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Erwartungen an Hilary Swank

Nach zwei Oscars liegt die Messlatte für Hilary Swank sehr hoch. Die Smarte Star-Schauspielerin ist auf dem Sprung zum großen, klassischen Frauenfach.

„Smart“ ist eines ihrer Lieblingsworte. Sie arbeitet gern mit Leuten zusammen, die smart sind. Sie beurteilt das Filmgeschäft als „smartes Business“. Sie lobt ihren neuesten Film mit überzeugendem Lächeln als „einfach smart“. Und keine Sekunde kommt im Interview ein Zweifel daran auf, dass vor allem sie selbst, Hilary Swank, ein wirklich smartes Mädchen ist.

In der Tat, die US-amerikanische Schauspielerin, die jetzt mit dem Grusel-Thriller „The Reaping – Die Boten der Apokalypse“ ins Kino kommt, hat mit 32 Jahren eine erstaunliche Karriere hinter sich. Aus dem Nichts kam vor sieben Jahren der erste Oscar. In dem kleinen Independent-Film „Boys Don’t Cry“ spielte sie einen Transsexuellen, eine junge Frau, die sich lieber als Mann verprügeln lässt, als mit den Typen zu flirten. Vier Jahre später der nächste Triumph, der nächste Oscar für „Million Dollar Baby“ von Clint Eastwood – wieder eine extreme Rolle. Als ehrgeizige Boxerin, die durch einen Unfall querschnittsgelähmt ist und nur noch sterben möchte, geht die zierliche Schönheit körperlich und psychisch an ihre Grenzen.

Heute nennt sie ihre Auszeichnungen lässig „meine reisenden Oscars“, weil die Goldburschen immer zwischen ihrem eigenen Haus, ihrer Mutter und ihrem Agenten hin- und herziehen. Doch problematischer als der Aufenthaltsort der Trophäen war für sie, ihren eigenen Platz in der Filmbranche zu finden. „Ich habe danach eine Menge Angebote bekommen. Das ist natürlich das Beste überhaupt für eine Schauspielerin“, sagt sie und hält festen Blickkontakt mit ihrem Gegenüber.

Indirekt macht sie dann keinen Hehl aus der Tatsache, dass es nicht einfach ist weiterzumachen, wenn die Messlatte so früh so hoch gelegt ist. Nicht immer sind die Angebote so „smart“ wie erhofft. „Doch was mir wirklich Angst macht, ist die Frage, ob ich einen Charakter glaubwürdig machen kann oder nicht“, sagt sie mit deutlich leiserer Stimme als zuvor. „Das bereitet mir schlaflose Nächte.“

Auf „Million Dollar Baby“ folgte die Hauptrolle in „Freedom Writers“, in dem Swank – betont unattraktiv im biederen Kostüm – eine Lehrerin spielt, die ihren Schülern eine politische Toleranz-Lektion fürs Leben erteilt. In „The Reaping“, einer gut gemachten und spannenden Produktion im Horror-Genre, tritt sie als kühl analysierende Wunder-Forscherin auf und entlarvt religiösen Humbug – bis sie auf ein wirklich übersinnliches Phänomen trifft, das ihr vor allem Glauben, Gefühle und Intuition abverlangt.

Doch Swank, die vor lang vergangener Zeit mit ihrer Mutter in Los Angeles im alten Auto campierte, um Castings zu besuchen, hat eigentlich andere Pläne. Nach der Trennung von Ehemann Chad Lowe drehte sie zunächst die romantische Komödie „P.S. I Love You“. Jüngst meldete das Fachblatt „Variety“, dass sie die Rechte an einem US-Remake des französischen Films „Intime Fremde“ von Patrice Leconte erworben habe. Als Produzentin werde sie sich selbst in der weiblichen Hauptrolle besetzen als unglückliche Ehefrau, die das Büro eines Psychiaters mit dem eines Steuerberaters verwechselt und gleichwohl zu dem fremden Herrn eine seltsame Beziehung voller verwirrender erotischer Geständnisse aufbaut.

Nach den Oscars fürs Extreme ist Swank auf dem Sprung zu großen, klassischen Frauenrollen. Dass sie das mit Sportsgeist angeht, ist klar. Als Mädchen betrieb sie intensiv Wettkampfgymnastik. „Aber meine Mutter meinte immer, ich sähe mit meinen langen Armen so aus, als würde ich mich verknoten.“ Sie wechselte zum Schwimmen und brachte es mit ihren Knotenarmen über 100 Meter Rücken zu den Junior Olympics. „Und jetzt schauen Sie mir hier auch nur auf die Arme, das hätte ich nicht erzählen dürfen!“, lacht sie laut im Interview, verschränkt im Designerkleid die schmalen Glieder hinter dem Rücken und hat alle Herzen auf ihrer Seite. Wirklich smart, diese Frau.

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