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Erfüllung in Ptuj gefunden

(VN) Nenzing -­Doris Munda arbeitet in einem Heim für Behinderte in Slowenien.

Dornava, ptuj. Auch wenn Doris Munda seit mittlerweile 31 Jahren wieder in Slowenien lebt, geht sie durchaus noch als Vorarlbergerin durch. Zur Erklärung zwei simple Gründe: Zum einen hat Frau Munda ihre ersten zehn Lebensjahre in Nenzing verbracht. Zum anderen – und das ist noch viel wichtiger – schlägt ihr Herz nach wie vor für das Ländle. Letzteres sieht man ihr auch auf den ersten Blick an: Beim zufälligen Aufeinandertreffen an ihrem Arbeitsplatz – einem Heim für geistig Behinderte im slowenischen Dornava – mit einer Vorarlberger Delegation im Zuge einer sozialpolitischen Reise des Institutes für Sozialdienste, konnte die Dolmetscherin kaum glauben, dass sie unter den Gästen diverse Male das unverwechselbare „gsi“ wahrnahm.

Fließend „Nenzigerisch“

Sofort wurde das Hochdeutsch gegen Dialekt getauscht. Und man glaubt es kaum, aber sie spricht noch immer fließend „Nenzigerisch“. Groß war die Freude, endlich wieder ein Stückchen Heimat bei sich zu haben. Aber nun zur Lebensgeschichte der 41-Jährigen: Ihre slowenischen Eltern zogen in den Siebzigerjahren berufsbedingt nach Vorarlberg und ließen sich in Nenzing nieder. Kurz darauf gab es Nachwuchs. Doris Munda verbrachte ihre Kindheit in der schönen Walgau-Gemeinde. Noch heute erinnert sie sich gerne zurück: „Auch wenn ich seitdem erst zwei Mal in Vorarlberg war, um alte Freunde zu besuchen und mein Heimweh abzustreifen, habe ich noch immer diese spezielle Verbindung zum Land“, schwärmt die Bibliothekarin.

Mit zehn zurück nach Slowenien

Im Jahr 1979 – Doris Munda war gerade zehn Jahre – zog es die Familie zurück nach Slowenien, der Vater lebte wochentags aus beruflichen Gründen in Graz. Nach der Matura übersiedelte Doris ebenfalls in die steirische Landeshauptstadt, um dort ihrem Dolmetscher-Studium nachzugehen. „Der Berufswunsch ist noch in Vorarlberg entstanden“, erinnert sich die charismatische Austro-Slowenin. Als Kind habe sie vor einer Gruppe kroatischer Politiker ein Gedicht vorgetragen und „da habe ich mir gedacht: ‚Wenn ich groß bin, will ich entweder auf der Botschaft oder als Dolmetscherin arbeiten‘“, sagt sie lachend. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Studiums stand die frisch gebackene Magistra vor der entscheidenden Frage: Wohin des Weges? „Viele meiner Studienkollegen und Bekannten haben sich für das Ausland entschieden und arbeiten beispielsweise im Europaparlament. Ich hingegen habe mich für meine Familie entschieden und zog zurück nach Ptuj“, erzählt sie. Bereut habe sie die Entscheidung aber nie. „Ich fühle mich hier sehr wohl, bin glücklich verheiratet, habe drei Kinder und einen Job, der mich erfüllt.“ Letzterer klingt in der Tat sehr abwechslungsreich. In einem Heim für Behinderte in Ptuj‘s Nachbarstadt Dornava führt Munda die Bibliothek, übersetzt im Zuge dessen fachspezifische Literatur und kann bei Besuchen von ausländischen Gästen auch ihrem Beruf als Dolmetscherin nachkommen.

Doch damit nicht genug. Einmal in der Woche widmet sich die dreifache Mutter sieben „Schützlingen“ im Heim und liest mit ihnen verschiedene Bücher. „Dieser zusätzliche soziale Aspekt der Arbeit im Heim bildet eine schöne Einheit und ich kann sagen, dass mein Beruf auch mein Hobby ist“, schwärmt sie. „Das Zusammenarbeiten mit den Behinderten macht Spaß und gibt mir unglaublich viel – man kann sehr viel von ihnen lernen.“ Auch wenn Munda Vorarlberg noch immer als ein Zuhause bezeichnet, wird es sie dauerhaft nicht mehr herziehen. „Ich höre aber ausschließlich österreichisches Radio, meine Kinder lernen Deutsch und meine Liebe zu Vorarlberg wird immer bestehen bleiben“, erzählt sie. Und mit diesem Strahlen in den Augen nimmt man ihr das sofort ab.

 

ZUR PERSON:

Doris Munda

Bibliothekarin und Dolmetscherin (Englisch, Deutsch, Slowenisch) in einem Heim für geistig Behinderte in Dornava, Slowenien

Geboren: 4. Februar 1969

Wohnort: Ptuj, Slowenien; aufgewachsen in Nenzing

Ausbildung: Studium „Dolmetschen und Übersetzen“ an der Uni Graz

Familienstand: verheiratet, drei Kinder

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