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Erneut schweres Erdbeben in Afghanistan

Nur kurze Zeit nach dem verheerenden Erdbeben in Nordafghanistan hat es am Freitag bei einem erneuten Beben in der Region mindestens 27 Tote gegeben.

Mehr als 120 Menschen wurden nach vorläufigen UNO-Angaben verletzt.

Am schlimmsten betroffen waren offenbar zwei Dörfer in der Provinz Baghlan, die schon von dem schweren Erdbeben am 25. März heimgesucht wurden. Allein im Dorf Doabi seien 27 Tote und 120 Verletzte gezählt worden, sagte eine UNO-Sprecherin in Kabul. Doabi liegt etwa 30 Kilometer südlich der 20.000 Einwohner zählenden Stadt Nahrin, die bei dem Märzbeben zerstört worden war. Damals kamen etwa 800 Menschen ums Leben, tausende wurden obdachlos.

Neben Doabi schien das Dorf Chodscha Cheder in dem unzugänglichen Berggebiet am stärksten gelitten zuhaben. Zwischen den beiden Ortschaften sei eine Schlucht eingestürzt, sagte die UNO-Sprecherin Rebecca Vetharanian Richards.

Das Unglück ereignete sich gegen 10.05 Uhr Ortszeit (6.05 Uhr MESZ). Da die meisten Menschen zu dieser Zeit ihrer Arbeit nachgingen und außer Haus waren, hofft die Unterstützungsmission der Vereinten Nationen für Afghanistan (UNAMA), dass die Auswirkungen weniger stark als bei dem Märzbeben sein werden. Dieses hatte sich am Abend ereignet, als viele Familien ihr Essen in den Häusern einnahmen. Nach UNAMA-Angaben ist die betroffene Region zudem nur dünn besiedelt.

Laut UNAMA-Koordinator Peter Maxwell gibt es in der Provinzhauptstadt Pol-i-Chomri ein Lager des UNO-Flüchtlingshilfswerks; viele andere Hilfsorgansationen seien zudem seit dem vorigen Beben noch in Nahrin präsent. Weil die Erdstöße zudem flach verlaufen seien, bestehe die Hoffnung, dass es weniger Schäden verursacht haben könnte als ein potenziell gefährlicheres tiefes Beben. „Wenn sich die Annahme bestätigt, dass die Schäden nur gering sind, könnten die vorhandenen Hilfskapazitäten ausreichen“, sagte er.

Das Straßburger Erdbeben-Beobachtungszentrum gab die Stärke des Erdbebens mit 5,8 auf der Richter-Skala an; pakistanische Seismologen sprachen von einem Beben der Stärke 5,6. Das Beben im März hatte eine Stärke von 6,0.

Das Erdbeben am Freitag war das dritte in diesem Jahr in Nordafghanistan. Schwere Erdstöße sind in der Region nicht selten:
1998 kamen wahrscheinlich mehr als 9.000 Menschen bei zwei Beben in der Provinz Badakschan ums Leben. Die meisten Häuser in der von Armut geprägten Region sind ohne solide Fundamente aus Lehmziegeln errichtet und können den Erschütterungen nicht standhalten.

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