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1500 (!) Fans! Nach Elferkrimi jubelt FC Lustenau zum vierten Mal

©Oliver Lerch
18 (!) Strafstöße waren im 45. Uniqa VFV Cupfinale notwendig um zwischen FC Lustenau 1907 und FC Egg den neun Pokalsieger zu ermitteln.
Bilder FC Lustenau vs FC Egg
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20 verschiedene Klubs konnten sich bislang in die Siegerliste des Vorarlberger Fußballcups eintragen.

Liveticker mit allen Fotos, Daten, Videos vom Cupfinale Egg vs FCL

Fußball

45. Uniqa VFV-Cup Herren, Finale

FC Brauerei Egg – FC Lustenau 1907 6:7 i.E/1:1 (1:1)

Stadion Herrenried, 1500 Zuschauer, SR Felix Ouschan (V)

Torfolge: 14. 0:1 Johannes Giselbrecht, 28. 1:1 Marius Metzler (Kopfball)

Elfmeterfolge: 1:0 Rafhael Domingues, 1:1 Harun Erbek, 2:1 Alexander Petkovic, 2:2 Luca Hollenstein, 3:2 Elias Meusburger, 3:3 Simon Grabherr, 4:3 Fabian Fetz, 4:4 Batuhan Karakas, 5:4 Murad Gerdi, 5:5 Valendin Alexandru Asiu, 5:5 Jonas Köb/Klaus Mendes hält, 5:5 Moritz Beck/Fabian Fetz hält, 6:5 Patrick Meusburger, 6:6 Elias Jonach, 6:6 Simon Lang/Querlattenkracher, 6:6 Ismet Güler verschießt, 6:6 Fabian Lang verschießt, 6:7 Christoph Kobleder

Gelbe Karten: 46. Jonach, 60. Simon Häfele (beide FC Lustenau/beide Foulspiel), 68. Simon Lang (Egg/Foulspiel), 84. Simon Grabherr (FCL/Foulspiel)

FC Brauerei Egg (3-5-2): Fetz; Petkovic, Gerdi, Köb; Sutterlüty, Marius Metzler (71. Patrick Meusburger), Simon Lang, Olsen, Elias Meusburger; Wirth (66. Fabian Lang), Domingues

FC Lustenau 1907 (4-2-3-1): Klaus Mendes; Asiu, Kobleder, Luca Hollenstein, Beck; Güler, Jonach; Simon Häfele (67. Luis Paul Bösch), Batuhan Karakas, Harun Erbek; Johannes Giselbrecht (66. Simon Grabherr)

1500 (!) Fans im Herrenried außer Rand und Band! FC Lustenau jubelt über den vierten VFV Cupsieg

Der 18te Elfmeter brachte für den FC Lustenau die Entscheidung. 7:6-Erfolg im Elferkrimi des ältesten Fußballklub Vorarlbergs gegen FC Egg. 

In der fast 50-jährigen Geschichte des Vorarlberger Fußballcups wurde das Endspiel erstmals mit einer fünfzehnminütigen Verspätung von Schiedsrichter Felix Ouschan angepfiffen. Der Zuschauerandrang der beiden Finalisten war enorm groß, sodass das Highlight zum Saisonabschluss im heimischen Pokalbewerb nicht zum ursprünglichen Zeitpunkt begonnen hat. 1500 (!) Anhänger so viele Zuschauer wie schon seit vielen Jahrzenten nicht mehr, darunter fast tausend Schlachtenbummler vom ältesten Fußballklub Vorarlbergs dem FC Lustenau und mit mehreren hundert Fans vom Wälderklub FC Egg mit den ehrwürdigen Kuhglocken ausgestattet pilgerten ins Hohenemser Herrenriedstadion und machten eine Megastimmung.

Das Herrenried glich einem Tollhaus und große Erinnerungen wurden wach, als der FC Lustenau Anfang dieses Jahrhundert im Profifußball mit dem treuen Publikum und sportliche Glanzzeiten erlebte. Nach der achtmonatigen Zwangspause der weltweiten Gesundheitskrise war der Showdwon in der Grafenstadt ein wahres riesengroßes Fest für den Vorarlberger Amateurfußball. Das macht Appetit und Lust auf mehr, die neue Saison im Ländle-Unterhaus steht schon in den Startlöchern. Die Protagonisten auf dem Spielfeld sorgten für eine abwechslungsreiche und äußerst spannende Begegnung. An der Spielcharakteristik änderte sich während der gesamten Spielzeit nichts.

