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Erster Dopingfall

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat im ersten Doping-Fall der Winterspiele in Salt Lake City mit einmaliger Härte reagiert.

Wie IOC-Generaldirektor Francois Carrard am Montagabend in Salt Lake City mitteilte, hat ein Mitglied der weißrussischen Mannschaft einen Doping-Test verweigert. Dies wird als Doping-Vergehen gewertet. Daraufhin wurde nicht nur die Sportlerin, sondern auch der Chef de Mission Weißrusslands, Jaroslaw Barischko, von den Winterspielen suspendiert sowie das Nationale Olympische Komitee (NOK) des Landes bestraft. Beide „Sünder“, deren Namen nicht bekannt gegeben wurden, sind aus dem olympischen Dorf geflüchtet.

“Die Entscheidung der Exekutive zeigt: Wir lassen nicht mit uns spielen”, kommentierte der deutsche IOC-Vizepräsident Thomas Bach den Beschluss. Man habe auch erwogen, das ganze NOK Weißrusslands von den Winterspielen auszuschließen. Man habe aber davon Abstand genommen, um “Sportler nicht zu treffen”.

Der weißrussische Funktionär habe seinem Athleten geholfen, nicht zu einer vom IOC angeordneten Doping-Kontrolle zu erscheinen, hieß es weiter in Salt Lake City. Außerdem hat das IOC-Exekutivkomitee dem NOK von Weißrussland als Strafe bis zum Ende des Jahres finanzielle Zuwendungen in Höhe von rund 120.000 Dollar (137.852 Euro/1,9 Mill. S) gestrichen. Eine in der olympischen Geschichte bislang einmalige Sanktion wegen eines Doping-Verstoßes. Bis zum Montagabend konnte der Mannschaft die Information darüber nicht zugesandt werden, weil das Fax abgestellt war.

Der Doping-Test war vom IOC verlangt worden, weil eine in Salt Lake City genommene Urin-Probe der zunächst ungenannten Sportlerin, bei der es sich dem Vernehmen nach um eine Shorttrackerin handelt, nach einem Wettkampf positiv auf das anabole Steroid Nandrolon analysiert worden war. Der Anabolika-Wert war nach IOC-Angaben 380 Mal höher als erlaubt.

Allerdings konnte diese Doping-Kontrolle nicht als positiv gewertet werden, weil die Kiste mit dem Urin-Fläschchen der Athletin nicht vorschriftsmäßig versiegelt im Analyselabor eingetroffen war. Die Probe war laut Carrard korrekt versiegelt von den Kontrolleuren auf den Weg gebracht worden. Doch ein Kurier öffnete das Kästchen noch einmal, um ein vergessenes Formular nachträglich hineinzulegen. Dabei vergaß er, es ordnungsgemäß wieder mit einem Siegel zu versehen. “Die IOC-Exekutive ist nicht glücklich über die Sache, musste sich aber an seine Regeln halten”, erklärte Carrard.

Um die Sportlerin dennoch nicht entwischen zu lassen, war für Montag eine weitere Kontrolle verfügt worden. Doch weder die Athletin noch Barischko erschienen. „Deshalb müssen wir davon ausgehen, dass der Chef de Mission dem Sportler geholfen hat, diesen Test zu vermeiden“, so Carrard. Eine weitere Kontrolle werde es wahrscheinlich nicht geben. Von den Sanktionen sind die anderen Olympia-Starter aus Weißrussland nicht betroffen.

Während der Winterspiele sind bereits 1000 Doping-Tests durchgeführt worden, davon rund 300 nach Wettkämpfen, teilte Patrick Schamasch, Direktor der Medizinischen Kommission des IOC, mit. Keine dieser Kontrollen sei positiv gewesen. Allein sieben Proben hätten erhöhte Werte gezeigt, die aber von Athleten stammen, die aus therapeutischen Gründen genehmigte Medikamente gegen Asthma nehmen. Auch die 1.082 Tests, die vor Olympia durchgeführt worden waren, hätten negative Resultate ergeben.

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