Er überlebte den Besuch auf der Todesinsel

©T. N. Pandit
Im Falle des auf der von der Außenwelt isolierten Insel getöteten Missionars John Chau berät sich die Polizei  auch mit Anthropologen, darunter Trilok Nath Pandit - der Mann, der sich wohl so gut wie sonst niemand mit den Sentinelesen auskennt.
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Bereits im Jahr 1967 führte er eine Expedition zur Nord-Sentinel-Insel an. Es folgten viele weitere, bei denen er zusammen mit anderen Forschern Geschenke wie Kokosnüsse, Metallgegenstände und lebende Schweine am Strand hinterlegte und aus sicherer Entfernung im Wasser die Reaktionen der Sentinelesen beobachtete. Immer verhielten sie sich feindselig. “Wir verstehen ihre Sprache nicht, aber es war nicht schwer, zu verstehen, dass sie uns nicht auf ihrer Insel haben wollten”, erzählt Pandit.

“Er hat sie provoziert”

Er habe immer auf sie gehört. Das hätte auch Chau tun sollen, meint er. “Er hat sie provoziert, nachdem sie deutlich gemacht hatten, dass er nicht willkommen war”, sagt der heute 84-Jährige.

In all den Jahren kam Pandit nur einmal, 1991, den Sentinelesen richtig nahe. Damals wateten einige von ihnen – allesamt nackt, manche mit Kopfschmuck oder gelber Farbe im Gesicht – ins flache Wasser hinaus, um die mitgebrachten Kokosnüsse persönlich entgegenzunehmen. Warum sie das auf einmal taten, weiß Pandit nicht. Ein Junge mit einem Messer habe ihm aber bedeutet, er solle sich dem Strand besser nicht weiter nähern.

Mitte der neunziger Jahre stellte die indische Regierung die Expeditionen ein. Es hatte sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass diese großen Schaden anrichten könnten – etwa durch die Verbreitung von Krankheiten wie Masern oder Grippe, die im 19. Jahrhundert vielen Ureinwohnern auf den Andamanen das Leben gekostet hatten.

Bergung der Leiche wäre höchst gefährlich

Auch deshalb fordert die Organisation Survival International, die sich für die Rechte von Indigenen einsetzt, die Behörden auf, nicht zu versuchen, Chaus Leichnam zu bergen. Dies wäre für die Sicherheitskräfte wie auch für die Sentinelesen höchst gefährlich, heißt es. Auch lokale Forscher und Journalisten warnten am Dienstag in einem Brief vor einer weiteren Eskalation.

Zur Vorgeschichte gehört nämlich auch der Fall zweier Fischer, die im Jahr 2006 von Sentinelesen getötet wurden, nachdem ihr Boot an den Strand der Insel getrieben war. Als die Küstenwache kam, um die im Sand vergrabenen Leichen zu holen, griffen die Inselbewohner deren Hubschrauber an. Nur einer der toten Fischer konnte geborgen werden.

Die Sentinelesen seien von sich aus nicht aggressiv, meint Pandit. “Für sie sind Außenseiter aber Eindringlinge”, erklärt er. “Wir sollten ihren Wunsch respektieren, allein gelassen zu werden.”

(dpa)

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