Viele erbitterte Zweikämpfe im Mittelfeld, die beiden Abwehrreihen standen fast immer sattelfest und Torchancen auf beiden Seiten waren Mangelware. FCL-Stürmer Johannes Giselbrecht brachte den FCL nach einem tollen Zuspiel von Harun Erbek in Führung (14.). Egg Eigenbau Marius Metzler machte mit einem wuchtigen Kopfball aus elf Metern den Rückstand aber bald wieder wett (28.). Ein Tor von Harun Erbek wurde wegen Foulspiel nicht anerkannt (18.). Die logische Folge nach der regulären Spielzeit stand es 1:1-Unentschieden, das Finale wurde im Elfmeterschießen entschieden. Nach 1994, 2000 und 2001 kürt sich der FC Lustenau zum vierten Mal in der langen Klubgeschichte zum frischgebackenen Cupsieger. Zwei Jahrzehnte nach dem letzten Pokaltriumph jubelte der FC Lustenau wieder. Damit zog der FC Lustenau mit dem Lustenauer Ortsrivalen in der ewigen Statistik der Cupsieger gleich. Erst der 18. Strafstoß entschied die Partie zugunsten der „Blauen“ aus der Stickereigemeinde. Ausgerechnet der starke Innenverteidiger Christoph Kobleder knallte den Ball zum vielumjubelten 7:6-Erfolg im Penaltyschießen ins gegnerische Tor. Beim FC Lustenau konnten Moritz Beck und Ismet Güler ihre Strafstöße nicht verwerten, aber das hatte keine negativen Auswirkungen. Der Jubel kannte danach im Lager des ältesten Fußballklubs keine Grenzen.

Hunderte Fans stürmten das Spielfeld und feierten mit den neuen Helden. „Es war ein Spiel auf Augenhöhe mit einem glücklichen Sieg für meine Mannschaft. Die mentale Stärke gab letztendlich den Ausschlag. Ich bin richtig stolz auf meine Truppe. Ein Traum ging in Erfüllung“, sagt FC Lustenau Trainer Philipp Hagspiel. Schon im zweiten Bewerbsspiel unter seiner Ära als Übungsleiter durfte er einen großen Erfolg einfahren. „Hagi“ spielte vor vielen Saisonen sehr erfolgreich für zwei Jahre in Egg (2012 – 2014) und hat gegen seinen Exklub nun einen historischen Triumph feiern dürfen. „Das war eine auf taktisch und kämpferisch hohem Niveau stehenden Endspiel. Um jeden Zentimeter wurde gekämpft. Wir haben die Sternstunde hart erkämpt aber auch redlich verdient“, sagt FC Lustenau Urgestein Harun Erbek. Neben einer Siegprämie von 3000 Euro darf der frischgebackene Cupsieger nun im ÖFB Cup beim Regionalliga Mitte Klub Gurten in Oberösterreich ran. Schönes Abschiedsgeschenk der drei scheidenden FCL-Akteure Christoph Kobleder, Ismet Güler und Batuhan Karakas, welche ab Sommer in Lauterach spielen. Des einen Freud ist des anderen Leid. Nichts wurde es mit der so erhofften Krönung für den FC Egg. Der erste Cupsieg des Traditionsverein blieb mit viel Pech unbelohnt. Vor allem Kapitän Elias Meusburger vergab in der Schlussphase den Matchball, als er in aussichtsreicher Position den Ball übers Gehäuse setzte (86.). Als bester Spieler des Finales wurde Mittelfeldakteur Clemens Olsen ausgezeichnet.

Die Unglücksraben im Penaltyschießen waren die Egg Eigenbauspieler Jonas Köb, Simon Lang und Fabian Lang. Für Egg Leitfigur Murad Gerdi war es nach den Finalniederlagen mit Hard und Austria Lustenau und nun mit Egg schon die dritte Pleite. Als Trostpflaster gab es eine Finalprämie von 1500 Euro und der Aufstieg in die VN.at Eliteliga Vorarlberg. Damit konnte sich in der 45-jährigen Statistik der VFV Cupsieger noch kein Verein aus dem Bregenzerwald den Pokal am Ende in die Höhe stemmen.         

