sonst gebe es aber in Zams und in Kärnten Therapiemöglichkeiten. In Zams bin ich mehrfach gewesen, jedoch ist die Klinik für Schmerztherapie alles andere als optimal. Und einem Vorarlberger Schmerzpatienten zu empfehlen, doch für eine Behandlung nach Kärnten zu fahren, finde ich gelinde gesagt eine Zumutung!“ Das sieht auch Oberarzt Dr. Wolfgang Jaksch von der österreichischen Schmerzgesellschaft so: „Wir weisen schon sehr lange auf diese Problematik hin. In Österreich leiden 1,5 Millionen Menschen an chronischen Schmerzen. In meiner Praxis in Wien habe ich schon Patienten aus Vorarlberg behandelt, die extra dafür in die Bundeshauptstadt gereist sind und sich für längere Behandlungen mitunter sogar in Wien einmieten.“ Vanessa ergänzt abschließend: „In Vorarlberg gibt es definitiv nichts Adäquates für chronische Schmerzpatienten.“

3 Fragen an Patientenanwalt Mag. Alexander Wolf

Wie werden die Schmerzpatienten in Vorarlberg versorgt? Während eines Krankenhausaufenthaltes steht einem Patienten der Schmerzdienst zur Verfügung. Orthopädische Patienten können die konservative Orthopädie in Anspruch nehmen. Auch die Palliativstation ist in die Schmerzbehandlung einer bestimmten Patientengruppe involviert. Wenn sich ein Patient im ambulanten Setting befindet, hat er keinen direkten Zugang zu einer entsprechenden Schmerztherapie. Diese Situation ist nicht optimal und nicht vergleichbar mit einer entsprechenden Schmerzambulanz.

Warum wäre so eine Einrichtung wichtig? Wenn die Empfehlung der behandelnden Ärzte nicht zielführend ist, was soll dann der Patient machen? In einer Schmerzambulanz würde er persönlich betreut, hätte einen Ansprechpartner und es würde in einer zeitlich vertretbaren Zeitspanne versucht, die entsprechende Therapie zu verordnen, sie zu adaptieren oder individuell auf Besonderheiten einzugehen.

Ist das Problem neu? Es ist der Patientenanwaltschaft schon seit Jahren bekannt. Erstmalig wurde im Jahresbericht 2009 darauf hingewiesen, dass nach unserer Meinung eine Schmerzambulanz in Vorarlberg benötigt wird. Es hat sich das Schmerzboard durchgesetzt, das aber nur als ein erster Schritt in die richtige Richtung gesehen werden kann.

„Erster Schritt für ein Schmerzversorgungskonzept“

Christian Bernhard, Gesundheitslandesrat: „Mit dem interdisziplinären Schmerzboard am LKH Hohenems, auch für die niedergelassene Ärzteschaft, wurde der erste Schritt für ein Schmerzversorgungskonzept gesetzt. In diesem Forum ist die Expertise der Fachdisziplinen Anästhesie und Intensivmedizin, Innere Medizin, Orthopädie, Psychosomatik, Neurochirurgie/Interventionelle Schmerztherapie, Neurologie und Psychiatrie vertreten. So sind eine genaue Aufarbeitung komplexer Fälle und eine zielgerichtete Behandlung gewährleistet.“

(WANN & WO)

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