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Es herrschte der Zufall

Als ein Wettstreit der Medien Musik, Sprache und Bild um die Aufmerksamkeit des Publikums entpuppte sich am Samstagabend Olga Neuwirths akustische Installation “...ce qui arrive...“ im Rahmen der Reihe "Kunst aus der Zeit“. 

Während der 56-minütigen Vorstellung wurden herkömmliche Genre-Grenzen auf eigentümliche und interessante Art überschritten. Das Publikum auf der Werkstattbühne quittierte das Experiment mit Applaus.

Im Zentrum der Bühne steht bei “…ce qui arrive…“ eine große Leinwand, auf der ein Film von Dominique Gonzalez-Foerster vorgeführt wird. Der Film zeigt ausschließlich eine vor der Meeresbrandung vor sich hin tänzelnde Frau. Die meiste Zeit über bleibt der Streifen mehr oder weniger stumm – seine musikalische Untermalung übernehmen die beiden schräg links und rechts von der Leinwand sitzenden Ensemble-Gruppen. Über Lautsprecher wird die Stimme des US-amerikanischen Kultautors Paul Auster eingespielt, der aus seinem Prosaband „The Red Notebook“ („Das rote Notizbuch“) vorliest.

Unter der musikalischen Leitung von Franck Ollu gelingt es dem hervorragenden Ensemble Modern zu jeder Zeit, den gezeigten Film lebendig zu halten. Mit erstaunlicher Präzision fangen die Künstler mit ihrer Musik die wechselnde Stimmung der Bilder ein und unterstreichen sie. Erst durch das überragend stimmige Zusammenspiel von Bild und den vom Ensemble Modern erzeugten Ton erhält die Frau im Film ihre Faszination. Was sie macht, ist belanglos. Aus den Augen lassen möchte man sie trotzdem nicht. Paul Auster ist beim Erzählen seiner Geschichten größtenteils zwar nur schwer verständlich (gewollt). Doch steht die Kraft seiner dunklen Stimme im Kontrast zu der leicht und schwerelos wirkenden Frau im Video und vermag so Spannung zu erzeugen.

In “…ce qui arrive…“ gibt es weder eine Handlung noch so etwas wie einen roten Faden. Es geht um den Zufall, wie schon die Geschichten aus dem „Red Notebook“, die um das Phänomen des Zufalls kreisen, signalisieren. Das Spektakel lebt von der immer wieder neu zu schaffenden Neugier. Den Betrachter und Zuhörer erwartungsfroh zu halten, gelingt den Großteil der akustischen Installation hindurch. Zeitweise verlangt “…ce qui arrive…“ aber auch fast zu viel. Es scheint, als ob die Frau auf der Leinwand, das Ensemble Modern und Auster um die Aufmerksamkeit des Publikums buhlen würden. Allen gleichzeitig zu folgen, gelingt jedoch auch mit einigem Bemühen nur selten.

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