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Elsner im BAWAG-Prozess: Schwiegersohn war nicht bei Flöttl tätig

Als Elsner heute, Montag, von Staatsanwalt Georg Krakow mit dem Londoner Mietvertrag seiner Tochter und seines Schwiegersohns, Marie-Therese und Karl Kinsky, konfrontiert wurde, wollte er sich zunächst mit seinem Anwalt besprechen.

Nach einer kurzen Pause erklärte er dann, sein Schwiegersohn habe zwar in London gearbeitet, er sei aber nicht für Wolfgang Flöttl sondern für eine Investmentgruppe tätig gewesen. Mit den UniBonds, also den Veranlagungen der BAWAG bei Flöttl, habe das Ganze mit Sicherheit nichts zu tun.

Flöttl hatte zuvor angegeben, Elsners Schwiegersohn habe von 2000 bis 2003 für ihn in London gearbeitet und der Job sei auf Initiative Elsners im zeitlichen Zusammenhang mit den UniBonds zustande gekommen. “Das ist ja grotesk”, empörte sich Elsner. Er habe seinem Schwiegersohn keine Stelle in London vermittelt. Elsner betonte dann: “Mein Schwiegersohn und meine Tochter haben von den Verlusten erst 2006 erfahren, ich habe sie nie informiert”. Von gemeinsamen Urlauben mit Wolfgang Flöttl und seiner (Elsners, Anm.) Familie hätten sich sein Schwiegersohn und Flöttl schon gekannt, räumte er in der Befragung ein. “War das auch der Urlaub im August 2000 auf den Bahamas?”, wollte Staatsanwalt Krakow wissen. In welchen Jahren diese Urlaube stattfanden erinnere er sich nicht, so Elsner.

Elsner wunderte sich dann, wie sein Schwiegersohn in London für Flöttl tätig werden hätte können, wenn Flöttl selber doch angeblich nicht in London arbeiten konnte, weil er keine britische Lizenz für Investmentbanking besaß. Laut Flöttl sei dies aber kein Problem gewesen: “Ich habe gemanagt, er hat für mich Analysen gemacht, er wollte in London sein”. Sein Schwiegersohn arbeite jetzt bei der Volksbank Invest im Treasury, sagte Elsner.

Auf telefonische Anfrage der APA erklärte Karl Kinsky heute Mittag, er wolle zu dem Ganzen keinen Kommentar abgeben.

Nach Angaben aus informierten Kreisen hieß es heute außerhalb der Verhandlung, die Miete für Elsners Tochter und seinen Schwiegersohn solle rund 3.500 Pfund (4.406 Euro) pro Monat betragen haben. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass die BAWAG die Miete bezahlt habe.

Im Zuge der Verlesungen aus dem Akt ist heute, Montag, im BAWAG-Prozess kurzfristig die Karibik-Firma “Morissa” aus der Phase der Karibik-1-Geschäfte der Bank mit Wolfgang Flöttl (bis 1994) wieder aufgetaucht. Die “Morissa” war Teil des Firmennetzwerks von Wolfgang Flöttl in der Karibik. Allerdings waren auch hier – wie so oft im Prozess – die Angaben widersprüchlich: Während Wolfgang Flöttl versicherte, dass Ex-BAWAG-Chef Helmut Elsner im Board (Direktorium) der Morissa gesessen sei, erklärte Elsner, er könne sich nicht erinnern, je an einer Morissa-Sitzung teilgenommen zu haben.

Eines wisse er aber, beteuerte Elsner: “Es hat mit Sicherheit keine Bezüge gegeben”. Flöttl hingegen kann sich an eine Morissa-Sitzung in Bermuda erinnern, an der Elsner teilgenommen hatte. Die Morissa war eine Zwischenholding der Wolfgang Flöttl gehörenden European Bank and Trust Ltd. (EBT) auf den Bahamas. Morissa hielt Beteiligungen an der EBT. Flöttls Vater Walter Flöttl, damals BAWAG-Generaldirektor, war selber einmal für drei Monate bei der Morissa tätig.

Elsners Verteidiger Philipp Strasser beantragte die Zeugeneinvernahme von Roland Horngacher, ehemals Wiener Landespolizeikommandant. Außerdem möchte er frühere Mitarbeiter von Wolfgang Flöttl als Zeugen befragen – deren Adressen aber dem Gericht unbekannt sind. Im Zuge der Verlesungen wurde auch erörtert, dass Flöttl seine Anwälte nicht von der Verschwiegenheitspflicht entbunden hatte.

In einer “Klarstellung zum Protokoll” erklärte Richterin Claudia Bandion-Ortner, dass das kurzzeitig ausgeschiedene Verfahren gegen Ex-BAWAG-Wirtschaftsprüfer Robert Reiter nach dem “Gerharter-Tag” mit Ex-Konsum-Chef Hermann Gerharter am 30. Jänner nicht wieder formell in den BAWAG-Prozess einbezogen wurde, aber trotzdem natürlich weitergeführt worden sei. “Wir sind sicherheitshalber gekommen, um nicht einen Haftbefehl zu riskieren”, scherzte Reiters Anwalt Thomas Kralik.

Im Zuge der Verlesungen aus dem Akt – in dem auch Artikel des Nachrichtenmagazins “News” enthalten sind – hat der Angeklagte Ex-BAWAG-Generaldirektor Helmut Elsner das Magazin attackiert: Er wisse jetzt, was “News” heiße, sagte Elsner am Montag im BAWAG-Prozess zu Richterin Claudia Bandion-Ortner: “Nicht ein Wort stimmt.”

In “News” waren immer wieder Teile aus dem BAWAG-Gerichtsakt veröffentlicht worden. Ein Foto mit einem Porsche, das einen Artikel über Elsner in Frankreich illustrierte, zeigte nicht einen Porsche-fahrenden Elsner, sondern jemand anderen. News-Generalgeschäftsführer Oliver Voigt nimmt die Vorwürfe gelassen. “Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen”, so seine Reaktion gegenüber der APA.

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