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Ermittlungen gegen Walter Mayer

Die italienische Justiz hat am Rande der Olympischen Winterspiele offiziell Ermittlungen gegen den Sportlichen Leiter der österreichischen Biathleten und Langläufer eingeleitet. Das ÖOC übte Kritik am Vorgehen.

Die Jagd auf Dopingsünder hat bei den Winterspielen von Turin eine neue Dimension erreicht. In einer “zwischen Internationalem Olympischem Komitee und den italienischen Behörden abgestimmten Aktion”, so IOC-Pressechefin Giselle Davies, waren am Samstagabend Razzien in zwei Privatquartieren des österreichischen Teams vorgenommen worden. Einiges deutet auf einen größeren Skandal hin, in dessen Mittelpunkt “Blutbeutel-Coach” Walter Mayer steht, der vom IOC von allen Spielen bis 2010 verbannt wurde, aber “privat” in der Nähe von Turin das Team trotzdem betreut. Während der Razzia der 30 Carabinieri in San Sicario soll ein Betreuer oder Athlet laut der Zeitung Gazzetta dello Sport noch versucht haben, Belastungsmaterial zu “entsorgen”. Die Person habe einen Beutel aus dem Fenster geworfen, in dem sich “Spritzen und Substanzen” befunden haben sollen. Die Polizei habe den Beutel beschlagnahmt. Die Aktion hatte gegen 19.00 Uhr begonnen und dauerte bis 02.00 Uhr am Sonntagmorgen.

Vier Biathleten und sechs Langläufer, von denen vier am nächsten Morgen zur Staffel antraten, mussten sich Urintests unterziehen, die im IOC-Auftrag durchgeführt wurden und deren Ergebnisse bis Dienstag erwartet werden. Man habe wegen des Wettkampfes auf Bluttests verzichtet, sagte der Schwede Arne Ljungqvist als Chef der Medizinischen Kommission des IOC.

Die Zielfahndung nach dem Hauptverdächtigen Walter Mayer, dem Sportlichen Leiter des Österreichischen Skiverbandes ÖSV, blieb allerdings erfolglos. Die Staatsanwaltschaft leitete am Sonntag offiziell Ermittlungen gegen den 48-Jährigen ein, der sich nur privat bei den Winterspielen aufhält. Das IOC präsentierte aber am Sonntag im Hauptpressezentrum eine ÖSV-Postkarte, auf der Mayer als Mitglied des Biathlon-Olympiateams 2006 vorgestellt wird. Ljungqvist bezeichnete dies als “Verstoß gegen den olympischen Geist”, auch wenn keine Regelverletzung durch das NOK vorliegt. Ende Januar waren Kontrolleure der Welt-Antidoping-Agentur WADA in einem Privathaus der Familie Mayer in Ramsau aufgetaucht. Ihnen soll zuerst der Zutritt verweigert worden sein, ehe sie Dopingtests vornehmen konnten. Dabei habe man “ähnliche Ausrüstungen wie 2002 in Salt Lake City vorgefunden”, berichtete Ljungqvist. Von der WADA sei auch der Hinweis gekommen, dass sich Mayer in den ÖSV-Quartieren von Pragelato und San Sicario aufhalte. Das IOC habe dann in der gemeinsamen Antidoping-Task-Force die italienische Seite über die geplanten Dopingtests informiert. “Die Durchsuchung der Quartiere hat das IOC nicht beantragt, das war allein Sache der Behörden”, stellte Ljungqvist klar.

Alle zehn Athleten hätten sich bei der Dopingkontrolle “sehr kooperativ” gezeigt und sich in keiner Weise beschwert, sagte der Schwede. Dem widersprach Staffel-Startläufer Martin Tauber: “Noch um drei Uhr morgens musste ich ein Protokoll unterschreiben. Vor dem Rennen habe ich keine Sekunde geschlafen. Sie haben uns um unsere Chancen gebracht.” Scharf kritisierte auch der Jochen Behle das Vorgehen: “Das ist eine Frechheit und absolut menschenunwürdig, wie man mit den Athleten umgegangen ist”, schäumte der deutsche Cheftrainer.

Entgegen erster Ankündigungen lenkte Österreichs NOK schnell ein, nachdem es von IOC-Chef Jacques Rogge zum Rapport zitiert worden war. Man werde keinen Protest einlegen, sagte NOK-Generalsekretär Heinz Jungwirth, denn man sei selbstverständlich auch für strenge Dopingkontrollen.

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