Während der Neo VN.at Eliteligaklub Vorarlberg FC Brauerei Egg überhaupt das erste Mal in der langen Vereinsgeschichte im Endspiel heute (19 Uhr) steht, hat der älteste Fußballklub Vorarlbergs FC Lustenau in drei der bisherigen vier Finalteilnahmen den begehrten Pokal in die Höhe stemmen dürfen.

Beim letzten Endspiel im heimischen Pokalbewerb hat FC Lustenau gegen Koblach vor sechzehn Jahren (2005) knapp 1:2 verloren. Der FC Lustenau könnte mit dem Lustenauer Ortsrivalen Austria Lustenau mit einem vierten Cupsieg gleichziehen. Exakt zwanzig Jahre, sprich zwei Jahrzehnte liegt der letzte Cuptriumph des FC Lustenau schon zurück. Der FC Egg wäre der 21 Vorarlberger Klub, der sich in die Geschichtsbücher eintragen würde. Noch kein Wälderklub gelang der VFV-Cupsieg.

Aus dem Bregenzerwald standen mit Bizau (2010-0:1 gegen SW Bregenz) und Sulzberg (2007- 0:1 gegen Feldkirch) erst zwei Vereine aus dieser Region in einem Cupfinale, aber verloren äußerst knapp. Nach dem Aufstieg in die neue elf Manschaften umfassende VN.at Eliteliga Vorarlberg will sich Egg natürlich mit dem Cupsieg das Sahnehäubchen zum Saisonabschluss aufsetzen und der Pokalerfolg soll als Krönung nun folgen.

In der Meisterschaft gab es im Duell in der Vorarlbergliga einen knappen 3:2-Heimsieg von Egg gegen FC Lustenau (31.10.2020) und ein 2:2-Remis (7.9.2019).

Egg hat in der Vorarlbergligasaison 2020/2021 als Zweiter hinter Admira Dornbirn mit 33 Punkten fast doppelt soviel auf dem Konto als Finalgegner FC Lustenau als Siebenter der VL-Tabelle mit 18 Zählern.

„Das Finale wird im Momentum entschieden. Die Mannschaft die das nötige Glück auf ihre Seite erzwingen kann wird als Sieger vom Platz gehen. Ein Spiel von zwei ausgeglichenen Teams mit viel Qualitat auf beiden Seiten. FC Lustenau ist eine junge, hungrige topmotivierte Mannschaft aber wir und der gesamte Klub sind auch heiß und die große Freude überwiegt“, sagt FC Egg Trainer Denis Sonderegger. Der 29-jährige Schweizer nimmt zum letzten Mal auf der Betreuerbank der Wälder Platz und will sich mit einem historischen Erfolg von Aufstieg in die Eliteliga und dem Cupsieg vom Traditionsverein Egg verabschieden. Egg-Kapitän Elias Meusburger wechselt im Sommer nach Bizau und trug die letzten 15 Saisonen das Dress in der Egger Junkerau. Mit Verteidiger Alexandar Petkovic (25) gibt es in Egg auch einen Kicker, der mit dem FC Dornbirn (2014-4:3 gegen Hohenems) schon einem Cupsieger wurde. „Wir wollen den Pokal in die Junkerau bringen, aber es muss für 90 Minuten eine konzentrierte Leistung her um die Krönung zu bewerkstelligen“, sagt Petkovic.

Sein Mitspieler Murad Gerdi stand als Aktiver mit Hard und Austria Lustenau im Cupfinale, aber hat immer verloren. Jetzt soll es für den 35-jährigen Leistungsträger und Standardspezialist im dritten Anlauf klappen. Routinier und Mittelfeldspieler Patrick Meusburger (36) fehlt urlaubsbedingt. Gut möglich, dass Marcel Meusburger, Rene Wirth und Klemens Metzler nach ihren Verletzungen ins Aufgebot, vielleicht in die Startelf von Egg zurückkehren.

