Entscheidung über Zukunft

Der Aufsichtsrat des ÖBB-Personenverkehrs will am Donnerstag auch über das "Spannungsverhältnis" zwischen Vorstand Wilhemine Goldmann und dem ÖBB-Holding-Management sprechen.

Diskussionen zwischen den operativen Vorständen und der Holding-Führung seien zwar wichtig. In einer komplexen Struktur wie jener der neuen ÖBB sei aber auch Kooperationsbereitschaft gefragt. „Nicht allen fällt das gleich leicht“, sagte Aufsichtsratschef Fredmund Malik am Dienstag weiter zur APA.

Eisenbahner-Gewerkschaftschef Wilhelm Haberzettl sprach im „Standard“ am Dienstag von einer „klassischen politischen Verfolgungsaktion“. Goldmann gilt als SPÖ-nahe, Huber ist ÖVP-Mitglied. ÖBB-intern ist eher von persönlichen Debatten die Rede. „Wer sich gegen die Konzernlinie stellt, hat es schwierig“, hieß es.

In der Öffentlichkeit losgetreten worden war der Streit zwischen der ÖBB-Holding-Führung und Goldmann schon im Herbst vergangenen Jahres. Goldmann als Nahverkehrs-Chefin warnte damals in Hinblick auf die Anschaffung neuer Züge vor einer mangelnden Kapitalausstattung des Personenverkehrs und vor dessen drohender Pleite. ÖBB-Holding-Vorstand Huber dementierte dies danach heftig. In der Folge bekam Goldmann Holding-Finanzvorstand Erich Söllinger als dritten Vorstand zur Seite gestellt und musste den Bereich Finanzen an ihn abgeben. Danach musste sie auch noch die Bereiche Marketing und Vertrieb an ihren Vorstandskollegen für Fernverkehr, Stefan Wehinger, und schließlich auch den Vorsitz im Post/Bahnbus-Aufsichtsrat abgeben.

Malik will jedoch von einer Entmachtung Goldmanns nicht wissen. Es gehe hier nicht um Machtkämpfe, Schlammlachten, Mobbing oder gar politische Motive. Den Finanzbereich habe man Söllinger übertragen, um Goldmann, die am Limit ihrer Leistungsfähigkeit gearbeitet habe, zu entlasten. Den Marketing-Bereich habe man in den Fernverkehr verlagert, weil er dort größere Bedeutung habe. Und den Posten des Postbus-Aufsichtsrates habe Goldmann deshalb abgeben müssen, weil sie dort zuvor Vorstand gewesen sei und im Sinne der guten Corporate Governance ein Vorstand niemals später im Aufsichtsrat sitzen solle. Zu der damaligen Finanzierungsdebatte gesteht der ÖBB-Aufsichtsrat ein, dass noch einige Fragen offen seien. Im Moment sei aber „keine Gefahr für die Finanzsituation des Unternehmens absehbar“.

Malik selbst, Chef des Managementzentrums St. Gallen, war in der Öffentlichkeit zuletzt unter Beschuss geraten, weil sein Institut Schulungsaufträge für ÖBB-Manager in einer kolportierten Höhe von rund einer Mio. Euro angenommen haben soll. Der Manager betonte dazu, dass er in die Entscheidung nicht involviert gewesen sei. Auftragnehmer sei sein Wiener Büro gewesen, mit dem er nichts zu tun habe. Gerüchte über „persönliche Honorare“ hätten keinerlei Wahrheitsgehalt gehabt. Das habe er im Aufsichtsrat klären können. Eine solche Chance werde man am Donnerstag auch Goldmann geben.

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