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Elend reisst nicht ab

Tschetschenische Flüchtlinge berichten über das Elend in Grosny. [18.1.2000]

Flüchtlinge aus der tschetschenischen Hauptstadt Grosny berichteten am Montagabend über eine Stadt voller Verwundeter und Hungernder, die sich in Kellern vor dem nicht enden wollenden Bombardement verstecken. Mehr als 200.000 Menschen sind aus Tschetschenien geflohen, seit die russische Armee vor vier Monaten mit ihrer Offensive begonnen hat. Die meisten Flüchtlinge leben derzeit in hastig und ohne technische Hilfe errichteten Flüchtlingslagern im benachbarten Inguschetien.

Die jüngsten Fernsehbilder aus Grosny zeigen eine vom Krieg zerstörte Stadt. Über zusammenbrechenden Wohnblocks zucken Flammen und die Straßen sind verödet. Tamara Magomadowa berichtet, sie habe Grosny vor zwei Wochen verlassen. Sie habe zwar ihre Töchter mitnehmen können, den Rest der Familie jedoch zurücklassen müssen. “Der Leib meiner Mutter ist vor Hunger angeschwollen, aber es gibt nicht einmal Wasser.”

Im Dorf Nesterowka in Inguschetien zehn Kilometer hinter der Grenze, hat eine große überwiegend aus Frauen und Kindern bestehende Menschenmenge seit einer Woche auf Hilfe gewartet. An jedem zweiten Tag erhielten die Flüchtlinge von den Hilfsstellen des russischen Katastrophenministeriums einen Laib Brot. Alena Eskajewa erklärt:
“Ich weiß nicht, wohin ich gehen soll. Ich habe meinen letzten Ohrring hergegeben, um Essen für meine Kinder zu bekommen. Ich weiß nicht, wie es jetzt weitergehen soll.”

(Bild: APA)

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