Schon in seinem zweiten Cupspiel könnte sich Neo FC Lustenau Trainer Philipp Hagspiel (41), hat das Amt von Philipp Eisele übernommen, zum Champion küren. „Fußballerisch ist meine Mannschaft einwenig besser besetzt als der starke Gegner. Es werden aber Kleinigkeiten in so einem wichtigen Spiel entscheiden. Das Endspiel hat zudem ein eigenes Gesetz. Es wird ein Spiel auf Augenhöhe“, so Philipp Hagspiel.

Natürlich hätte der Cuperfolg als Trainer von FC Lustenau für „Hagi“ eine sehr große Bedeutung. „Nach so einer langen Durststrecke den Ex-Profiklub wieder zu einem großartigen Triumph zu führen wäre einfach ein Traum“. Eine besondere Brisanz gibt es zusätzlich, weil Hagspiel von 2012 bis 2014, also zwei Saisonen das Dress von FC Egg trug und mit dem Wälderklub einmal Vizemeister in der Vorarlbergliga und einem Sechster wurde. Damals spielte er in Egg mit Goalie Fabian Fetz, Marcel Meusburger und Elias Meusburger noch zusammen, heute sind sie Konkurrenten. Hagspiel wurde als Aktiver mit Altach (2001-3:0 Ludesch) und Austria Lustenau (1998-5:4 gegen FC Lustenau) zweimal Cupsieger. Sechs Jahre (2005-2011) schnürte Hagspiel beim FC Lustenau in der Profimannschaft die Schuhe und war dann auch von 2014 bis 2017 als Aktiver im Stadion an der Holzstraße tätig.

Fast zweihundert Meisterschaftsspiele bestritt Hagspiel für den FC Lustenau. Noch kein Spieler von der jetzigen FC Lustenau Elf hat die Pokaltrophae in die Höhe stemmen dürfen. „Wir haben eine große Chance und die gilt es auch zu nützen. Beide Finalisten sind sich ebenbürtig“, sagt FC Lustenau Spieler Harun Erbek (35). Mit Wiener Neustadt (2. Liga), FC Lustenau (Regionalliga) und Wolfurt (Vorarlbergliga) wurde Harun Erbek schon Meister aber ein Cupsieg fehlt dem gefährlichen Standardspezialist noch in der Sammlung.

Zum letzten Mal im FCL-Dress auflaufen wird das Trio Christoph Kobleder (31), Ismet Güler (21) und Batuhan Karakas (22), die dann alle nach Lauterach wechseln.

Mit Standardkeeper Noah Küng (Finger), Michael Grabherr (Kreuzband), Max König (Knie) und Hüseyin Zengin (berufliche Gründe) fehlen dem FC Lustenau wichtige Stützen. Die große Anhängerschar von FC Lustenau wird mit maximal 800 Fans ins Stadion Herrenried pilgern und ihre Lieblingsmannschaft wollen sie zu neuen Cuphelden tragen. Aber auch mehrere hundert Schlachtenbummler aus Egg haben ihr Kommen fix zugesagt. Ein Fußballfest abseits und auch hoffentlich auf dem Spielfeld wird erwartet.

 

Fußball

45. Uniqa VFV-Cup Herren, Finale

FC Brauerei Egg – FC Lustenau 1907 6.7 i.E/1:1 (1:1)

Stadion Herrenried, 19 Uhr, SR Felix Ouschan (V)

mögliche Aufstellungen

FC Brauerei Egg (3-5-2): Fetz; Petkovic, Gerdi, Köb; Sutterlüty, Marcel Meusburger, Simon Lang, Olsen, Elias Meusburger; Fabian Lang, Domingues

FC Lustenau 1907 (4-2-3-1): Klaus Mendes; Asiu, Kobleder, Luca Hollenstein, Beck; Güler, Jonach; Simon Grabherr, Batuhan Karakas, Harun Erbek; Johannes Giselbrecht

Ehrentafel der Sieger im VFV-Cup seit 1976/1977

Sechs Titel: SC Rheindorf Altach: 1987, 1988, 1993, 2002, 2003, 2013; FC Dornbirn: 2011, 2012, 2014, 2015, 2016, 2019;

Fünf Titel: VfB Hohenems: 1989, 1991, 1996, 2004, 2017;

Vier Titel: SC Austria Lustenau: 1978, 1980, 1983, 1999;

Drei Titel: Viktoria Bregenz: 1985, 1986, 2009; FC Lustenau 1907: 1994, 2000, 2001;

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