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Erlöser gesucht

„O Erd, schlag aus, schlag aus, o Erd, dass Berg und Tal grün alles werd. O Erd, herfür dies Blümlein bring, o Heiland, aus der Erden spring.“ Kein Erlöser, lärmende Adventmärkte sind aus dem Asphalt gesprungen. Ein Ständlerhaufen jagt den anderen, gebärdet sich, cooler, kitschiger, sentimentaler, verlockender, verblödeter, verfressener, versoffener. Die stille Zeit wird jährlich brüllender, dafür schaler. Übersättigung. Da ist längst kein Biss mehr drin. Der Volk? Kaputtgefuttert. Der Funke springt höchstens noch bis zur nächsten Zigarette. Weihnachtsbeleuchtung strampelt an jedem Hauseck. Einfamilienhäuschen verpacken sich mit Lichtglump. An den Hauswänden kleben ausgestopfte rote Dumm-Nikoläuse auf Leitern und warten auf den Heiland. Die Hauhau-Verblödung hat Saison. Glitzerbirnchen, Blinklämpchen, LED-Eiszapfen, Sterne, Leuchtgitter, Leuchtnetze, Dekoeisregen räubern in aller Augen. Es gibt Strom im Überfluss (aus AKW), ab er auch solaren (Bio-?) Strom. Bis Wiehnachten wird das Klima nicht gerettet. Rentiere mit Schlitten, Eisbären, Schneemänner, Santa Kläuse, Tannebäume, Engel schmeißen mit Licht herum und befördern den Volk in die Christkindlehölle.

„O klare Sonn, du schöner Stern, dich wollten wir anschauen gern; o Sonn, geh auf, ohn deinen Schein in Finsternis wir alle sein.“ Sonn ist unter. Finsternis? Keine. Eine hab ich entdeckt. Abseits der Bundesstraße zwischen Hohenems und Götzis, die Kaiser-Franz-Josef-Straße heißt, haust am Fallenkobelweg um Mitternacht eine ziemlich gute Finsternis. Da werde ich demnächst die schwarze Nacht besuchen. Im grausig verbauten Rheintal tut man sich schwer mit Finsternissen. Ich überlege finstere Nachtexkursionen anzubieten.

Kaufhaus Überall regiert, Massenwerbungentsorgungszeit in den Häusern. Strohsterne erreichen Höchstpreise, Strohköpfe zahlen. 4 Wochen Drummerboy im Ohr. Am Abend hängen Halbtrunkene herum, tagsüber quälen sich Mütter mit ihren Gagla durch die Kitschstände. Die Fratzen wollen unterhalten werden, Eislaufplätze werden zwischen die Stände gezwängt. Krippen müssen her mit richtigen Tieren zum Angreifen. Chöre singen im Glühweinsud, Bläser tuten das entsprungene Ros zum x-ten Mal durch die Wurschtdämpfe. Schupfnudler und Brandteigaffen hantieren. Der Hallo Hallo schlenkert vorbei. Luschtigsprüche kleben an jedem Eck, Punschpinscher trinken um die Wette. Stadtbekannte Urige haben ihren Platz vor denselben Stehtischen eingenommen as every year. Plotikeri drehen Lächler-Runden. X-Massacre. Festung Europa. Wir fühlen das Elend und schlucken. „Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt, darauf sie all ihr Hoffnung stellt? O komm, ach komm vom höchsten Saal, komm, tröst uns hier im Jammertal.“

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